Angeblich erschossen

14. August 2012 20:00; Akt: 14.08.2012 20:00 Print

DDR-Flüchtling war 31 Jahre «tot»

«Ich kann mir nicht erklären, wie das passieren konnte», sagt René Seiptius. Offiziell ist der einstige DDR-Bürger nämlich schon seit 31 Jahren tot. Gestorben auf der Flucht über den berüchtigten Todesstreifen.

storybild

Nach 31 Jahren kommt raus: Ein angeblich auf der Flucht erschossener DDR-Flüchtling ist quicklebendig. (Bild: Keystone/AP/Timm Schamberger/ddp)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Stasi hatte es so festgehalten, und später landete sein Name auf der Liste der Mauertoten, die das Museum «Haus am Checkpoint Charlie» in Berlin führt: René Seiptius ist vor 31 Jahren gestorben. Auf der Flucht erschossen, als er und zwei Kollegen sich über den berüchtigten Todesstreifen über die innerdeutsche Grenze davon zu machen versuchten.

Doch Seiptius lebt. Das bestätigte der mittlerweile 48-Jährige höchstpersönlich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er lebt heute im Westen Deutschlands in der Nähe von Mainz.

Von drei schafften es nur zwei

Es war 1981, als Seiptius im Alter von 17 Jahren mit seinen zwei Freunden den Todesstreifen überqueren, der die beiden deutschen Staaten damals trennte.

Die drei schafften es, sich hinter eine erste Reihe von Minenfeldern zu schleichen, aber dann lösten sie eine Selbstschussanlage aus. Sie waren enttarnt, einer der drei Freunde kam ums Leben.

Seiptius und der dritte Jugendliche wurden sofort von Grenzern festgenommen. In ihren Unterlagen hielt die Stasi fest, dass Seiptius beim missglückten Fluchtversuch ums Leben gekommen war. «Dabei lebe ich seit 48 Jahren», sagt Seiptius heute.

Aufwendige Recherchen

Irgendwann kam sein Name auf die Liste der Mauertoten, die das Museum «Haus am Checkpoint Charlie» in Berlin führt. Seiptius sei erst die zweite Person, die irrtümlich auf diese Liste gesetzt worden sei, sagt Museumsdirektorin Alexandra Hildebrandt. Der erste Fall sei schon vor mehr als zwei Jahrzehnten bekanntgeworden.

Ihre Organisation wende Monate auf, um einzelne Einträge zu recherchieren und greife in einigen Fällen sogar auf Autopsie-Berichte zurück, sagt Hildebrandt. Endgültig fertig sei die Liste aber noch immer nicht.

«An Angaben zu kommen, ist nicht immer so einfach.» Noch immer kontrollierten frühere Angestellte der Geheimpolizei viele Informationen.

Purer Zufall

Seiptius versuchte noch zwei weitere Male, aus der DDR wegzukommen – auch diese Male ohne Erfolg. Danach erhielt er eine Ausreiseerlaubnis. Er lebt heute im Westen Deutschlands in der Nähe von Mainz.

Sein Fall kam durch Zufall ans Licht. Seiptius' Ex-Frau stiess auf einen Artikel auf der Webseite des Senders NDR, in dem Seiptius unter den Toten aufgeführt wurde. «Es war purer Zufall», sagt Patricia Seiptius.

«Ich suchte etwas online und eines der Suchresultate war dieser Artikel.» Sie habe den Text angeschaut und den Namen ihres Ex-Mannes entdeckt. «Ich konnte es nicht glauben.»

(sda)