In China abgerissen

01. Dezember 2012 09:39; Akt: 03.12.2012 09:40 Print

Das Haus auf der Autobahn liegt in Trümmern

Lange wehrte sich ein chinesisches Ehepaar dagegen, dass ihr Haus für eine Autobahn abgerissen wird. Beim neuesten Angebot der Behörden jedoch wurden sogar die beiden Rentner schwach.

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In der chinesischen Stadt Taiyuan ist ein grösseres Bauprojekt blockiert. Zwei Hochhäuser sollten hier erstellt werden, doch diese Grabstelle stoppt den Bau des einen Gebäudes. Der Bau des zweiten Hochhauses (im Hintergrund) ist derweil schon weit fortgeschritten. Rundum wurde die Erde bereits abgetragen. Der Grabstein steht nun auf einem rund 10 Meter hohen Hügel. Der Bauherr hat den Nachkommen des Verstorbenen einen Betrag von umgerechnet rund 150000 Franken angeboten. Doch so einfach läuft das in China nicht, wo der Ahnenvereherung einen derart wichtigen Stellenwert einnimmt. Denn die Chinesen verstehen den Tod als eine Art Schlaf, aus dem der Verstorbene wieder aufwachen kann. Die Nachkommen des Verstorbenen wollen ein glücksbringendes Datum abwarten, um das Grab zu verlegen. Oder vielleicht spekulieren sie auch auf eine höhere Entschädigung. Dieses Haus war ein echter Hingucker. Es stand auf einer neu gebauten Autobahn, die in die Stadt Wenling führt. Eine Wohnung gehörte Rentner Luo Baogen und seiner Gattin. Erst hatten die beiden sich geweigert, ihr Haus zu verlassen: Die Kompensation reiche nicht aus, befanden die Senioren. Luo Baogen und seine Aussicht: Während das Haus früher umgehend geräumt worden wäre, werde heute Privateigentum mehr geachtet, sagte er. Doch dann kamen die Bagger doch noch. Nachdem sich die Besitzer einer Wohnung erst geweigert hatten, ihre Bleibe zu verlassen, stiegen sie nun doch auf ein Kompensations-Angebot der Behörden ein. Diese boten dem chinesischen Ehepaar umgerechnet 38'000 Franken. Jeder hat seinen Preis. Vielleicht hat sich das Autobahn-Ehepaar ja diese Hausbesitzerin zum Vorbild genommen. Im März 2007 weigerte sich eine Dame namens ... .... Wu Ping ihr Haus zu verlassen, obwohl ein Gericht die Räumung angeordnet hatte. Drei Jahre lang hielt die Chinesin durch, ... ... doch 2010 wurde ihr Heim in Chongqing schliesslich abgerissen.

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Das Foto ging um die Welt und wurde zum Symbol für den Widerstand chinesischer Hausbesitzer gegen die Behörden: Mitten auf einer breiten Strasse stand umgeben von frischem Asphalt ein vierstöckiges Haus. Die Eigentümer hatten die angebotene Entschädigung als zu niedrig abgelehnt. Nun wurde das Haus am Samstag abgerissen, wie der Ortsvorsteher Chen Xuecai erklärte. Die Eigentümer, der Entenzüchter Luo Baogen und seine Frau, hätten eine Summe von 260 000 Yuan (38 000 Franken) akzeptiert.

Zuvor hatte bereits die gesamte Nachbarschaft Platz machen müssen für eine Ausfallstrasse zum neuen Bahnhof am Stadtrand von Wengling in der chinesischen Provinz Zhejiang. Bilder von Luos Haus allein auf weiter Flur verbreiteten sich vergangene Woche in China im Internet und wurden weltweit gezeigt.

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(Video: Reuters)

(dapd)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blue Tea am 01.12.2012 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit?

    Die Regierung hat gewartet, bis diese Story auf der ganzen Welt in den Medien steht und man als demokratisch rüberkommt. Sobald es jeder erfahren hat, wird das Haus abgerissen und man hat der Welt vorgemacht, dass man fair ist.

    • Demo Krat am 01.12.2012 22:54 Report Diesen Beitrag melden

      Und der

      Schweiz wäre der Besitzer schon lange enteignet worden.Also was soll die Aufregung, Gemeinwohl geht über individuelle Interessen, das ist in jeder Staatsform so

    • Keshu am 01.12.2012 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt...

      Genau, davon bin ich überzeugt!

    einklappen einklappen
  • Reto Von Bräunlich am 01.12.2012 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Räumung

    Wundert mich, dass die Regierung das solange mitmachte. Woanders räumen sie ganze Dörfer für ihre Staudämme und fragen nicht nach dem warum und wieso.

    • green t am 01.12.2012 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      änderung

      Das Gesetz hat geändert. Sie dürfen Privatbesitz nicht mehr enteignen.

    • Vor der eigenen Türe am 01.12.2012 22:56 Report Diesen Beitrag melden

      Also

      in gewissen Situationen darf man auch in der Schweiz enteignen.Abschnitt I: Das Enteignungsrecht Art. 1 1 Das Enteignungsrecht kann geltend gemacht werden für Werke, die im Interesse der Eidgenossenschaft oder eines grossen Teils des Landes liegen, sowie für andere im öffentlichen Interesse liegende Zwecke, sofern sie durch ein Bundesgesetz anerkannt sind. Und das kann eine Autobahn sein!

    einklappen einklappen
  • Chris Kummer am 01.12.2012 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlauer Besitzer

    Schlau gemacht, den ehrlich gesagt wer will da schon wohnen!? Jedesmal eine Autobahn überwueren um einkaufen zu gehen!? Der lärm und in ein paar Wochen wäre der erste mitten rein gefahren!

  • Rechtschaffener Schweizer am 01.12.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Fehler der Behörden

    Wieso bezahlen die Behörden diesem Querulanten noch etwas? Hier hätten sie einfach Durchgreifen und das Haus schon bei Baubeginn der Strasse einfach abreissen sollen. Wer bezahlt jetzt die Mehrkosten? Sicher der chinesische Steuerzahler und nicht der Querulant.

    • Phill am 01.12.2012 15:13 Report Diesen Beitrag melden

      Schon wieder der Steuerzahler

      Dieses Wort kann ich langsam nicht mehr hören. Als ob das bei den Kosten einer Autobahn ins Gewicht fällt. Findest du es gerecht, dieses Paar einfach zu enteignen?

    • M. Giger am 01.12.2012 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      Würde ich mir auch nicht bieten lassen..

      Genau! Würdest du dir das bieten lassen? Ausserdem kann man davon ausgehen, dass im besten Falle das Angebot verdoppelt wurde.. und im vergleich zu den Kosten der Autobahn ist dass ein Witz.. davon mal abgesehen, dass die Besitzer wahrscheinlich schon Generationen da gewohnt haben..

    • Abacus am 01.12.2012 18:22 Report Diesen Beitrag melden

      wtf..

      Bist du dämlich? Wärst du damit einverstanden, wenn sich die Regierung dazu entscheidet auf deinem Grundstück das Gemeinwohl zu verwirklichen? Wenn ja, Chapeau zu deinen Altruismus.

    • Lisa Schoell am 01.12.2012 18:33 Report Diesen Beitrag melden

      Zürichs "Nagelhaus"

      Auch Zürich hat sein "Nagelhaus". An der Turbinenstrasse in der Nähe des Prime Tower

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  • Richard Lu am 01.12.2012 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    China ist kein freies Land

    Das die Regierung dieses Haus stehen liess hat mehr mit Humor zu tun als mit der Realität. Wenn die Regierung will kann sie jedes Haus sofort niederreissen. Niemand hat in China ein Recht auf eigenen Hausbesitz. Ausser vielleicht ein paar hohe Regierungsbeamte.