Ferndiagnose

11. März 2016 19:57; Akt: 11.03.2016 19:57 Print

Hörerin rettet Moderator in Livesendung das Leben

Christian Stübinger moderiert bei einem Hamburger Radio. Als er in der Sendung über Bauchschmerzen klagt, meldet sich eine Hörerin — die Krankenpflegerin schaltete im richtigen Moment ein.

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Christian Stübinger schleppt sich am Dienstagmorgen zur Arbeit. Der Moderator eines Morgenprogramms beim Hamburger Radiosender Energy hat schon zwei schreckliche Nächte hinter sich: «Höllische Bauchkrämpfe rechts und links vom Bauchnabel», erzählt er seinen Hörern. Und es wird nicht besser: Pulsrasen, eiskalte Hände und Blässe kommen jetzt hinzu. Stübinger glaubt, es sei eine Grippe. Oder eine Magenverstimmung.

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Eine Hörerin seiner Sendung interpretiert die Symptome ganz anders. Felek ist Krankenpflegerin. Sie ruft live ins Studio an und bittet den Moderator: «Leg dich auf den Rücken und heb dein rechtes Knie angewinkelt an. Dann drückst du schräg-rechts unterhalb des Bauchnabels und atmest tief ein.»

Ab in den OP-Saal

Als Stübinger den sogenannten McBurney-Punkt loslässt, spürt er heftige Schmerzen, berichtet «Focus». In dem Moment ist Hörerin Felek klar: Der Blinddarm des Moderators ist schwer entzündet.

Die Krankenpflegerin versucht, dem Moderator keine Angst zu machen. Sie rät ihm zum Arzt zu gehen, doch wie sie später selber «Focus» erzählt: «Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht. Am liebsten wollte ich sagen: ‹Ruf den Krankenwagen und geh ins Krankenhaus!›»

Am Schluss geht alles sehr schnell: Stübinger bricht die Sendung ab und fährt zum Arzt. Im Spital kommt er noch am frühen Dienstagnachmittag unters Messer. Nach der OP meldet er sich mit einem Foto vom Spitalbett aus auf Facebook: «Live-Diagnose im Radio, Show abgebrochen, OP. Was ein Tag».

Retterin Felek freut sich, geholfen zu haben: «Solche Ferndiagnosen funktionieren natürlich nicht immer. Schön, dass er auf mich gehört hat.» Am Donnerstag will sie ihren Lieblingsmoderator im Spital besuchen.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Heiz am 11.03.2016 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gelaufen, kompetente Hilfe!

    Das ist eine schöne Geschichte. Früher waren Blinddarminfektionen häufiger. Schön, hat die Hörerin richtig reagiert.

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  • Gipfelihinedri am 11.03.2016 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Danke dir

    Schön so etwas zu hören. Die Welt ist eben doch nicht nur mit Egoisten besiedelt wie man immer vermutet. Man muss nur offen sein und keine Vorurteile fällen. =)

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  • Marco am 11.03.2016 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wow.

    Bei meinem Blinddarm war ich gerade im Alpamare und lag dann wie ne Wasserleiche auf der ersten Stufe des Wellenbades... nachdem ich so 40 Minuten auf dem Klo mit der Ohnmacht gekämpft hatte. Wie hat der das zwei Tage ausgehalten?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schokolade am 12.03.2016 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut!

    Sehr gut gemacht !

  • Kranke Schwester am 12.03.2016 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken

    wenn man mehr von seinem Smartphone als von seinem Körper versteht kann das passieren.

  • Petra Müller am 12.03.2016 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ferndiagnose

    Da ich das Medgate-Modell gewählt habe, sprich, vor einem Arztbesuch immer zuerst eine telefonische Beratung anfordern muss, ist es selbstredend, dass ich einer Ferndiagnose vertraue. Bei Zweifeln kann ich immer noch zum Arzt.

  • Skorpion am 12.03.2016 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmerzempfindlichkeit

    Ich möchte zu dem Thema nur sagen , jeder hat ne andere Schmerzgrenze. Der ein hat das Gefühl kurz vorm sterben zu sein wärend der andere mit den gleichen Schmerzen denkt , tut zwar ordentlich weh ist aber noch zu ertragen. Ich im übrigen gehöre zu der zweiten Gruppe heißt es braucht viel bis ich wirklich das Gefühl habe es tut weh . Und ja ich weiß was schmerzen sind ich leide seit Kind an Migräne. Ich habe mit angerissen Bändern am Fuß im Verkauf gearbeitet und hatte nicht das Gefühl das es jetzt enorm schmerzt und bei einem gebrochenen Arm brauchte ich keine Schmerzmittel. Ich finde es toll das die Dame hellhörig geworden ist und gehandelt hat.

  • wie am 12.03.2016 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Geschichte

    Ich war dazumals der erste einer Reihe von Blinddarminfektionen in einem Kantonsspital, nach mir wurden am selben Tag 13 Jugendliche operiert. In meinem 4er Zimmer hatten alle das Gleiche.

    • fröschli am 12.03.2016 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @wie

      ... und als das" Patienten Quartett" sich besser fühlte ging der grosse Spass los...war doch eine tolle, kurze Zeit damals!

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