Schiesserei in Konstanz

01. August 2017 15:00; Akt: 01.08.2017 15:20 Print

Stand der Todesschütze unter Drogen?

Die Ermittlungen nach der Bluttat vor dem Konstanzer Club laufen auf Hochtouren. Die heutige Obduktion soll Klarheit bringen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach der Bluttat an einer Konstanzer Diskothek ist der Schock in der deutschen Stadt am Bodensee noch immer gross. Die Ermittler versuchen derzeit zu klären, wie der Täter zu seiner Waffe kam und ob er zuvor Drogen genommen hat.

Eine Obduktion solle Klarheit bringen, sagte ein Polizeisprecher heute. Die Untersuchung sollte voraussichtlich noch im Laufe des Tages beendet sein. Neben einem möglichen Drogeneinfluss würden auch die Todesursache des 34-Jährigen bestimmt sowie eventuelle weitere Verletzungen untersucht. Auch der Leichnam eines bei der Schiesserei in Konstanz getöteten Türstehers werde obduziert.

Der 34 Jahre alte Todesschütze hatte in der Nacht zum Sonntag mit einem US-Sturmgewehr Schüsse an dem Tanzlokal im Konstanzer Industriegebiet abgefeuert. Dabei wurde ein Türsteher getötet, drei Menschen wurden schwer und sieben leicht verletzt. Der Täter starb nach einem Schusswechsel mit der Polizei später im Spital. Der Mann irakisch-kurdischer Herkunft war als Kind im Jahr 1991 nach Deutschland gekommen. Er ist vorbestraft unter anderem wegen Körperverletzung und Drogendelikten.

Woher stammt die Waffe?

Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei handelte der Angreifer als Einzeltäter, einen Terror-Hintergrund gibt es den Behörden zufolge nicht. Wie der Mann an die Waffe kam, ist derzeit noch unklar.

Das Gewehr werde von einer Sonderkommission intensiv untersucht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag. So werde etwa abgeklärt, ob die Waffe aus Armeebeständen stamme oder aus einzelnen Teilen, die der Täter sich möglicherweise im sogenannten Darknet beschafft hatte.

Neben der Waffe untersuche die Sonderkommission auch die genauen Hintergründe der Tat, sagte der Sprecher weiter. So werde etwa das Verhältnis zwischen dem Täter und seinem Schwager - der den Konstanzer Club «Grey» vor Ort für eine Gesellschaft leitete - abgeklärt. Auch der Grund, warum es zum Streit kam, sei Gegenstand der Ermittlungen.

Zeugen würden ebenfalls befragt - dabei müsse man sehr behutsam vorgehen, da diese teilweise noch unter dem Schock des Erlebten stünden. Die Stadt Konstanz hat für Betroffene und Augenzeugen einen Telefondienst zur psychosozialen Erstberatung eingerichtet, wie sie am Montag mitteilte.

Club öffnet erst am Freitag

Der betroffene Club «Grey» teilte unterdessen mit, bis Ende der Woche nicht mehr zu öffnen. «Wir bitten um Euer Verständnis, dass das »Grey« auch diesen Mittwoch noch geschlossen bleibt und wünschen allen Betroffenen und Verletzten weiterhin gute Besserung», teilte der Betreiber am Dienstag auf Facebook mit.

Auf ihrer Homepage kündigte die Diskothek «Grey» als nächste Veranstaltung eine Party für Freitagabend an. Die Einnahmen an diesem Abend sollen laut «Südkurier» an die Familien der Opfer gehen.

Die Diskothek gedachte heute auch dem getöteten Mitarbeiter. Der Türsteher habe sein Leben gegeben, um Gäste und Personal zu schützen, schrieben die Betreiber in einer Mitteilung bei Facebook. «Du bist ein Held und wir werden Dich niemals vergessen.»

(sep/sda)