Beim Fotografieren

27. August 2012 16:39; Akt: 27.08.2012 16:39 Print

Grizzly zerfleischt Backpacker

Ein unvorsichtiger Amerikaner ist in Alaska von einem Bären angefallen und getötet worden. Die Ranger kamen dem Tier durch eine Kamera auf die Spur: Der Tourist war dem Raubtier viel zu nahe gekommen.

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Im Juli 2005 wanderte ein Bär aus dem italienischen Trentino ins Val Müstair ein. Es war der Lumpaz im Schweizerischen Nationalpark am 28. Juli 2005. Lumpaz, war im Naturpark Adamello-Brenta geboren worden, und zwar als zweites Junges von Joze und Jurka (deshalb JJ2). Damit ist er der Lumpaz in der Nähe des Ofenpasses am 29. Juli 2005. Seit Herbst 2005 gilt JJ2 als Es wird vermutet, dass er gewildert wurde. Sein Auftauchen ist ein grosses Wildbeobachter und Journalisten hoffen, dass sich JJ2 am Ofenpass blicken lässt. Im Mai 2006 wandert JJ1 aus Italien in den Norden. Er war nie in der Schweiz. Bruno treibt längere Zeit im bayrisch-österreichischen Grenzgebiet sein Unwesen, reisst Schafe und verwüstet Gärten. Da er offensichtlich keine Scheu vor Menschen hat, wird er als «Problembär» eingestuft und schliesslich am Bruno im Landkreis Miesbach am 25. Juni 2006. Im Juni 2007 wandert erneut ein Bär ins Münstertal ein. Er wird schnell als JJ3, identifiziert, der jüngere Bruder von Bruno (JJ1) und Lumpaz (JJ2). Am 12. August wird er narkotisiert und mit einem versehen (Bild). Dem Besucher gefällt es im Bünderland, er stösst bis auf die Lenzerheide und ins JJ3 tappt am 24. März 2008 in der Nähe von Surava GR in eine Fotofalle. Da auch JJ3 - wie seine beiden Brüder - kaum Scheu vor dem Menschen hat, wird er als Fotofalle am 24. März 2008. Vergrämungen beeindrucken JJ3 nicht. Schliesslich wird er als Fotofalle bei Surava GR vom 25. März 2008. Am 14. April 2008 erlegt ihn die Bündner Wildhut am Glaspass. JJ3 wird präpariert und kann heute im bestaunt werden (Bild). Fast gleichzeitig mit JJ3 wandert auch dessen Halbbruder MJ4 in die Schweiz ein. Er wird am 3. Juni 2007 erstmals bei Zernez im Unterengadin gesichtet. Die Wildhut findet Spuren im Schnee (Bild). MJ4 hat denselben Vater wie die drei JJs, aber eine andere Mutter, die ausserordentlich scheue Maja. Wie JJ3 bleibt MJ4 den ganzen Winter über in der Schweiz. Er bleibt den Menschen aber stets fern und wird deshalb als eingestuft. Im Juni 2008 verabschiedet er sich wieder nach Italien. Der Bärenjunge M2 hält sich 2010 für etwa eine Woche in der Schweiz auf. Auch M2 entstammt dem «Life Ursus»-Projekt, seine Eltern sind Daniza und Gasper. Das zweieinhalbjährige Tier wird am 17. Juni 2010 von einem Polizisten im und reisst dort einige Schafe. Am 24. Juni 2010 verliert sich seine Spur in Graubünden, M2 ist offenbar ins Südtirol zurückgekehrt. Im Juni und Juli 2011 reisst ein Bär im Unterengadin 27 Schafe (Symbolbild). Mitte August beobachten drei Jäger einen Bären in der Nähe von Tarasp. Ob es sich dabei um das gleiche Tier handelt, ist unklar. Der Bär kann nicht identifiziert werden. Am 27. September 2011 beobachtet ein Jäger einen ein bis zwei Jahre alten Bären in der Puschlaver Gemeinde Brusio. Da auch hier keine brauchbaren DNA-Spuren gefunden werden, kann auch dieses Tier nicht identifiziert werden. Am 7. April 2012 begegnet die einem Bären. Er wird als M13 identifiziert, ein zweijähriges Männchen, das aus dem «Life Ursus»-Projekt im Trentino stammt. Vier Tage später wird das Tier Zuvor hatte er eine Ziege gerissen. Dank dem Senderhalsband soll es möglich sein, ihn umzuerziehen. M13 ist Am 25. April suchen die Behörden in Spiss im Tirol nach dem Bären und stossen dabei auf die Leiche eines männlichen Mordopfers – was M13 den Spitznamen Am 30. April wird M13 bei Ftan Am 21. April 2012 wird auf der Brennerautobahn im Südtirol ein Braunbär M14, ein Bruder von M13, überlebt den Unfall nicht (Bild). Eineinhalb Monate danach, Anfang Juni, ereilt M12, ein weiterer Bruder von M13, dasselbe Schicksal auf der Strecke Meran–Bozen. M12 war zuvor seit längerem im Grenzgebiet zwischen dem Tirol und Graubünden unterwegs gewesen. Am Samstag, 23. Juni, wird in Graubünden wieder ein Bär gesichtet. Die Behörden bestätigen, dass es sich um M13 handelt. Am 30. Juni können ihn Bündner Wildhüter betäuben und mit einem neuen Senderhalsband versehen. Nachdem er bereits einige unbewachte Schafe getötet hatte, sucht M13 nun auch Wohngebiete heim und taucht in der Nähe der Schule in Santa Maria GR auf. Darauf wird das Tier im Oktober als «Problembär» eingestuft. Im November 2012 dringt M13 in ein unbewohntes Ferienhaus ein, danach zieht er sich in die Winterruhe zurück. Als M13 eingestuft und zum Abschuss freigegeben.

Wenn Meister Petz in unseren Breitengraden gesichtet wird, wird es selten gefährlich. Die Ausnahme: Der «Problembär».

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als die Wanderer im Denali Nationalpark in Alaska in der Wildnis einen blutigen Rucksack fanden, war ihnen klar, dass etwas Furchtbares passiert ist. Erst Recht, als sie knapp fünf Kilometer abseits der nächsten Strasse auch auf zerrissene Kleidung stiessen. Alarmiert verliessen die Leute den Park und meldeten am 24. August um 17.30 Uhr ihren Fund.

Digitalkamera als Zeuge

Park Ranger starteten um 20 Uhr eine Suchaktion mit einem Helikopter und einem Flugzeug. Nach nur 30 Minuten fanden sie den «Tatort», an dem ein Grizzly scheinbar am selben Tag einen Rucksack-Touristen angefallen und getötet hatte. Das Opfer konnte dank eines Portemonnaies schnell identifiziert werden: Es handelte sich um den 49-jährigen Richard White aus San Diego, der seit drei Tagen durch den Nationalpark gereist war.

«Es scheint, als wäre der Wanderer auf einem Kiesbett den Toklat-Fluss heruntergelaufen. Er traf den Bären an einer Flussbiegung», sagte der Park-Aufseher Paul Anderson der Zeitung «Alaska Dispatch». «Anstatt den Bären zu umgehen und 400 Meter Abstand zu halten, näherte er sich ihm bis auf 45 Meter.» Woher die Behörden das wissen? Sie fanden Whites Digitalkamera, die zeigt, dass das Opfer den «Täter» acht Minuten lang problemlos ablichtete.

Erst friedlich, dann tödlich

Die Attacke selbst ist auf den Fotos allerdings nicht zu sehen. «Der Bär hat gegrast. Er war in keiner Weise aggressiv», so Anderson über die Bilder. In der Gegend des Toklat-Flusses leben laut dem Experten zwölf Bären. Das Tier, das an dem Seitenarm des Kantishna-Flusses getötet hat, sei ein grosses Männchen gewesen. Im gesamten Nationalpark, der knapp 25 000 Quadratkilometer gross ist, leben 350 Exemplare.

Obwohl Richard White vor dem Betreten des Parks über die Regeln aufgeklärt wurde und obwohl er weder eine Waffe noch Pfefferspray dabei hatte, hat der Grizzly mit dem Angriff auf den Menschen das eigene Todesurteil unterschrieben. «Wir schiessen in Denali normalerweise keine Bären», betonte Anderson: Seit 20 Jahren habe man keines der Tiere erlegt, doch dieses sei besonders gefährlich. Den Verdächtigen hatten die Wildhüter schon bei der Suchaktion ausgemacht: Am Folgetag ging es Meister Petz an den Fellkragen.

Todesschuss aus dem Helikopter

Nachdem am Morgen erst mehrere Wanderer evakuiert worden waren, erreichten Jäger um 14.30 Uhr den Tatort. Der Grizzly hatte sich nur 140 Meter entfernt und die Teile seiner Beute vergraben, die er nicht sofort verspeist hat. Die Wildhüter nahmen den Bewacher von einem Helikopter aus ins Visier und erschossen ihn. Nach einer Leichenschau des Kadavers war klar, dass der erlegte Bär derjenige war, der White zerrissen hat.

Die Tiere greifen Menschen nur sehr selten an. Das letzte tödliche Aufeinandertreffen in Alaska gab es 2005, als ein Paar aus Anchorage in einem anderen Nationalpark ums Leben kam. Normalerweise geht Meister Petz nur zum Angriff über, wenn er erschreckt wird. Nur in Ausnahmefällen sieht er den Menschen als Beute an. Zu Richard Whites Unglück traf er genau auf eine jener Ausnahmen.

(phi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • baba am 27.08.2012 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    grösseres Objektiv

    war diesen Sommer auch in Alaska(USA) und Yukon (CA) mit dem Camper unterwegs. Bevor wir unsere erste Wanderung unternahmen haben wir uns im Supermarkt einen Bärenspray gekauft. Wenn man diesen richtig verwendet müsste das reichen und man braucht keine Knarre. überall im Land stehen Warnschilder und Verhaltensregeln bei Bärenbeobachtungen. Haben aber von Einheimischen einige Geschichten von Bärenverletzungen wegen doofer Touristen gehört, die ein gutes Foto machen wollten. Ein Tip: kauft euch ein grösseres Objektiv, dann müsst ihr nicht so nah ran..

  • TjaU am 27.08.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder...

    Und wieder muss das Tier wegen der Dummheit des Menschen sterben, wie gerade der Tiger im Kölner Zoo....

  • Martin am 27.08.2012 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kollege in Kanada

    unser geschätzer Kollege ist momentan in Alaska - hoffentlich ist er weniger mutig und kommt heil wieder hier an!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • baba am 28.08.2012 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache

    Und schon wird wieder Panik gemacht und alle denken in Alaska lauert hinter jedem Busch ein agressiver Bär. Wir waren dort mehrere Wochen unterwegs und haben nur 2x einen Bären gesehen (Waren öfters wandern). Einer von sehr weit weg (auch im Denali) und den anderen am Strassenrand beim Grass fressen. In Alaska können die Leute normal mit den Tieren leben, es sind immer Touristen die angegriffen werden. Die Einheimischen haben mehr Angst vor Elchen da durch diese viel mehr Menschen verletzt werden oder sterben. Wir haben auch viele Elche gesehen....

  • Renate am 28.08.2012 00:55 Report Diesen Beitrag melden

    Angst

    mein Sohn ist schon einige Wochen als Tourist in Alaska, schrieb von Begegnungen mit Bären. Nun werde ich ihm sofort mailen, Bärenspray zu kaufen und vorsichtiger zu sein, denn auch er fotografiert viel und könnte in Versuchung kommen, näher ran zu gehen. Tiere sind unberechenbar, das darf man nie vergessen. Der jetzige Vorfall sollte allen Touristen in Alaska eine Warnung sein.

  • Mr. Nice Guy am 27.08.2012 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Sinn 

    Wie immer völlig unnötig das man das Tier getötet hat. Kann mir mal jemand den Sinn des ganzen verraten?!

  • Nina am 27.08.2012 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zum 2.

    und wieder wurde ein unschuldiges tier getötet..lasst sie doch einfach in ruhe und in der freiheit leben!

  • Vegi am 27.08.2012 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Also ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Jeden Tag werden hunderttausende Tiere geschlachtet, bei Tierversuchen getötet oder zum Spaß gejagt. Aber wird ein Bär erschossen der einen Menschen verspeiste regen sich alle auf. Seit ihr denn alle Vegetarier?