Unters Messer

30. November 2012 09:26; Akt: 30.11.2012 10:31 Print

Araber leiden für den perfekten Schnauz

Immer mehr Männer aus dem Mittleren Osten lassen sich ihre Schnäuze per Operation vergrössern. Männlichkeit, Weisheit, Potenz - für sie sind sie viel mehr als nur ein paar Stoppeln im Gesicht.

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Nicht erst seit Saddam Hussein kennt man den typischen arabischen Mann mit dickem Oberlippenbart. Der Schnauz hat im Mittleren Osten eine lange Tradition und viel Ausstrahlungskraft. Männlichkeit, Weisheit und Potenz werden durch ihn symbolisiert. Kein Zufall also, dass nicht nur Saddam selbst, sondern auch sein ganzes Kabinett und praktisch jeder arabische Führer auf den Schnurrbart setzt.

Doch nicht jedermann ist mit seinem natürlich gegebenen Haarwuchs zufrieden. Denn die Anzahl der Schnauz-Operationen nimmt stetig zu. Das Ziel der betroffenen Männer ist klar: einen kräftigeren und volleren Schnurrbart. Der amerikanische Nachrichtensender CNN hat deshalb mit Chirurgen gesprochen, die diesen Eingriff anbieten.

«Sie wollen einen starken Schnauz»

Zum Beispiel Selahattin Tulunay. Der türkische Chirurg betreut zwischen 50 und 60 Männer pro Monat, die meisten von ihnen aus dem Mittleren Osten, die zu ihm in die Türkei fliegen. Seine Patienten wünschen sich dicke Schnäuze, die sie reifer und würdevoller aussehen lassen würden. «Die Männer, die jung aussehen, erhoffen sich einen professionelleren und weiseren Look. Für sie ist es eine Prestige-Angelegenheit», so Tulunay.

Auch der Chirurg Pierre Bouhanna aus Paris stellt eine steigende Nachfrage nach den Operationen fest, wie er CNN verrät. Zu ihm kommen die Patienten vor allem aus den Arabischen Emiraten, Iran, Libanon und der Türkei. «Sie wollen einen starken Schnauz», sagt er. «Mein Eindruck ist, dass die Männer immer mehr ihre Männlichkeit betonen wollen.»

«Verflucht sei dein Schnurrbart!»

Die Technik der Chirurgen ist bekannt. Sie entnehmen Teile von stärker behaarten Stellen und pflanzen sie in der Schnauz-Gegend ein. Das Alter der Kunden schätzt Bouhanna auf zwischen 30 und 50 Jahre. Eine Operation kostet umgerechnet rund 6500 Schweizer Franken. Zwei Wochen lang dürfen sie sich nach dem Eingriff nicht rasieren, die Ergebnisse stellen sich nach rund einem halben Jahr ein.

Wie flachbrüstige Blondinen in den 1990er-Jahren den Massen von Badenixe Pamela Anderson hinterherträumten, so hat auch der Schnauz-Träger von heute seine Vorbilder. So eines ist zum Beispiel Ibrahim Tatlises, ein türkischer Sänger und Schauspieler. Er besticht neben seiner Kunst auch mit dichtem und vollem Haar zwischen Lippe und Nase.

Wie wichtig ein Schnurrbart in diesem Kulturkreis wirklich ist, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2008, als militante Palästinenser einem Kontrahenten nicht etwa die Kehle durchschnitten, sondern ihm den Schnurrbart abrasierten und ihn so entehrten. Oder der Ausruf des Saddam Hussein-Vertrauten Izzat Ibrahim al-Douri in Richtung eines kuwaitischen Politikers während des Golfkriegs 2003: «Verflucht sei dein Schnurrbart!»

(aeg)