Archäologische Forschung

30. September 2012 07:21; Akt: 30.09.2012 17:21 Print

Wirbel um Jesus-Papier - Echtheit angezweifelt

Ist der jüngst aufgefundene Papyrus, der belegen soll, dass Jesus eine Frau hatte, alles nur Schwindel? Gleich zwei Wissenschaftler sind überzeugt: Der Zettel ist höchstens 60 Jahre alt.

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Möglicherweise doch alles nur ein Fake: Harvard-Professorin Karen King glaubt, der Papyrus belege, dass Jesus eine Frau hatte. Jetzt stellen Wissenschaftler die Echtheit des Textes stark in Zweifel. (Bild: Keystone)

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Vor einigen Tagen sorgte ein Papyrus für grosse Aufmerksamkeit. Auf dieses ist die Harvard-Professorin Karen King gestossen. Das 3,8 x 7,6 Zentimeter grosse Schriftstück soll aus dem 4. Jahrhundert stammen und beweisen, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war. Jetzt werden Zweifel an der Echtheit des Papiers laut.

Es sei nicht viele hundert, sondern höchstens 56 Jahre alt. Francis Watson, Professoren-Kollege von King an der Durham University, sagt gegenüber dem «SonntagsBlick»: «Ich gehe davon aus, dass weitere Nachforschungen die moderne Autorenschaft dieses Textes bald zweifelsfrei belegen werden.»

Merkwürdig: Schrift ist nur einseitig verblasst

Watson glaubt, ein Autor habe sehr viel später einem anderen Text Fragmente entnommen und zu einem neuen zusammengesetzt. Die Urquelle sei eine koptische Version des Thomas-Evangeliums. Diese fand sich 1945 im ägyptischen Nag Hammadi. Angeblich enthalte sie Originalzitate von Jesus, die aber nicht Teil der Bibel sind.

Und der Zürcher Neutestamentler Jörg Frey hat Zweifel an Kings Forschungsergebnissen: «Der Verdacht erhärtet sich, dass es schlicht eine moderne Fälschung ist», teilt er dem «SonntagsBlick» mit. Auch seien ihm weitere verdächtige Details aufgefallen. So sei das Papyrusstück gerade geschnitten und kaum zerfetzt, wie man es erwarten würde. Überdies sei die Schrift auf der Rückseite auffällig stark verblasst. «Wenn das Stück einem Codex entstammt, müsste man eher annehmen, dass die Schrift vorne und hinten etwa gleich gut lesbar ist», wird der Zürcher zitiert.