Vom Schädlingsbekämpfer zum Schädling

10. Oktober 2008 12:30; Akt: 10.10.2008 13:12 Print

Marienkäferinvasion in der Schweiz

Invasion des asiatischen Marienkäfers in der Schweiz: Seit dieser Woche brechen die Telefonleitungen an den Forschungszentren von Agroscope beinahe unter der Last von unzähligen Anrufen zusammen, deren Häuser invasionsartig von Käferschwärmen befallen worden sind, wie Agroscope heute mitteilte.

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Der asiatische Marienkäfer bezieht sein Winterquartier, titelt die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon am Freitag einen Bericht über Marienkäferbefall im Haus. Durch die Wärme angezogen, seien im Herbst nicht selten ganze «Teppiche» der Käfer auf Hauswänden zu beobachten.

Diese Schwärme lösen laut Agroscope zurecht wenig Freude aus, auch wenn sie keinerlei Gefährdung der Gesundheit darstellen. Marienkäfer vermehren und ernähren sich während der Überwinterung auch nicht. Insofern stellen sie für die Gebäude keine Gefahr dar.

In erster Linie gilt es laut Agroscope zu verhindern, dass die Marienkäfer in die Gebäude eindringen können. Sind die Käfer bereits im Haus, sollten die Fenster geschlossen und nötigenfalls Durchlassmöglichkeiten wie Tür- und Fensterspalten, Ventilatoren und anderes abgedichtet werden.

Bei Befall im Hausinnern werden die Käfer am besten mit einem Staubsauger aufgesaugt und der Staubsack einen Tag lang in die Tiefkühltruhe bei minus 20 Grad gelegt. Die toten Käfer werden danach im Hausabfall entsorgt. Keinesfalls sollen Insektizide im Hausinnern eingesetzt werden.

Häufigster Marienkäfer

Aus ökologischer Sicht ist der asiatische Marienkäfer seit seinem Erscheinen in der Schweiz die am häufigsten in der Natur vorkommende Marienkäferart. Ursprünglich wurde er in den 1980er- und 1990er-Jahren in Europa zur Schädlingsbekämpfung eingeführt und gegen Blattläuse in Gewächshäusern und im Freien eingesetzt.

Auf Grund der klimatischen Bedingungen in Europa konnte er sich etablieren und hat sich in mehreren Ländern, darunter auch der Schweiz, stark ausgebreitet. Im Jahr 2006 waren elf Kantone betroffen, bereits ein Jahr später kam der asiatische Marienkäfer praktisch in der ganzen Schweiz vor. Studien haben ergeben, dass die asiatische Art die einheimische Population verdrängt.

Käfer im Wein

Zudem bildet sie am Ende des Sommers auch auf reifen Früchten Ansammlungen, vor allem auf Weintrauben. Dabei tragen die Früchte zwar kaum Schaden, aber der Wein leidet: Denn die Käfer werden bei der Weinernte unweigerlich eingesammelt und gelangen so in die Weiterverarbeitung, was sich erheblich auf das Weinaroma auswirkt.

Zurzeit gibt es keine biologische Bekämpfungsart. Verschiedene Forschungsgruppen arbeiten an der Entwicklung von Fallensystemen mit anziehenden und abstossenden Substanzen. Ein Forschungsprojekt von Agroscope Reckenholz-Tänikon beschäftigt sich mit der Auswirkung des asiatischen Marienkäfers auf die einheimischen Marienkäferarten. Die Forscher wollen die umweltrelevanten Risiken im Zusammenhang mit der Einführung exotischer Arten zur biologischen Schädlingsbekämpfung besser abschätzen.

(dapd)