Botschaft von Marcel H.?

09. März 2017 18:03; Akt: 10.03.2017 18:37 Print

«Könnte demnächst geschnappt werden»

Vor der Festnahme von Marcel H. ist eine Audiobotschaft aufgetaucht, die von dem 19-Jährigen stammen soll.

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Der 19-jährige Marcel H., der seinen neunjährigen Nachbarsbuben umgebracht haben soll, hat sich vor seiner Festnahme wahrscheinlich im Internet gemeldet. Zum einen teilte die Polizei mit, sie habe eine digitale Audiobotschaft sichergestellt und ausgewertet.

Darin sind Schilderung zu hören, wie der neunjährige Jaden getötet wurde. «Wir nehmen an, dass die Aufnahme vom Täter stammt», sagte ein Sprecher der Polizei Dortmund. Was der Polizei bei der Schilderung am meisten auffiel: Der Täter spricht vom Mord an dem Kind, als ob ihn das nichts angehe, er gab sich total gefühlskalt. Die Polizei machte keine Angaben, wie sie auf die Audiobotschaft gekommen war.

«Wenn ich morgen nichts schreibe, bin ich tot»

Zum anderen war in einem Internetforum ein verschlüsselter Link aufgetaucht, den ein anonymer Nutzer gepostet hatte: «Könnte demnächst geschnappt werden. Hier ist ein Statement. Wenn ich morgen nichts schreibe, bin ich tot», heisst es darunter auf Englisch.

Der Link führe auf einen längeren Post bei Pastebin, schreibt die «Tageszeitung». Offenbar wird darin das Motiv der Tat beschrieben. Ob der Verfasser Marcel H. ist, ist unklar.

H. könnte verletzt sein

Über 1400 Hinweise aus der Bevölkerung waren bei der Polizei eingegangen, alle wollen Marcel H. (19) gesehen haben. Es gab mehrere Grosseinsätze, die zunächst ergebnislos blieben.

H. hatte am Montag einen neunjährigen Nachbarsjungen erstochen und mit der Tat in einem Onlinechat geprahlt. Dazu lud er offenbar auch Fotos von sich und der Leiche hoch.

Die Polizei schliesst nicht aus, dass sich H. «bei der Tatausführung an der rechten Hand verletzt hat», wie sie in einer Mitteilung schreibt. Sie suchte deswegen Zeugen, die den 19-Jährigen in einem Krankenhaus, einer Apotheke oder bei einem Arzt gesehen haben könnten.

Unheimliche Posts vom Dienstag

Unklar bleibt, von welcher «Tatausführung» die Polizei spricht. Am Dienstag hatte jemand, der sich als H. ausgab, unheimliche Botschaften auf einer Website gepostet: Er habe eine Frau in seine Gewalt gebracht – und sich dabei in die Hand geschnitten: «Ich habe mich in die Hand geschnitten, als ich das 120-kg-Biest bekämpfte. Sie leistete mehr Widerstand als das Kind.»

Es sei nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine Falschmeldung handle, so die Polizei am Dienstagabend, «aber die Gefahrenlage macht es nötig, das ernst zu nehmen.» Meldungen über eine seither Vermisste gingen bislang nicht ein.

Der «Bild»-Zeitung liegen die Posts vom Dienstag vor. Sie meldet, dass dazu auch ein Foto hochgeladen worden sei: Es zeige einen von Stichen übersäten Teil eines Menschenkörpers.

«Marcel» in japanischer Schrift

Der Fotograf knipste das Bild von oben und stellte dabei seinen Fuss auf den Körper. Daneben liegt ein weisses Blatt Papier: «2k16+3-2» – 2017 also – «1 PM» und «7. March». Unter der Datums- und Zeitangabe schrieb jemand in japanischer Schrift den Namen «Marcel».

Marcel H., so viel ist bekannt, betreibt Kampfsport. Nachbarn zufolge übte er im Garten regelmässig mit einem japanischen Schwert.

Polizeiaufruf nach Hund und Hundebesitzer

Und dann ist da noch die Sache mit dem Hund: Gestern Abend veröffentlichte die Polizei das Foto eines Hundes und fragte: «Wer kann Angaben zum abgebildeten Hund oder dessen Besitzer / Besitzerin machen?» Aus ermittlungstaktischen Gründen verriet sie aber nicht, wie der Hund oder sein Besitzer mit der Tat oder dem Täter in Verbindung stehen.

Die Mutter des getöteten Neunjährigen sprach derweil über den Nachbarn und mutmasslichen Mörder ihres Sohnes. H. habe seine Eltern regelrecht terrorisiert. Als Kind, so hiess es von Anwohnern, habe H. den Hamster seiner Schwester getötet und zerlegt.

(gux)