Klage wegen Freiheitsberaubung

16. März 2017 22:13; Akt: 16.03.2017 22:13 Print

Mädchen zu Sex mit über 1000 Männern gezwungen

Zwei Jahre lang hielten Zuhälter eine Jugendliche in einem Motel in Philadelphia als Prostituierte gefangen. Jetzt steht der Motelbesitzer vor Gericht.

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An einem Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania wird seit Freitag ein besonders schlimmer Fall von illegaler Prostitution und Menschenhandel verhandelt, der die USA erschüttert.

Die Familie der 17-jährigen Amerikanerin M. B. verklagt Yagna Patel wegen Freiheitsberaubung. Der 72-Jährige ist der Besitzer des Motels Roosevelt Inn in Philadelphia. Das Mädchen wurde zwischen 2013 und 2015 dort gefangen gehalten. Über 1000 Männer haben den Teenager in dieser Zeit vergewaltigt, berichtete der amerikanische TV-Sender CBS Philly.

Treppe war immer überwacht

Das Mädchen geriet in die Fänge von Menschenhändlern, nachdem sie wegen Streitigkeiten von zu Hause ausgerissen war, erzählt ihr Anwalt Nadeem Bezar. Um nicht obdachlos zu sein, habe sie sich «mit den falschen Leuten abgegeben», sagte er in der «Washington Post». Diese hätten sie ins Motel gebracht und zur Prostitution gezwungen.

Die Treppe im Roosevelt Inn wurde rund um die Uhr von den Menschenhändlern überwacht. «Wenn B. fliehen wollte, hielt jemand sie auf», sagte Bezar. Erst nach zwei Jahren gelang der damals 15-Jährigen die Flucht.

Hotel hat von Sexhändlern profitiert

Der Besitzer des Roosevelt Inn hat von den Vergewaltigungen gewusst, sagt Bezar. Wie die «Washington Post» schreibt, ist das Motel als «lokales Epizentrum für Menschenhandel» bekannt.

In der Anklageschrift steht: «Das Hotel hat seine Zimmer immer wieder an Sexhändler vermietet und von deren Machenschaften profitiert, ohne irgendetwas dagegen zu unternehmen.» Der Geschäftsführer des Hotels bestreitet die Vorwürfe. «Wir vermieten einfach die Räume und das ist alles, was wir machen», so Patel vor Gericht.

Prostitution von Minderjährigen klar sichtbar

Gemäss der «Washington Post» sei die Prostitution von Minderjährigen im Motel aber klar sichtbar gewesen. Im 30-Minuten-Takt seien Männer aus den Zimmern gekommen. Junge Mädchen seien in kurzen Röcken in den Gängen gestanden, schreibt die Zeitung. Es habe nach Marihuana gerochen und in den Zimmern seien gebrauchte Kondome herumgelegen.

Die meisten der Vergewaltiger der 17-jährigen B. wurden bereits zu Gefängnisstrafen verurteilt, wie die «Huffington Post» schreibt. Mit der Klage gegen den Hotelbesitzer will die Familie nun eine Entschädigung von umgerechnet 50'000 Franken erstreiten und verhindern, dass im Roosevelt Inn weitere Mädchen leiden müssen. Denn B. habe den Albtraum auch zwei Jahre nach ihrer Flucht nicht verarbeitet. «Sie ist am Ende», so ihr Anwalt.

Bezar hofft, dass das Gericht ein Zeichen gegen den Menschenhandel setzt. Gemäss der National Human Trafficking Hotline wurden zwischen 2007 und 2015 1424 Fälle von Menschenhandel in Hotels und Motels gemeldet.

(vbi)