Todesschütze von Dachau

17. Januar 2012 03:53; Akt: 17.01.2012 04:20 Print

Darum schoss er auf den Staatsanwalt

Der Todesschütze von Dachau hat sein Schweigen gebrochen. Als Motive für seine Tat gab er Hass auf Bayerns Justiz und den Eindruck ständiger Ungerechtigkeit an.

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Nach der unfassbaren Tat ermitteln Forensiker am Amtsgericht Dachau. (Bild: Keystone/Andreas Gebert)

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Der Mann, der vor einer Woche während der Urteilsverkündung im Amtsgericht im bayrischen Dachau auf einen Staatsanwalt geschossen hat und den 31-Jährigen getötet hat, erläutert seine Motive für die unfassbare Tat. Er soll Hass auf die Justiz empfunden haben und sich ungerecht behandelt gefühlt haben. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, der 54-jährige Rudolf U. habe nach fünf Tagen mit seinem Pflichtverteidiger gesprochen, aber keine Reue gezeigt. «Entweder kann er nicht bereuen, oder er ist noch nicht so weit», ergänzte der Verteidiger.

Er habe seit sieben Jahren immer vor Gericht verloren, sagte Anwalt Wilfried Eysell der Zeitung. Stets sei alles an ihm hängen geblieben. Wie die Tat genau vonstatten gegangen ist oder wie er an die belgische Armeepistole gelangte, die er illegal bei sich trug, erläuterte der Mann jedoch nicht. Rudolf U., der an Herzproblemen und den Folgen eines Schlaganfalls leidet, habe sich über die Haftbedingungen in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim beschwert, weil er keine passende Kleidung habe. Zudem habe er seit seiner Inhaftierung nichts gegessen.

Auch die Anwältin des Täters hat sich gegenüber der Polizei geäussert. Bislang hatte sie unter Berufung auf ihre Berufsverschwiegenheit geschwiegen. Nach Rücksprache mit der Anwaltskammer habe sie jetzt über das Tatgeschehen gesprochen, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gegenüber der Zeitung bestätigte. Allerdings schweige sie weiterhin zu dem Streit, der kurz vor der Tat zwischen ihr und dem Mandanten stattgefunden haben soll.

Metalldetektoren in Gerichten

Nach der Tat vom vergangenen Mittwoch hat der Freistaat Bayern in Erwägung gezogen, alle Gerichte mit Metalldetektoren zu versehen, wie sie an Flughäfen üblich sind. Das berichtete stern.de.

Zudem sollen in den Gebäuden die Sicherheits-Kontrollen verstärkt werden und Drehkreuze oder elektronische Türschliesser installiert werden. Das hatte die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) am Sonntag angekündigt.

(jam/dapd)

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