Eltern von toter Schweizerin

02. September 2016 10:08; Akt: 02.09.2016 10:35 Print

«Manuelas Mörder ist für uns kein Mensch»

Im Oktober 2007 wurde die Berner Sprachschülerin Manuela Riedo in Galway brutal ermordet. Ihre Eltern können dem Täter auch neun Jahre später nicht vergeben.

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Manuela R. am Sonntag, 7. Oktober 2007 in Galway, einen Tag, bevor sie ermordet wurde. Die KV-Schülerin aus Wohlen bei Bern wollte im Galway Language Centre ihre Englischkenntnisse in einem zweiwöchigen Kurs aufbessern. Die junge Frau war erst am 6. Oktober für einen Sprachaufenthalt in Irland eingetroffen. Sie hatte sich am Abend des 8. Oktobers mit ihren Freunden in einem Pub der Stadt verabredet. Die Leiche der jungen Schweizerin wurde von einem Spaziergänger am 9. Oktober entdeckt. Der Fundort der Leiche befand sich bei einem Weg nur wenige hundert Meter von der Unterkunft der Schweizerin in der Agglomeration Renmore entfernt. Die Leiche lag bei einer Mülldeponie unterhalb einer Bahnlinie. Der Weg ist eine beliebte Abkürzung für Studenten auf dem Weg ins Zentrum von Galway. Die 17-Jährige wurde offenbar stranguliert. Es ist unklar, ob sie am Fundort getötet worden ist oder ob sie vom nahen Bahndamm der Galway-Dublin-Linie gestossen wurde. Ihre irische Gastfamilie hatte die Bernerin letztmals am Montagabend, 8. Oktober, gesehen, als sie Freunde in der Universitätsstadt besuchen wollte. Galway im Westen Irlands ist ein beliebtes Ziel für Leute, die Englisch lernen möchten. Am 18. Oktober wurde der damals 27-jährige Ire Gerard Barry verhaftet und formell des Mordes angeklagt. Barry ist bei der Polizei kein Unbekannter: Mit 16 prügelte er mitten in Galway einen 26-Jährigen zu Tode, mit 23 brach er bei einer Frau ein und verging sich an ihr. Am 19. Oktober haben hunderte Menschen in Wohlen BE an einer bewegenden Trauerfeier von Manuela R. Abschied genommen. Am 9. März 2008 hat vor dem Geschworenengericht in der irischen Hauptstadt Dublin der Prozess begonnen. Der Angeklagte wies dabei die Vorwürfe zurück, Manuela R. erwürgt zu haben. Zum Prozess sind 114 Zeugen vorgeladen worden, auch aus der Schweiz. Manuelas Vater und Mutter aus Hinterkappelen bei Bern sowie Verwandte, zwei Lehrer und ein Schulkollege waren nach Dublin gereist. Am zweiten Prozesstag wurde Beweismaterial präsentiert, das den 28-jährigen Iren schwer belastet: Auf einem Kondom unweit des Tatorts wurden DNA-Spuren des Angeklagten und des Opfers entdeckt. Am zweiten Prozesstag belastete auch ein Techniker den Angeklagten schwer: Sein Handy sei am Tatabend aufgrund eines Anrufs in der Umgebung des Tatorts geortet worden.

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Die Schweizerin Manuela Riedo absolvierte im Oktober 2007 für zwei Wochen einen Sprachaufenthalt im irischen Galway, als sie kaltblütig ermordet wurde. Die 17-Jährige wurde erwürgt und wies zahlreiche Kopfverletzungen auf.

Die Eltern des Opfers können dem 36-jährigen Mörder Gerald Barry auch Jahre danach nicht vergeben: «Er ist kein Mensch», sagt Peter Riedo zum «Irish Mirror». Seine Frau Arlette ergänzt: «Dieser Mann ist für mich ein Insekt.»

Nur acht Wochen vor dem Mord hatte der Täter eine 21-jährige Studentin aus Frankreich vergewaltigt. Manuelas Eltern können nicht verstehen, weshalb der Täter noch auf freiem Fuss war. «Er ist ein gefährlicher Mann», sagt der Vater Peter Riedo. «Sie war der Sonnenschein in meinem Leben.»

«Hier fühlen wir uns ihr ein Stück näher»

Dennoch kehrt das Paar gerne nach Irland zurück. «Es ist für uns wie ein zweites Zuhause», erzählt die Mutter Arlette der Zeitung. «In diesem Land war Manuela zuletzt. Wenn wir hierherkommen, fühlen wir uns ihr ein Stück näher.»

Die beiden nehmen diesen Sonntag an einem Marathon teil, um Geld für die Manuela Riedo Stiftung zu sammeln, die sie im Andenken an ihre Tochter ins Leben gerufen haben. Das Geld soll Opfern von Triebtätern helfen.

Barry wurde vom Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte vor dem Richter beteuert, der Tod der Studentin sei ein Unfall gewesen.

(pat)