Albtraum jeder Mutter

26. Oktober 2012 05:20; Akt: 26.10.2012 09:52 Print

Nanny ersticht in New York zwei Kinder

Entsetzen im noblen Upper-West- Side-Quartier Manhattans: Eine Mutter lässt ihre Kinder in der Obhut der Nanny. Als sie zurückkommt, liegen Sohn und Tochter erstochen in der Badewanne.

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Yoselin Ortega bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt vor dem New Yorker Gericht. Nachdem sie sich nach der tat selbst verletzt hatte, plädierte die 50-jährige Nanny von ihrem Krankenhausbett aus auf «nicht schuldig». Die New Yorker Staatsanwaltschaft sieht das anders: Ihr zufolge hat Ortega den zweijährigen Leo und die sechsjährige Lucia getötet. Die Mutter der Kinder, Marina Krim, kam Medienberichten zufolge nach Hause und sah, wie Ortega sich selbst in den Hals stach. In der Badewanne lagen die erstochenen Kinder. Yoselyn Ortega in der Dominikanischen Republik irgendwann zwischen 1985 und 1990. Der zweijährige Leo war der absolute Liebling seiner Mutter. Auf ihrem Blog schrieb Marina Krim: «Die beste Zeit meines Tages: Wenn ich die Mädchen in der Schule absetze und drei Stunden mit dem kleinen Leo ganz für mich alleine habe. Ich bete diesen Buben an!» Mutter Marina Krim liess ihre Tochter Lucia zusammen mit Brüderchen Leo in der Obhut der Nanny. Das kostete beide Kinder das Leben. Von den drei Kindern lebt nur noch die dreijährige Nessie (l.). Sie war im Schwimmunterricht, als ihre Geschwister Lucia (M) und Leo (r.) ermordet wurden. Die drei Krim-Kinder: Nessie (3), Leo (2) und Lucia (6). Die Nachbarn der Krims sind schockiert, traurig und fassungslos. Reporter besuchen das Appartement, in dem das Verbrechen geschah. Ein Opfer, wahrscheinlich Nanny Ortega, wird ins Spital gebracht. Die Trauer ist riesig. Vor dem Wohnhaus in Upper West Side versammeln sich Menschen, um der Familie Krim ihre Anteilnahme zu zeigen.

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Die 36-jährige Marina Krim kehrte gegen 17.30 Uhr in ihre Wohnung an der noblen Upper West Side in Manhattan zurück, nachdem sie mit ihrer 3-jährigen Tochter Nessie im Schwimmunterricht gewesen war.

Den 2-jährigen Leo und die 6-jährige Lucia hatte Krim in der Obhut der Kinderfrau Yoselyn Ortega (50) gelassen. Als die dreifache Mutter das Apartment dunkel und verlassen vorfand, ging sie wieder in die Eingangshalle, um den Concierge nach dem Verbleib der Kinder und der Nanny zu fragen.

Erst als er sagte, er habe niemanden herausgehen sehen, suchte die Mutter die Räume ab und fand ihre beiden Kinder schliesslich im Badezimmer. Sie lagen in der Wanne, erstochen. Daneben lag die schwerverletzte Nanny mit einem Messer. Sie hatte offenbar versucht, sich die Kehle durchzuschneiden.

Markerschütternde Schreie

Eine Nachbarin erzählte, sie habe markerschütternde Schreie gehört, einen von einer Frau und einen von einem Mann, dessen Stimme sie als jene des Concierge erkannte. Er habe immer wieder geschrien: «Sie haben ihre Kehle durchgeschnitten.»

Die schwerverletzte Nanny wurde von der Polizei sofort ins Spital gebracht. Ihr Zustand sei kritisch, aber stabil. Polizeisprecher Paul J. Browne konnte gegenüber der «New York Times» nicht sagen, ob die Nanny Ortega einen Brief oder eine anderweitige Erklärung für die Tat hinterlassen habe.

Wie lange Ortega schon für die Familie Krim arbeitete, ist ebenfalls unklar. Doch die Beziehung zwischen Kinderfrau und der Familie muss eine enge gewesen sein. Marina Krim schrieb auf ihrem Familienblog von den gemeinsamen Ferien mit der Kinderfrau. Offenbar besuchten die Krims sogar Nanny Ortegas Familie während neun Tagen. Sie nannte die Nanny liebevoll Josie.

Vater wusste von nichts

Die Mutter der erstochenen Kinder wurde in Spitalpflege gebracht. Ihr Mann, der am Abend von einer Geschäftsreise heimkehrte, wurde am Flughafen von Polizisten mit der Schreckensnachricht empfangen.

Die Kinderfrau Yoselin Ortega lebte einige Kilometer entfernt im Stadtteil Harlem. Die 50-Jährige stammt ursprünglich aus der Dominikanischen Republik und wohnte zusammen mit ihrem erwachsenen Sohn in einer kleinen Wohnung.

Nachbarn beschreiben sie als fleissig und unauffällig. Niemand kann fassen, dass Ortega zu einem solchen Verbrechen fähig war.

(bem/gux/dapd)