Volkssport Kopieren

06. März 2017 20:21; Akt: 06.03.2017 20:21 Print

China baut Tower Bridge nach – und verdoppelt sie

In China wird oft kopiert – auch Bauwerke aus aller Herren Länder. Jüngstes Beispiel ist eine der bekanntesten Brücken der Welt.

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Diese Brücke sieht aus wie die Londoner Tower Bridge. Es handelt sich aber um einen detailgetreuen Nachbau in der chinesischen Stadt Suzhou in der Nähe von Shanghai. Eine simple Kopie war dann aber zu wenig spektakulär. Die chinesische Variante hat gleich vier statt zwei Türme, und die sechsspurige Strasse verläuft zwischen diesen statt darunter hindurch. Das Nachbauen von westlichen Sehenswürdigkeiten liegt im Reich der Mitte im Trend. Mindestens zehn solche realitätsnahe Nachbauten des Weissen Hauses existieren in China. In der Stadt Hangzhou entstand vor über zehn Jahren ein ganzes Stadtviertel, das an die Strassenzüge im Zentrum von Paris angelehnt war. Dazu gehörte konsequenterweise auch ein Nachbau des Eiffelturms. Die 108 Meter hohe Kopie musste einige Zeit später allerdings abgebrochen werden, um einem neuen Bahnhof Platz zu machen. Dass es sich hier um einen Nachbau der grossen Sphinx von Gizeh handelt, erkennt man an der abgebrochenen Nase. Der Bau der Figur führte 2014 zu einem diplomatischen Zwist zwischen Ägypten und China. Auch den Arc de Triomphe findet man in verschiedenen Variationen und Grössen in China. Dieser hier steht in der Stadt Zhengzhou. Diese Installation erinnert wohl die meisten Betrachter an die Skulptur «Cloud Gate» des Künstlers Anish Kapoor in der US-Stadt Chicago. Sie befindet sich in der Stadt Karamay im äussersten Nordwesten Chinas. Nicht nur internationale Bauwerke werden in China kopiert, sondern auch eigene Werke: Diese Terrakotta-Soldaten befinden sich fast 1000 Kilometer von der originalen Terrakotta-Armee von Xi'an entfernt.

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Die Tower Bridge überspannt die Themse? Der Eiffelturm überragt Paris? Die Sphinx thront vor den Pyramiden von Gizeh? Schon, aber nicht nur: Denn auch in China kann man all diese Sehenswürdigkeiten besichtigen, zum Teil gleich mehrfach. Und das, wohlgemerkt, nicht als Teil von Hotels, Casinos oder Freizeitparks, sondern mitten in Städten auf öffentlichen Plätzen.

In Suzhou überspannt seit kurzem ein Nachbau der Tower Bridge einen Flussarm. Allerdings begnügten sich die Chinesen nicht mit einer möglichst detailgetreuen Nachbildung des Londoner Originals, es musste schon etwas Grösseres her. Darum ist die Brücke in Suzhou doppelt so breit geraten und hat darum auch vier statt zwei Türme.

Vom Eiffelturm bis zum Weissen Haus

Eine China-Version des Eiffelturms stand einige Jahre lang in der Stadt Hangzhou. Der Turm überragte ein ganzes Stadtviertel, das im Stil der französischen Hauptstadt mit ihren Stadthäusern und Boulevards errichtet wurde. Der Turm musste allerdings inzwischen einem neuen Bahnhof weichen.

Beliebt sind im Reich der Mitte auch Nachbildungen westlicher Regierungsgebäuden. So existieren in China etwa mindestens zehn Kopien des Weissen Hauses sowie zahlreiche kleinere und grössere Varianten des Washingtoner Kapitols.

Auch chinesische Bauwerke werden kopiert

Doch auch vor landeseigenen Sehenswürdigkeiten macht die chinesische Kopier-Wut nicht halt: So müssen Chinesen, die im Südosten des Landes leben, nicht etwa hunderte Kilometer nach Xi’an reisen, um sich die berühmte Terrakotta-Armee anzuschauen. Eine Kopie der grössten Halle davon kann man in Tahui, rund 1000 Kilometer vom Original entfernt, besuchen.

Weitere Kopien bekannter Sehenswürdigkeiten und Bauwerke aus aller Welt umfassen das Opernhaus von Sydney, die Sydney Harbour Bridge, eine Sphinx – die zu zwischenzeitlichen diplomatischen Querelen mit Ägypten geführt hatte, wie die «New York Times» schrieb – sowie ein Unesco-geschütztes Alpendorf aus Österreich.

(ofi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex Vorburger am 06.03.2017 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China wie es war:

    Hochkultur von einst. Heute: Kopiermaschine.

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  • SwissJohnson am 06.03.2017 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm..

    China hat sich wohl das Hamburger Miniatur Wunderland als Inspiration genommen und dabei jedoch den Maßstab 1:1 gewählt. Ich finds lustig.

  • GalileoWisser am 06.03.2017 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Galileo

    Tower Bridge war in Galileo vor 2 Jahren (YouTube:China kopiert die Welt)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 07.03.2017 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Konfutius

    erklärte das Kopieren zur Kardinaltugend. Deshalb hat man in Asien ein ganz anderes Verhältnis dazu. In meiner rheinischen Heimat hat es bei Braubach die Marksburg, einzig erhaltene Höhenburg im unveränderten Zustand des Mittelalters. Vor Jahren gab es ein ernsthaftes Angebot aus Japan diese Burg zu kaufen, sie abzutragen und in Japan wieder aufzubauen. Natürlich wurde das abgelehnt. Also baten die gleichen Leute um die Erlaubnis die Burg mit modernster Lasertechnik zu vermessen, innen und aussen, jeden Stein, jedes Fenster, jeden Dachziegel. Heute hat es eine exakte Kopie in Japan, am Strand.

  • Decrianus am 07.03.2017 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    mit anderen Ellen messen?

    Bei uns hiess dieser Baustil "Neoklassizismus" und wird als Kunst angeschaut.

    • Thomas am 07.03.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Naja!

      Einen schwarzen Fleck auf einem weissen Blatt wird bei uns auch schon als Kunst angeschaut. Naja!

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  • Jan W. am 07.03.2017 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Beeindruckend

    Genau Alex E. Wenn die Japaner und die Deutschen heute nicht mehr kopieren, aber Jahrzehnten lang davor, heisst es nicht, dass sie jetzt anders und besser sind. Hingegen haben die Chinesen aber bereits Jahrhunderten davor für die ganze Menschheit Grundlegendes erfunden: Papier, Tinte, Porzellan, Seide, Schirm, Teigwaren, Kompass, Gartengestaltung, Feuerwerk, Münzen, usw. Ohne all diese chinesischen Erfindungen, die die ganze Welt kopiert haben, können wir sogar noch heute nicht leben!!! China ist wieder ganz oben und tragen heute weltweit am meisten neue Patenten ein. China ist beeindruckend.

    • Theirry am 07.03.2017 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      Na ja

      China würde dafür ohne die Gier des Westens, möglichst billig zu produzieren, gar nie dort sein wo es ist. Durch Billigarbeiter (Hat ja genügend Arbeitssklaven in China) kamen die Firmen, durch die Firmen das Know-How und durch das Know-How nun die Innovationen. Von dem her...ich bin sicher dass ohne China jemand anders das Papier o.a erfunden hätte, aber billig produzieren können auch andere. Der Westen hat sich durch seine Gier selber ausgehebelt, denn China hat unendliche Manpower! China ist nun selber gierig und es hat grossen Hunger.....eklig...

    • Roland J. am 07.03.2017 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      Schon klar

      Na ja, genau. So eklig wie unsere Gier, so billig unser Konsum-Verhalten. China hat all das erkannt und deshalb bis zum Top aufgestiegen und heute Hunderte Millionen Billigarbeiter zur Mittelschicht gebracht, die als Touristen auf der ganzen Welt verteilt sind und auch schon Weltmeister als Konsumenten gelten. Das nennt man Cleverness! Ganz richtig, wenn die Tower Bridge nicht schon früher gebaut wurde, wird sie eben heute von den Chinesen gebaut. Doch klar.

    • Korrekter am 07.03.2017 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Jan W

      die ersten Metallgeld stammt aus dem Mittelmeerraum, Zeit 2000 v. Chr und nicht aus China

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  • The Observer am 07.03.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar...

    ...man will dem eigenen Volk klarmachen: Willst Du Sehenswürdigkeiten sehen, musst Du nicht mehr um die halbe Welt reisen. Was ich dazu anmerken mag, speziell zur Tower Bridge Kopie: es sind lediglich die Türme und Brücken "kopiert" worden. Die Mechanik (also die zwei beweglichen Brückenteile) gibt es gar nicht. Von daher... auch noch schlecht kopiert. Wer im Tower-Beidge-Museum war, weiss, was für eine Meisterleistung mit dem Original in London im 19.Jahrhundert entstand!

    • Marcel am 07.03.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ihre Einseitigkeit

      Und wer mal im Britischen Museum war, weisst was China alles erfunden hat und was der Westen gestohlen hat, lieber Observer!!! Einfach peinlich.

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  • Ernst Hugentobler am 07.03.2017 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sphinx? Nase?

    ...auch das Original hat keine Nase mehr, wo soll also ein Unterschied sein? Es ist eher das Grössenverhältnis zu den Menschen daneben.