21. Juni 2007 10:10; Akt: 21.06.2007 12:13 Print

Dauerwerbesendung der Totengräber

Der Bundesverband deutscher Bestatter hat einen TV-Kanal gegründet, der besonders ältere Zuschauer ansprechen soll. Der Tod und seine Begleithandlungen sollen Hauptthema des Kanals sein. Es droht eine Dauerwerbesendung für das Bestattungswesen.

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EosTV, den Sender, den der Verlag des Bundesverbandes Deutscher Bestatter Anfang Juni gegründet hat, bezeichnete «Spiegel Online» als «Tod-TV» . Die deutschen Bestattungsunternehmen wollen über Satellit und im Internet ein Sonderprogramm anbieten, das «für ältere Menschen von Relevanz ist.»

Zeitgemässes Kondolenzbuch

Geplant sind Reportagen über Trauerrituale und Dokumentationen über Friedhöfe. Einnahmen wollen die Partner über filmische Nachrufe von Verstorbenen finanzieren. Man wolle als ein «zeitgemässes Kondolenzbuch» fungieren. Das Zielpublikum sind ältere Menschen, die sich mit dem Thema Tod vermehrt auseinandersetzen.

Die Bestatter und ihr TV-Sender werden mit ihrem Angebot das Thema Sterben weiter verwirtschaftlichen, was aber laut Kerstin Gernig vom Bundesverband Deutscher Bestatter nicht die Absicht ist: «Den Vorwurf der Kommerzialisierung des Todes lasse ich nicht gelten. Die Professionalisierung des Bestattungswesens hat längst stattgefunden. Der Schritt ins Fernsehen ist die logische Konsequenz.»

Standards sind einzuhalten

Markus Huppenbauer, Ethiker der Universität Zürich, beurteilt den geplanten Bestatter-Kanal als unbedenklich, obwohl er die Schaffung einer Werbeplattform der deutschen Bestatter befürchtet: «Es ist wichtig, den Übergang vom Leben in den Tod auch zu einem öffentlichen Thema zu machen. Wenn gewisse Standards eingehalten werden, ist Tod-TV aus ethischer Perspektive sicher nicht zu verbieten.»

Für die «gewissen Standards», sprich der adäquate Umgang der einzelnen Sendungen mit dem Thema Tod ist laut Gernig, ein Ethikrat zuständig. Unabhängige Experten seien für den Ethikrat allerdings noch nicht angefragt worden.

Ethiker Huppenbauer hält dies für problematisch: «Wenn man einen Ethikrat hat, dann müssen da unabhängige Leute drin sitzen, sonst ist er ein Feigenblatt.»

Aufmerksamkeit für Bestattungswesen

Den Vorwurf, dass man faktisch eine Dauerwerbesendung für Bestattungsunternehmen aufschalte, schmettert Kernig nicht ab. «Wir wollen auch Aufklärung zum Thema Tod und Bestattung bieten für Menschen, die sich nicht einfach in ein Bestattungsinstitut trauen.»


Maurice Thiriet, 20minuten.ch