Rätsel an Japans Küste

29. November 2017 19:14; Akt: 29.11.2017 19:14 Print

Darum tauchen so viele Geisterschiffe auf

An der Küste Japans wird ein nordkoreanisches Holzboot mit verwesten Leichen angeschwemmt – es ist das 44. in diesem Jahr. Was steckt dahinter?

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Das sieben Meter lange Holzschiff war offenbar schon so lange im Japanischen Meer getrieben, dass von einigen Besatzungsmitgliedern nur noch die Skelette übrig waren. Am Montag entdeckte die Küstenwache am Strand von Oga in der Präfektur Akita acht Leichen, die sich im Inneren des gekenterten Bootes befanden, wie die «Japan Times» berichtet. Bei einem der Opfer fand die Polizei eine Zigarettenpackung einer nordkoreanischen Marke.

Erst am Wochenende sei ein Boot mit zwei Leichnamen an der Küste einer Insel gegenüber der Stadt Niigata, rund 750 Kilometer östlich von Nordkorea, entdeckt worden, teilte die Polizei weiter mit. Die Opfer hätten nichts dabeigehabt, womit sie eindeutig zu identifizieren seien. In der Nähe eines Toten seien aber elf Schachteln mit nordkoreanischem Tabak sowie Wrackteile und Rettungswesten mit koreanischer Beschriftung gefunden worden.

Immer wieder taucht ein Geisterschiff auf

Das Phänomen der nordkoreanischen Geisterboote ist nicht neu: Alljährlich stranden Dutzende Schiffe aus Nordkorea an Japans Küsten. Laut dem Sender Sky News sind es in diesem Jahr bereits 44 Schiffe, im vergangenen Jahr waren es 66.

Das Thema machte erstmals Ende 2015 weltweit Schlagzeilen, als 14 verwitterte Kutter mit insgesamt zwei Dutzend Leichen an Bord an Japans Küste angeschwemmt wurden. Die Behörden rätselten zunächst: Was könnte mit den Seeleuten passiert sein? Woher kamen sie?

Keine Hilfe bei der Aufklärung

Aufgrund der an Bord gefundenen Gegenstände, der Kleidung oder der koreanischen Beschriftungen an den Booten gingen die Ermittler davon aus, dass es sich um nordkoreanische Fischer handelte.

Von ihren Amtskollegen aus Nordkorea konnten die japanischen Beamten allerdings keine Unterstützung bei der Aufklärung der mysteriösen Fälle erwarten: Die Beziehungen zwischen Japan und Nordkorea sind angespannt. Drohungen aus Pyongyang an die Adresse Japans sind an der Tagesordnung.

Soldaten auf Fischfang

Nordkoreanische Fischereibetriebe würden teilweise hohe Risiken eingehen und mit veralteten und schlecht ausgerüsteten Booten weit aufs Meer hinausfahren, um die seit Jahren sehr hohen staatlichen Fangquoten erfüllen zu können, erklärt der japanische Experte Satoru Miyamoto in einem Bericht der «LA Times».

In vielen Fällen seien die Todesopfer nicht einmal ausgebildete Fischer, sondern Soldaten, die im Auftrag des Regimes von Kim Jong-un auf Fischfang gingen. «Sie haben aber nicht die nötige Erfahrung dafür und geraten darum öfters in Seenot», meint Miyamoto.

Auch das Wetter spielt offenbar eine wichtige Rolle: Die Geisterschiffe tauchten vermehrt zur Winterzeit auf. «Im Sommer beobachten wir das Phänomen weniger, weil das Japanische Meer ziemlich ruhig ist. Aber sobald der Nordwestwind im November zu blasen beginnt, wird es gefährlich», erklärt Yoshihiko Yamada von der Tokai University gegenüber Sky News.

(kle/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sevie am 29.11.2017 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mich erstaunt nichts mehr

    was ich von Nordkorea zu Hören bekomme

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  • giorgio1954 am 30.11.2017 00:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flucht?

    Verstehe nicht, dass sie sich nicht nach Südkorea absetzen.

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  • Markus48 am 30.11.2017 03:28 Report Diesen Beitrag melden

    alle andern Länder würden sich bemühen um ihre Leu

    wen niemand ein Verlust meldet dann muss es im Auftrag des Militär sein, dann darf sich keiner melden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Il Jeng am 30.11.2017 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 Gründe

    Es könnten auch fliehende gewesen sein die versuchten Nordkore zu verlassen. Und von der Küstewach Nord Korea endeckt und erdrosselt wurden. Eine ander sache könnte sein das es eine Art von Meeresbestatung ist

  • Schreiberling am 30.11.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich..

    unvorstellbar.. :-(

  • Der Hexer am 30.11.2017 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtige Information!

    Solche Schiffe gibt's noch häufiger auf dem Mittelmeer. Die sind prall gefüllt und die meisten darauf leben noch. Allerdings kentern diese Dinge auch und dann gibt's Fischfutter. Da alle darauf Wirtschaftsflüchtlinge sind ist das unbequem für unsere Gesellschaft und unsere Medien. Da sind ein paar verweste Nordkoreaner doch weniger kritisch als Information. Der Kim spinn ja sowieso. Es lebe die Pressefreiheit.

    • zwölfpunkt am 30.11.2017 21:31 Report Diesen Beitrag melden

      sehr angenehm

      unbequem für unsere Medien? Die berichten noch so gern von "verzweifelten Müttern" usw., wenn es um die Schicht junger Leute geht, die gerne abholen kommt.

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  • Schorschi am 30.11.2017 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    High Tech 2.0

    Warum diese Aufregung. Es handelt sich vermutlich um Krieger der "High-Tech" Armee Nord Koreas die von der ganzen Welt vom Ehrfurcht gefürchtet wird, bei Testfahrten von Kriegsschiffen neuester Generation.

  • sirLiftalot am 30.11.2017 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Und hierzulande gibt es Menschen...

    ...die wollen einen sozialistischen Staat (Sozialismus ist wie Kommunismus, nur etwas hipper)... schon krass dass es ernsthaft Menschen gibt die so wenig GMV besitzen.

    • Franky am 30.11.2017 09:14 Report Diesen Beitrag melden

      Kein GMV

      Denken Sie wirklich das Nordkorea ein Kommunistisches Land ist? schon krass dass es Menschen gibt die keine Ahnung haben und nur den einfachsten Medienbeschrieben glauben.

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