188'000 Tonnen Munition

27. September 2017 13:43; Akt: 27.09.2017 14:40 Print

So sieht es aus, wenn ein Waffenlager explodiert

In der Ukraine ist am Dienstag eines der grössten Munitionslager des Landes in Brand geraten. Zwei Menschen wurden verletzt.

Schwere Explosion: Zehntausende Menschen müssen in Sicherheit gebracht werden. Video: Tamedia/AFP
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Nach Angaben des Militärs brach das Feuer am Dienstagabend gegen 22.00 Uhr Ortszeit aus. Daraufhin seien zahlreiche in dem Depot gelagerte Artilleriegranaten explodiert, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenseite «Ukrainska Prawda».

Das Munitionslager liegt rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Kiew und lagert etwa 188'000 Tonnen Munition. Das Militär teilte mit, das Lager sei zu 70 Prozent verschont geblieben.

Munitionsfabrik fliegt in die Luft

Es ist 20 Kilometer von der 370'000 Einwohner zählenden Stadt Winnyzja entfernt. Vereinzelt fingen auch Wohnhäuser Feuer, die Brände konnten aber gelöscht werden. Es besteht nach Angaben von deren Bürgermeister Sergej Morgunow keine Gefahr, dass die Stadt von Granatsplittern getroffen werden könnte.

Nach Angaben der ukrainischen Regierung ist das Feuer inzwischen unter Kontrolle gebracht worden. Zwei Menschen wurden verletzt und in Spitäler gebracht, wie die örtlichen Behörden am Mittwochmorgen mitteilten. Alle Bewohner der Ortschaft Kalyniwka und zweier benachbarter Dörfer wurden in Sicherheit gebracht. Auch ein Teil der Strassen in der Region wurde gesperrt und der Bahnverkehr teilweise umgeleitet.

Angriff mit Drohne?

Die ukrainische Führung vermutet einen Brandanschlag. Präsidentenberater Juri Birjukow sagte, möglicherweise sei das Lager mit einer Drohne angegriffen worden. Ein Wachtposten habe von einem seltsamen Geräusch berichtet, anschliessend habe es eine Explosion gegeben, schrieb Birjukow auf Facebook.

Zudem schrieb der Militärexperte von Festnahmen. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben lag zunächst nicht vor. Präsident Petro Poroschenko setzte für den Nachmittag eine Sitzung mit Vertretern zahlreicher Sicherheitsorgane an.

Ministerpräsident Wolodimir Groisman traf kurz nach Mitternacht in Winnyzja ein, um persönlich die Arbeit der Behörden zu koordinieren. Er war bis 2014 selbst Bürgermeister der Stadt. Die Verantwortlichen müssten gefunden werden, sagte er.

Nicht der erste Vorfall in diesem Jahr

Bereits im März hatte ein Brand in einem riesigen Waffen- und Munitionslager in der Stadt Balaklija im Osten des Landes zu tagelangen Explosionen geführt, bei denen ein Mensch getötet wurde. Tausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Ursache wurde nicht vollständig geklärt, die Regierung ging auch damals von Sabotage aus. Die Schäden wurden auf mehr als drei Millionen Euro geschätzt.

Das Depot der Stadt Balaklija liegt rund hundert Kilometer von den ostukrainischen Gebieten entfernt, die von den prorussischen Aufständischen kontrolliert werden. In dem Konflikt der prorussischen Rebellen gegen Kiews Regierungstruppen wurden seit April 2014 mehr als 10'000 Menschen getötet.

Im Oktober 2015 starben zudem zwei Menschen bei einer Serie von Explosionen in einem weiteren, direkt an der Frontlinie gelegenen Munitionsdepot.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grinslibär am 27.09.2017 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrupte Armee

    In der Ukraine wird gerade viel mehr vermutet und laut diskutiert, dass die Ursache für so viele solche Zwischenfälle einfach darin liegt, dass dort in der Armee sehr viel geklaut wird. Eine Brandstiftung ist die beste Möglichkeit zu vertuschen, was über Jahre von den dortigen Verantwortlichen geklaut und auf dem Schwarzmarkt verkauft wurde.

  • ENU am 27.09.2017 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Super Sache dass das Kriegsmaterial so vernichtet werden kann und somit weniger Tote zu beklagen sind. Weltweit alle Munitionslager anzünden und das Feuerwerk geniessen.

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  • Cavi33 am 27.09.2017 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher Russland schuld

    Und dieses Land will sich gen Westen orientieren, vergessen wir das doch. Die Ukraine soll doch weiter wursten wie bisher. Vor lauter Korruption geht doch gar nichts, das Lager haben die doch selbst angezündet damit alle wieder auf Russland zeigen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • huhu am 28.09.2017 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das gabs auch schon in der Schweiz

    Da werden Erinnerungen wach: 1992 ging bei Steingletscher am Sustenpass ein Munitionsdepot der Schweizer Armee in die Luft. Das hat bis in die Nordschweiz geschüttelt...

  • Faktencheck am 28.09.2017 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kann sich niemand mehr erinnern?

    Schon wieder? Sowas war doch vor kurzem schon einmal und kurz danach bekam die Ukraine sehr viel Waffen und Munition aus den USA... Kommt nun die nàchste Lieferung? Und der Buhmann ist wahrscheinlich wieder die "bösen Terroristen" aus dem Donbass? Ich hoffe die Ukraine geht demnächst unter, die jetztige Regierung ist noch korrupter und gefàhrlicher als Janukowitsch.

  • C.Käser am 27.09.2017 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Uns bitte nicht vergessen

    dass wir an der Ampel immer schön den Motor ausmachen...:-)

  • Spion81 am 27.09.2017 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Feuerwehr

    Wie bringt man so ein Feuer unter Kontrolle? In die Nähe kann man nicht wirklich. Da fliegt einem alles um die Ohren. Muss man das "ausbrennen" lassen?

    • Skywalker99 am 27.09.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Spion81

      genau.

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  • Quo Vadis am 27.09.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem der Nullen

    Da wird ein bisserl übertrieben. Es gibt kaum ein Munitionslager auf der Welt mit 188'000 Tonnen viel eher sind es 188 Tonnen. Was wiederum 188'000 Kilos entsprechen.

    • Skywalker99 am 27.09.2017 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Quo Vadis

      Denke ich auch. das wären ca 3.75 Millionen 155 mm Granaten mit rund 50 kg Gewicht.

    • NachRecherche am 28.09.2017 00:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Quo Vadis

      Naja rein theorethisch könnte die Anzahl schon stimmen, schon beim ersten Waffenlager das explodiert ist waren auf knapp 370 Hektar grossen Grundstück 138.000 Tonnen Munition gelagert. Und kurz danach kam der Nachschub aus Amerika, wie praktisch oder?

    • Klugscheisser am 28.09.2017 06:56 Report Diesen Beitrag melden

      Quo Vadis

      188 Tonnen? Hallo? Ein Airbus 380 wiegt vollbetankt mehr. Daher sind es schon eher 188'000 Tonnen.

    • Mike am 28.09.2017 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Quo Vadis

      Ja es gibt bestimmt kein Munitionslager auf der Welt in dem mehr als 376 500 Kilo Bomben gelagert werden.

    • Skywalker99 am 28.09.2017 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @NachRecherche

      klar, die Amerikaner verwenden ja genau die gleichen Kaliber wie die Ukraine resp. Russland. Mit ein bisschen Würgen geht auch eine 155 mm Granate in ein 152 mm Rohr. Ironie aus.

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