Pirsch zu leicht gemacht?

03. Dezember 2012 22:31; Akt: 03.12.2012 22:31 Print

Armbrust-Boom ärgert Bogenjäger in den USA

von Martin Suter - Amerikas Jäger greifen zunehmend zur Armbrust – sehr zum Unmut der Verfechter von Pfeil und Bogen. Für sie ist die Schweizer Urwaffe ein Gerät für Kinder, Alte und Faule.

Die beachtliche Durchschlagskraft einer Armbrust birgt auch Gefahren. (Video: Youtube/ANewsVanIsland)
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Was Wilhelm Tell schon wusste, dämmert jetzt auch Amerikas Jägern: Die Armbrust ist ein äusserst bequemes und zielgenaues Schiessgerät. Jedes Jahr stellen mehr Jagdbegeisterte in den USA dem Hochwild mit der Waffe nach, bei der ein Bogen horizontal auf einem Schaft montiert ist. Nach Angaben des Branchenverbands der Bogenschützen kletterte ihr Anteil an den Verkäufen von Waffen mit Bogen in den letzten fünf Jahren von zwei auf zehn Prozent.

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Jagd-Puristen ist der Boom ein Dorn im Auge. Die Armbrust schiesst ihre Bolzen mit ebensoviel oder sogar noch mehr Wucht ab als die besten Bogen ihre Pfeile. Doch weil bei ihr der Bogen in der gespannten Stellung arretiert werden kann, erfordert sie beim Schützen weniger Kraft. Das sei Betrug, findet der Bogenschütze Kim Womer aus Corning in New York. Die Armbrust mache das Ziehen entbehrlich, den mit Abstand schwierigsten Teil des Bogenschiessens, sagte er in einem Bericht des «Wall Street Journal» zu der Kontroverse. «Für mich und viele Leute ist die Armbrust nichts anderes als ein Gewehr.»

Armbrust-Schützen wollen längere Jagdsaison

Weil viele so denken, müssen Armbrust-Schützen in vielen US-Gliedstaaten an den gleichen Tagen jagen wie Jäger mit Feuerwaffen. Das wiederum ärgert die Fans der Armbrust. Nicht nur ist ihre Saison damit kürzer als für jene der «reinen» Bogenschützen. Auch schlägt das Geknalle das erschreckte Wild in die Flucht. Die Jäger können deshalb schlechter ausnützen, dass die Armbrust sehr leise schiesst.

In Texas, Oklahoma und einem halben Dutzend weiterer Gliedsstaaten haben Verfechter der Armbrust durchgesetzt, dass sie gleichzeitig mit den Bogenschützen auf die Pirsch gehen können. Dasselbe Recht geniessen in anderen Teilen der USA Jäger im Pensionsalter sowie solche mit Behinderungen. Der Trend hin zur Armbrust scheint unaufhaltbar, und das ärgert die Traditionalisten.

Jägerschwund erschwert Kontrolle der Wildpopulation

Befürworter einer Gleichberechtigung der Armbrust führen ins Feld, dass sich auch die in der Jagd verwendeten Bogen verändert haben. Nach Schätzungen sind mindestens achtzig Prozent der Waffen so genannte Kompositbogen, bei denen ein kompliziertes System von Sehnen und elliptischen Rädern die Kräftegeometrie verändert. Die besten Compound-Bogen erfordern bei voller Anspannung der Sehne bloss ein Fünftel der Zugkraft gewöhnlicher Bogen. So können die Schützen länger in Bereitschaftsposition ausharren, bevor sie ihren Pfeil abschiessen.

Armbrust-Fans behaupten zudem, dass die leichter zu erlernende Waffe Kinder und Jugendliche zum Jagdsport hinführen könne. In vielen Jagdrevieren der USA, vor allem in der Nähe von Agglomerationen, gibt es zu viel Hochwild. Die Bogenjagd verliert Jahr für Jahr Jäger, was die Regulierung der Wildpopulationen zunehmend erschwert. Viele Jagdaufseher sind froh, dass die Armbrust neue Anhänger für die Jagd gewinnt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.T. am 06.12.2012 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Armbrüste gefährlicher als Schusswaffen?

    Finde nur ich das seltsam, dass sich die leute dort vor leicht "verbergbaren" Armbrüsten fürchten, aber praktisch jeder kann sich dort ohne Probleme eine Schusswaffe zulegen?

  • Leon der Profi am 04.12.2012 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Pfeil und Bogen?

    Ja das ist etwas für Traditionalisten. Wenn es um gefährliche Jagdgegenden geht, würde ich zur Selbstverteidigung sowieso immer noch eine Feuerwaffe tragen. Wildschweine oder Bären können ganz schön gefährlich sein und die Wildschweine sind mancherorts (z.B. Florida oder Georgia) eine richtige Plage. Sie müssen gejagt werden und da kommt keiner auf die Idee mit Pfeil und Bogen rumzulaufen. Ich würde auf ein automatisches Jagdgewehr und eine Pistole in minimum .45 ACP zurückgreifen.

  • Daniel Nussberger am 04.12.2012 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Relevanz

    Ich denke für die Tiere macht es keinen Unterschied! Weiter finde ich es besser Wild zu essen als gezüchtete Tiere. Für Wild sollte der Tod "unerwartet" kommen, im Gegensatz zu in Gfangenschaft gehaltenen Tieren. Was also ist "humaner"? Lediglich das biologische Gleichgewicht ist für mich von Relevanz.

  • romanoffsky am 04.12.2012 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    tradition??? usa???? hahaha!!!

    ....und das ärgert die Traditionalisten? was wohl wirklichkeit und einbildung ist, haben die amis bis dato nicht drauf...!

    • max s. am 04.12.2012 17:38 Report Diesen Beitrag melden

      Hightech Bögen

      Jo kann auch nur darüber lachen, vor allem wenn diese Traditionalisten mit ihren Hightech Bögen schießen ist das kein unterschied zur Armbrust mehr..

    einklappen einklappen
  • Simon Kaufmann am 04.12.2012 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Walking Dead

    Bestimmt ein Grund dafür ist die erfolgsserie "the walking dead" in der einer der hauptkaraktere mit einere armbrust sehr erfolgreich auf zombies jagd macht :)