Rückfall

19. Juni 2012 23:55; Akt: 20.06.2012 15:47 Print

Aimee schreit nach Schmerzmitteln

Sieben Wochen ist es her, seit Aimee Copeland von fleischfressenden Bakterien befallen wurde. Die Behandlung wirkt, doch die Schmerzen sind höllisch.

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Aimee Copeland gibt nach ihrem Unfall vor vier Monaten erstmals ein TV-Interview. In der Sendung «Katie» erzählte die 24-Jährige von ihrem Alltag. Ihr Psychologie-Studium hat sie trotz langer Abwesenheit nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Copeland schreibt wieder an ihrer Abschlussarbeit. Mit Hilfe einer speziellen Software diktiert sie den Inhalt ihrer Arbeit. Korrekturen und Änderungen führt sie am Computer mit der Nase durch. Aimee Copeland darf endlich das Spital verlassen. Die 24-Jährige wird mit der Ambulanz in eine Reha-Klinik gebracht. Die junge Frau zeigt sich auch in dieser Phase tapfer. Sie hat die Unterstützung ihrer Familie. Während Aimee für ein paar Wochen in der Klinik ist und lernt, mit Prothesen zu gehen, baut ihr Vater das Haus um, damit sie sich auch dort selbstständig bewegen kann. Aimee Copeland am : Das ist das erste öffentliche Bild der 24-Jährigen nach ihrer Einlieferung im Spital anfangs Mai. Die junge Frau hatte sich bei einem Badeunfall mit einem seltenen Bakterium infiziert, das den Körper des Opfers von innen verfaulen lässt. Eigentlich hatte die Psychologie-Studentin aus Augusta, US-Bundesstaat Georgia, grosses Pech: Die Bakterien sind an sich für den Menschen ungefährlich. In den meisten Fällen verursacht es nicht mehr als Durchfall. Doch bei Copeland löste «Aeromonas hydrophila» eine «Nekrotisierende Fasziitis» aus, die sich durch ihren Körper frisst. musste Copelands linkes Bein amputiert werden. Anfang Juni wurden ihr zudem der rechte Fuss und beide Hände amputiert. Das Gewebe war komplett abgestorben. In den USA wurde der Fall rege verfolgt. Täglich gab Copelands Vater Andy Auskunft über ihren Zustand.

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Bis jetzt verhielt sich Aimee Copeland tapfer. Die 24-Jährige war Anfang Mai nach einer Verletzung an der Wade von fleischfressenden Bakterien befallen worden. Ihr Fall sorgte für viel Aufmerksamkeit – nicht zuletzt, weil ihr Vater die Medien rege über den Zustand seiner Tochter informierte. Andy Copeland führt zudem einen Blog, in dem er mit allen Details über Aimees Fortschritte und ihre seelische Verfassung berichtet.

In den letzten zwei Wochen habe sich der Zustand seiner Tochter etwas verbessert, schrieb er. Besonders stolz war er auf die Art und Weise, wie die Psychologie-Studentin mit den Schmerzen umging: Statt Medikamente zu nehmen, wählte sie eine Meditationstechnik. Doch jetzt, fast sieben Wochen nach dem Badeunfall am Fluss Tallapoosa im US-Bundesstaat Georgia, scheint Aimee einen Rückfall erlitten zu haben.

Höllische Schmerzen nach Hauttransplantation

Wie der Nachrichtendienst «ABC News» schreibt, müssen die Ärzte bei Aimee ständig Hauttransplantationen durchführen. Denn nachdem ihr schon das linke Bein, der rechte Fuss und beide Hände amputiert wurden, musste auch ein Teil ihres Torsos herausoperiert werden, sonst hätte sich der Schädling in ihrem Körper weiter verbreitet. Die tiefe Wunde in ihrer Brust wurde zunächst mit Bandagen bedeckt. Doch die Ärzte wollen nun den entstandenen Einschnitt mit Aimees Haut behandeln.

Dafür werden der 24-Jährigen laufend 20- bis 25 Tausendstel eines Zentimeters dicke Hautstreifen aus anderen Körperteilen entfernt. Nach zwei oder drei Tagen beginnen sich die ersten Blutgefässe zu bilden. Diese Methode ist effizient, aber sehr langwierig. Am vergangenen Wochenende entschieden sich die Mediziner darum, auch Teile ihrer Bauchmuskulatur herauszuschneiden, um diese in ihren Torso einzusetzen.

Seither nützt die Meditationstherapie nicht mehr: Aimee schreie nach Schmerzmitteln, gab ihr Vater zu. Sie bekomme derzeit eine starke Mischung aus Morphium und anderen Opiaten. «Sie sagt, sie fühle sich wie eine Patchwork-Decke», sagte Andy Copeland weiter. Tapfer sei sie aber weiterhin. Doch es sei sehr hart, seine Tochter in diesem Zustand zu sehen. «Ich wäre jetzt so gerne an ihrer Stelle. Wenn ich irgendwas tun könnte, um ihr diese Schmerzen zu ersparen, würde ich das ohne zu zögern tun.»

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gürkli am 20.06.2012 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Echt krass...

    Ich frage mich, warum sie nicht ins künstliche Koma versetzt wird... Solche Torturen übersteht man auch psychisch nicht unbeschadet...

  • Ladina am 20.06.2012 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kämpfen lohnt sich immer

    Mein Mitgefühl, ich selbst hatte 3 Hauttransplantationen, ich kann euch sagen, das sind Schmerzen! Kämpf weiter, das Leben ist lebenswert mit oder ohne Hände!!!

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  • Meier Hans am 20.06.2012 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    beste Waffe

    Unsere besten Waffen gegen bakterielle Infektionen sind Antibiotika. Leider werden diese durch unseren masslosen, unsorgfältigen Umgang damit je länger je wirkungsloser -- die Bakterien entwickeln Resistenzen. Unseren verschwenderischen Gebrauch von Antibiotika können wir scheinbar nicht ändern......, jeder kann nur für sich selbst hoffen, dass er sich nie einen multiresistenten Keim einfängt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Müller am 20.06.2012 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Horror

    Es ist horror so was zu lesen, mein Körper ist das wichtigste für mich ich. Nur schon vom Artikel lesen wird mir schindelig und ich dachte ich gehöre zu den Starken jungs...

  • gürkli am 20.06.2012 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Echt krass...

    Ich frage mich, warum sie nicht ins künstliche Koma versetzt wird... Solche Torturen übersteht man auch psychisch nicht unbeschadet...

  • Ladina am 20.06.2012 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kämpfen lohnt sich immer

    Mein Mitgefühl, ich selbst hatte 3 Hauttransplantationen, ich kann euch sagen, das sind Schmerzen! Kämpf weiter, das Leben ist lebenswert mit oder ohne Hände!!!

    • Paul am 20.06.2012 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt auch Situationen in denen...

      sollte man "folden". Hände weg Ein Bein weg Teile des Torsos weg Da kommt vielleicht noch mehr, und jetzt ist schon zuviel.

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  • Marc am 20.06.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Sterbehilfe

    Bei mir wäre der Punkt erreicht (nach amputierten Händen, Fuss und Bein und stücke von meinem Torso und Haut), wo ich Sterbehilfe beantragen würde. Auch wenn sie dies überlebt wird ihr leben eine reine Tortur bleiben ...

    • Linda am 20.06.2012 14:30 Report Diesen Beitrag melden

      lieber ein ende mit schrecken, als...

      finde ich auch. ich verstehe nicht, wieso man da noch "weiter macht" und "kämpft". offensichtlich bekommt man das nicht in den griff und sie wird langfristig wahrscheinlich sowieso daran sterben. die frage ist, ob man ihr alles wegschneiden möchte bis sie stirbt und sie so zusätzlich noch quälen will, oder ob man dem ganzen ein ende setzen sollte, was vernünftig wäre...aber ich bin mir nicht sicher ob in den USA sterbehilfe überhaupt erlaubt ist...

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  • Dr. Sch. Merz am 20.06.2012 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Morphium IST ein opiat

    In dieser situation auf schmerzmittel angewiesen zu sein, ist im übrigen normal. Tapferkeit hat damit nichts zu tun. Wünsche ihr ein baldiges ende dieser schmerzen.

    • Pädel am 20.06.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

      extremer Schlaumeier!!

      Tapferkeit hat nichts damit zu tun : läck bisch Du ä Schnurrisiech!!!! Ich möchte Dich in dieser Situationen sehen, wahrscheinlich den ganzen am weinen und Mutti rufen...die Schmerzen unter denen sie leidet kannst Du Dir wahrscheinlich nicht im schlechtesten Alptraum vorstellen, geschweige denn damit ohne Schmermittel auskommen Dr. Schmerz!!

    • Bane am 20.06.2012 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hast Recht!

      Danke Pädel. Gebe Dir vollkommen Recht. Der andere ist wirklich e Schnurri!!

    • merc am 20.06.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

      ähm Pädel...

      ...scheint als hättest du nicht verstanden, was Dr. Schm Merz sagt. Nochmals lesen hilft vielleicht. Und der jungen Dame viel Kraft und Mut.

    • Tino am 20.06.2012 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      Dr. Merz hat durchaus Recht

      Es müssen ja nicht alle gleich emotional reagieren. Seine Reaktion ist eine absolut vernünftige Einschätzung.

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