Wales

03. März 2018 09:23; Akt: 03.03.2018 12:24 Print

Teenie plante Anschlag auf Justin-Bieber-Konzert

In Wales ist ein 17-Jähriger wegen Vorbereitungen eines Terrorangriffs in Cardiff zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er bekannte sich zum IS.

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In Wales wurde der 17-jährige Lloyd Gunton am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte Vorbereitungen für einen Anschlag auf ein Justin-Bieber-Konzert am 30. Juni 2017 in Cardiff getroffen. Der von der britischen Presse «baby-faced Jihadi» genannte Schüler plante einen Angriff im Stil der Attacke in Westminster, bei dem der Täter auf der Brücke mit einem Fahrzeug in Passanten raste und danach Menschen mit einem Messer angriff.

«Zum Zeitpunkt der Festnahmen warst du nur wenige Stunden davor, eine grausame Tat auf den Strassen von Cardiff zu begehen», sagte Richter Mark Wall nach der Verurteilung. «Ich bin mir sicher, dass nicht nur eine Person getötet werden sollte, sondern ein Massenmord geplant war.» Neben dem Konzert von Justin Bieber habe er auch andere Schauplätze für einen möglichen Terroranschlag recherchiert, darunter die Sehenswürdigkeit Cardiff Castle, das Capitol-Shoppingzentrum und die Zentralbibliothek.

Instagram-Passwort war «truck attack»

Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei im Zimmer des Schülers ein grosses Messer, einen Hammer sowie einen «Märtyrerbrief». Wie die Polizei meldet, bezeichnet sich Gunton im Schreiben als «ein Soldat des Islamischen Staates, der heute Cardiff angegriffen hat». Es folgt eine detaillierte Schilderung seines Plans, Menschen zu überfahren und dann die eintreffenden Einsatzkräfte zu attackieren.

Während des neuntägigens Prozesses zitierte die Anklage Sätze, die der Junge auf Social Media postete: «Die Attacke auf Cardiff wird tödlich sein. Sollen die Ungläubigen von Fahrzeugen überfahren werden und im Namen Allahs das Blut von Atheisten vergossen werden.» Ein anderes Mal schrieb Gunton: «Stoppen Sie die Bombardierung des Heimatlands, Theresa May. Soll Allah am 30. Juni 2017 Terrorismus nach Cardiff bringen.» Gunton habe zudem versucht, andere zu radikalisieren und zu Attacken in Cardiff zu animieren.

Sein Passwort für seinen Instagram-Account war «truck attack» (übersetzt etwa: «Lastwagen-Angriff». Auf der Plattform postete er Bilder von Terroristen, der IS-Flagge sowie solche, die zu Terrorattacken in Cardiff ermutigen. Beispielsweise teilte er eine Collage, auf der ein Bild des Cardiff Castle mit Fotos eines Jeeps, der IS-Flagge sowie eines Messers versehen wurde. Darauf schrieb er «Cardiff, bist du bereit?».

«Wie fühlt es sich an, angeschossen zu werden»

Gunton hatte zudem zwei Ausgaben eines IS-Magazines heruntergeladen, die Tipps zur Messerwahl enthielten oder einen Artikel dazu, an welchen Körperstellen ein Messerstich den grössten Schaden anrichtet. Sein Browserverlauf enthält Suchanfragen nach «Wie man einen Terroranschlag ausübt», «IS Terroranschläge», «Einen Lastwagen in eine Menschengruppe fahren» oder «Wie fühlt es sich an, angeschossen zu werden». Auf seinem Handy fand man Bilder der Anschläge in Berlin und Nizza.

Lloyd Gunton sei übers Internet radikalisiert worden, kam das Gericht zum Schluss. Seit über einem Jahr habe der 17-Jährige ein «ungesundes Interesse an Gewalt und Terrorismus» gezeigt. «Das war keine Phase», so der Richter. Der Junge wohnte in Südwales in einem Bauernhaus mit seinem 49-jährigen Vater Ross und seiner 56-jährigen Stiefmutter Gelda.

Paradies nur via Terror

Vor Gericht gestand Gunton, den Brief geschrieben zu haben sowie den Hammer und das Messer in den Rucksack gelegt zu haben. Er beteuerte jedoch, er habe niemanden verletzen wollen. Er sagte auch, dass er eine Woche zuvor mit einem Mann auf Instagram gesprochen habe. Dieser habe ihm gesagt, dass Gunton einen Terroranschlag verüben müsse, wenn er ins Paradies kommen wolle.

Der Maturand hat unter anderem aufgrund von diagnostizierten Autismus und seines jungen Alters mildernde Umstände beim Strafmass erhalten. Statt wie üblich 21 bis 30 Jahre wurde die Mindesthaftstrafe in seinem Fall auf elf Jahre reduziert.

(sep)