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Wenn der Berg ruft
07. Juli 2012 15:48; Akt: 07.07.2012 15:48 Print
Mörderische Pilgerreise
Hundertausende Hindus – Männer, Frauen und Kinder – pilgern jeden Sommer zu Shivas Höhle Amarnath im Himalaya-Gebirge. Ein Höllentrip, den nicht alle überleben.
Amarnath ist das Ziel der Hindu-Pilger. Eine Höhle auf 3882 Metern über Meer im Himalaya-Gebirge. Hier soll der Gott Shiva einst seiner Gemahlin Parvati das Geheimnis der Unsterblichkeit verraten haben. Fernab von jedem lebenden Wesen, auf dass niemand sonst seine Worte höre.
Bildstrecken Mittsommer 2012 in Stonehenge Infografik Weltreligionen VideoJedes Jahr – und das ist laut Wikipedia keine Legende – wächst in den Monaten Juli und August in ebendieser Höhle ein Eisstalagmit, der mit dem Zyklus des Mondes zunimmt und seinen Höhepunkt bei Vollmond erreicht. Und da sich Shiva einst den Göttern Brahma und Vishnu als ebensolche riesige Säule – einen sogenannten Lingam – offenbart hatte, erkennen Hindus in diesem Phänomen die Anwesenheit ihres Gottes.
Grund genug für gläubige Hindus, in dieser Zeit ins Himalaya-Gebirge zu pilgern und den Amarnath-Tempel zu besuchen. Hunderttausende sind jedes Jahr unterwegs. Sie müssen sich vor der Tour an einer offiziellen Stelle anmelden und dürfen danach in Gruppen von bis zu 3500 Personen losmarschieren. Unterwegs bieten private und Regierungsorganisationen unentgeltlich Nahrung und Zelte an. Polizisten schützen die Pilger vor Überfällen und helfen ihnen an schwierigen Stellen.
Dagegen ist der Jakobsweg ein Spaziergang
Auf einer derart gut organisierten Bergwanderung dürfte eigentlich nicht viel passieren, möchte man meinen. Doch weit gefehlt. Gegen diese Reise ist der Jakobsweg der reinste Spaziergang. Den Amarnath-Pilgern drohen viele Gefahren. Nicht nur das teilweise extrem unwegsame Gelände und Schneestürme machen ihnen das Leben schwer. Die Pilgerroute befindet sich im Bundesstaat Jammun und Kaschmir und schon mehrmals haben Freiheitskämpfer die Gläubigen überfallen.
Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen überleben nicht alle diese Reise. Allein an der Anstrengung sind dieses Jahr gemäss «The Times of India» bis Freitag, 6. Juli, bereits 32 Menschen gestorben. Um so glücklicher sind die Menschen, welche die mysteriöse Eissäule besichtigen konnten und gesund wieder nach Hause kamen. Richtiggehend selig aber sind die, welche unterwegs zwei Tauben sahen. Denn das müssen die beiden Tiere sein, die der Legende nach versteckt in der Höhle den Worten Shivas gelauscht haben – und das Geheimnis der Unsterblichkeit kennen.
(kmo)

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