Drogenkraut «Khat»

22. Dezember 2009 08:26; Akt: 22.12.2009 10:43 Print

Der Alkohol islamischer Länder

Ohne das Drogenkraut Khat geht in manchen Ländern fast nichts: Das Kauen der Blätter hat Tradition. In Ostafrika und Jemen geben manche ihr letztes Hemd dafür her, wie eine Schweizer Studie zeigt.

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Geselliges Khat-Kauen - im Jemen gesellschaftlich akzeptiert. (Bild: Keystone)

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Regelmässig gehen der Schweizer Grenzwache Khat-Schmuggler ins Netz: Während das Drogenkraut in der Schweiz aber ein kleines Zielpublikum hat, gibt es zahlreiche Länder, in denen es grossen wirtschaftlichen Schaden anstellt (siehe Box), wie eine äthiopische Forschungsarbeit mit Schweizer Finanzierung zeigt. Sie hat die Wirkungen von Khat dort untersucht, wo es die grösste Bedeutung hat - in Äthiopien.

«Ich handle seit zehn Jahren mit Khat, und es gibt immer mehr Händler», sagt Iftu, welche die Khat-Blätter im Ort Aweday im Osten Äthiopiens verkauft. Für den Eigengebrauch gibt sie im Schnitt täglich 50 Birr (vier Franken) aus. So viel Geld brauche sie, um ihre ganze Familie zu ernähren, erklärt die 30-jährige Mutter von vier Kindern. Im Land am Horn von Afrika liegt das Durchschnittseinkommen bei 25 Birr pro Tag. Die Khat kauende Iftu gilt eher als Ausnahme. Frauen sei das Kauen der stimulierenden Blätter von der Tradition her eigentlich untersagt, erläutert sie. Ganz anders bei den Männern.

Auf den Kissen im Khat-Salon

In Aweday gibt es zahlreiche private Lokale, wo sie sich zum Khat-Kauen und Reden treffen, erklärt Ephrem Tesema. Der äthiopische Anthropologe befasst sich in seiner von der Schweiz unterstützten Dissertation mit der Droge Khat.

Eines dieser Lokale, der Salon vom Khat-Händler Ibro, ist mit Matratzen und vielen Kissen ausgestattet. Darauf können es sich die Khat-Kauer bequem machen. Jeder bringt sein Bündel Blätter mit, eingepackt in Plastik. Je frischer die Blätter sind, desto grösser ist der Effekt, der bis hin zum Verlust des Zeit- und Raumgefühls reicht.

Soziale Abhängigkeit

Auslöser der stimulierenden Wirkung sind die Wirkstoffe Cathinon und Cathin, natürliche Amphetamine. Sie können den Kreislauf anregen, Müdigkeit und Hungergefühl verschwinden lassen, beim Abklingen aber auch Depressionen und Angstgefühle auslösen.

Die meisten Männer geben täglich zwischen 20 und 100 Birr für ihren Khat-Konsum aus, wie Ebsa, einer der Besucher, sagt. Er sei nicht abhängig und könne ohne Khat sein, versichert Ebsa. Die sozialen Kontakte und die Gespräche, welche den Blätter-Konsum begleiten, möchte er aber nicht missen.

Die umstehenden Männer geben Ebsa recht. Khat gebe Energie und fördere die Konzentration. Und die Pflanze ermögliche gute Geschäfte. Wer sich aber nach den Gewinnen erkundigt, erfährt von den ansonsten redseligen Khat-Kauern kaum etwas.

Drehscheibe

In Awedey, Äthiopiens Drehscheibe für Khat, laufen die Geschäfte um die Drogenblätter vor allem am Abend und in der Nacht. Im gebirgigen Umland von Awedey wird das meiste und auch das beste Khat angepflanzt, weiss Doktorand Tesema.

Er schätzt, dass jeden Tag rund 72 Tonnen Khat ins Ausland transportiert werden. Dies lässt sich auch in Awedey beobachten, vor allem nachts. Dann werden die Khat-Bündel auf Lastwagen für Dschibuti, Somalia oder Jemen geladen.

Mangels anderslautenden Gesetzen ist Khat in Äthiopien ein «legales» Produkt. Die Regierung hat keine einheitliche Position. Einerseits vergibt sie Lizenzen für den Handel und die Ausfuhr und nimmt so Devisen ein.

Andererseits geht die Polizei regelmässig gegen Khat-Händler vor, gerade vor Wahlen, auch um Regierungsgegner zum Schweigen zu bringen.

(sda)