Abgesackte Rheintalbahn

16. August 2017 04:27; Akt: 16.08.2017 06:06 Print

Bahn arbeitet fieberhaft an Tunnelstabilisierung

Noch ist nicht entschieden, wie der Abschnitt der Rheintalbahn im deutschen Rastatt wieder instandgesetzt werden soll. Die wichtige Nord-Süd-Achse bleibt gesperrt.

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In Deutschland suchen Experten nach einer Lösung, um eine wichtige Achse im Nord-Süd-Bahnverkehr wieder freigeben zu können. Bahn und Bauunternehmen bereiten die Stabilisierung des Tunnels in Rastatt vor, über dem ein Abschnitt der Rheintalbahn abgesackt ist.

Die wahrscheinlichste Lösung ist nach Angaben der Deutschen Bahn Beton. Der Tunnel soll auf 50 Metern Länge komplett ausgefüllt werden. Das bedeutet aber auch, die teure Tunnelbohrmaschine, ein 90 Meter langes High-Tech-Gerät, wäre verloren. Sie kann nicht geborgen werden.

Wann und wie es dann unter der Erde weitergeht, konnte der Bahn-Bevollmächtigte für Baden-Württemberg, Sven Hantel, am Dienstag noch nicht sagen. Über der Erde könnte dann aber die Strecke wieder instandgesetzt werden. Wann wieder Züge über den Abschnitt der wichtigen europäischen Nord-Süd-Verbindung zwischen Holland und Italien fahren können, ist unklar. Der zunächst angepeilte Termin 26. August stehe in Frage.

Einbussen im Tourismus

Die Stadt Baden-Baden fordert von der Bahn, dass der Zugverkehr zeitnah wieder regulär verläuft. Wegen der Ferienzeit könne es unter anderem zu Einbussen beim Tourismus kommen. Derweil wurden laut Presseberichten Rufe von Politikern laut, dass sich das deutsche Bundesverkehrsministerium des Falles annehmen soll.

Die Deutsche Bahn baut seit Jahren in einem Grossprojekt die Rheintalbahn aus. Um das badische Rastatt vom Lärm zu entlasten, soll ein knapp 4300 Meter langer Tunnel mit zwei getrennten Röhren unter der Stadt durchführen.

Der Schaden ist am Samstag dort aufgetreten, wo der Tunnel die alte Bahnstrecke kreuzt. Dabei gibt es nur wenige Meter Erde zwischen Tunnel und Oberfläche. Um das unterirdische Bohren zu ermöglichen, wurde der Boden vereist. Damit sollte er fest und wasserundurchlässig werden.

Stau von Güterzügen in Europa

Wegen der Totalsperre sind die Bahnunternehmen zum Handeln gezwungen. Jetzt sollen Ausweichstrecken in Deutschland, Frankreich und der Schweiz angeboten werden. Güterzüge stauten sich nach Bahnangaben überall auf der Strecke von Rotterdam bis Genua. Die Bahn rechnet damit, dass Spediteure Verkehr vorübergehend auf die Strasse verlagern.

BLS Cargo etwa leitete am Dienstag den ersten Güterzug via Frankreich um. BLS Cargo fährt pro Woche rund 400 Züge im Transit durch die Schweiz, wovon rund 140 direkt von der Sperre betroffen sind.

Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit den Kunden und den ausländischen Bahnpartnern, um alternative Leitungswege für die Züge zu ermöglichen. Der Schienenersatzverkehr für Reisende auf dem unterbrochenen Streckenabschnitt zwischen Rastatt und Baden-Baden funktioniert dagegen laut Angaben der Bahn gut.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil Gerber am 16.08.2017 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los bei den deutschen Projekten?

    Die Anzahl an Projekten, die in Deutschland aktuell Probleme bereiten (Flughafen Berlin, Bahnhof Stuttgart, jetzt Tunnel Rastatt, aber auch Diesel-Skandal) sollte zu Denken geben. Werden Risiken nicht antizipiert, werden zu wenig Mittel gesprochen, werden die falschen Spezialisten eingesetzt, wird richtig geführt? Es ist an der Zeit die Negativentwicklung zu stoppen.

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  • Lokführer am 16.08.2017 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ideeen

    Hilfsbrücken einsetzen und den Tunnel darunter im Tagebau erstellen. So kann die Stelle zumindest verlangsamt befahren werden.

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  • Robert am 16.08.2017 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach und schnell

    Wie währe es, man würde eine kleine Brücke bauen? Geht schneller und billiger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herbert am 17.08.2017 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt gut!

    Naja, deutsche Ingenieurskunst wird es schon richten......früher oder später......

  • F.Müller am 17.08.2017 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm? Nein

    Persönlich geht mir der DB-Unterbruch bei Karlsruhe am Hintern vorbei.Braucht es diese tägliche Güterflut Nord-Süd wirklich? Nein, gewiss nicht.Köstlich wie dieser Streckenunterbruch der DB, gewisse Leute ins hyperventilieren und rotieren bringen kann! Jöh; die Armen Spediteure, mir kommen fast die (Freuden) Tränen. ..

  • Peter A am 17.08.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Wunder 

    Deutschland lebt in der Vergangenheit hat den Anschluss an die Zukunft verpasst, es haben Leute das Sagen die keine Ahnung haben, es wird gelebt nach dem Motto Geiz ist Geil

  • a.s. am 17.08.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Es war mal die deutsche Ingenieurkunst

    Blickt man auf die letzten Jahre zurück, ist augenfällig, wieviele Projekte in DE grosse Probleme jeglicher Art haben, prominente Beispiele gibt es mehr als genug, und wenn/falls sie mal fertig werden, sind die Kosten oft ein X(X)-Faches. Mir scheint, als wäre damals 2008 mit dem Ende des Transrapid das Feuer des Ingenieurtums in DE auch ausgegangen. Teilweise ist erschreckend, wenn man sich mit den Projekten auseinandersetzt, wie dilettantisch stellenweise vorgegangen wurde/wird.

  • Christian W am 17.08.2017 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Fachkräfte damals, Spezialisten heute

    Tja, früher hatte man Fachkräfte die konnten alles im vorgegeben Zeitraum und Kostenrahmen bauen, heute haben wir Spezialisten und Manager, die können irgendwie nichts