Kriminelle Senioren

10. Januar 2018 17:58; Akt: 10.01.2018 18:17 Print

Luzerner Bankräuber (80) ist längst nicht der älteste

Ein 80-Jähriger hat in Meggen LU die Raiffeisenbank überfallen. Trotz seines hohen Alters ist er nicht der älteste Bankräuber der Geschichte.

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Zwar zeigten schon die Bilder einer Überwachungskamera, die die Polizei Ende Dezember nach dem Überfall auf die Bank in Meggen LU veröffentlichte, dass der Täter nicht mehr der Jüngste ist. Dass der Bankräuber aber bereits 80 Jahre alt ist, hätte die Polizei nicht erwartet. Der Mann sei «rüstig und zwäg», sagte Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft Luzern, zu 20 Minuten.

Doch Rekordhalter ist der Bankräuber von Meggen nicht. Geschnappt wurden auch schon Verbrecher mit höherem Alter, wie die folgenden Beispiele zeigen:

J. L. Hunter Rountree (91), Bankräuber

Der Texaner J. L. Hunter Rountree gilt als der älteste Bankräuber der Welt. Er war ein Wiederholungstäter. Seinen ersten Bankraub beging er im Alter von 82 Jahren. Der erste Versuch ging schief, er bekam eine Bewährungsstrafe. Doch er liess sich nicht entmutigen und führte seine späte Karriere als Bankräuber fort. Nach weiteren Überfällen wurde er geschnappt, als er 87 war, und sass drei Jahre im Gefängnis. Nach der Verbüssung der Haftstrafe wurde er erneut rückfällig.

Seinen letzten Bankraub beging Rountree im Jahr 2003 mit 91 Jahren. Zwar entkam er mit seiner Beute. Zum Verhängnis wurde ihm aber, dass sich jemand das Nummernschild seines Autos gemerkt hatte. Er wurde zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Sämtliche Banküberfälle verübte der Senior unbewaffnet.

Was hat Rountree bewogen, in hohem Alter zum Bankräuber zu werden? Er hatte ein erfolgreiches Leben als Geschäftsmann geführt, dabei aber schlechte Erfahrungen mit Banken gemacht und einen Hass auf sie entwickelt. Aus der Bahn geworfen wurde Rountree laut dem Magazin GQ im Alter von 75 Jahren, als seine Ehefrau, mit der er seit 50 Jahren verheiratet war, an Lungenkrebs starb.

Er heiratete kurz darauf eine drogensüchtige 31-Jährige, die er in einer Bar kennengelernt hatte, begann, gemeinsam mit ihr Marihuana, Kokain und Crack zu konsumieren, und verlor sein ganzes Vermögen von einer halben Million Dollar. Es folgte die Scheidung. In einem Interview sagte Rountree einmal, das Leben im Gefängnis sei ihm lieber als jenes im Altersheim. «Das Essen ist im Knast besser.» 2004 starb er 92-jährig auf der Krankenabteilung seines Gefängnisses.

Amanda Rice Stevenson (96), Mörderin

Amanda Rice Stevenson aus dem US-Bundesstaat Florida war 96 Jahre alt, als sie im Jahr 2011 wegen Mordes verhaftet wurde. Sie hatte ihren Neffen Johnny Rice (53) erschossen. Zwischen ihm und seiner Tante war es immer wieder zu häuslicher Gewalt gekommen, schreibt das US-Portal Sword and Scale. Eineinhalb Jahre sass sie nach der Bluttat hinter Gittern – die Strafverfolgungsbehörden kamen dann aber zum Schluss, dass die Seniorin wegen ihrer Demenz nicht schuldfähig sei. Sie wurde daraufhin in einem Altersheim untergebracht.

Bei der Tötung ihres Neffen war die alte Dame jedoch kein unbeschriebenes Blatt: Im Alter von 80 Jahren war sie bereits wegen Brandstiftung festgenommen worden, im Alter von 92 Jahren wegen Scheckbetrug.

Leo Sharp (87), El Chapos Kokainschmuggler

Leo Sharp aus der US-Metropole Detroit hat in seinem Pick-up für das Sinaloa-Kartell von Drogenboss El Chapo über eine Tonne Kokain aus Mexiko in den US-Bundesstaat Michigan geschmuggelt und dabei eine Million Dollar verdient. Wenn El Chapos Leute über Sparp sprachen, verwendeten sie immer seinen Spitznamen «El Tata» – der Grossvater. Als er 2011 aufflog, war er 87 Jahre alt.

Beim Prozess gegen den Greis pochte der Verteidiger vergeblich darauf, die Demenz habe Sharps Urteilsvermögen beeinträchtigt. Das Gericht kam zum Schluss, dass Sharp, ein für seine Tapferkeit ausgezeichneter Veteran des Zweiten Weltkriegs, sein hohes Alter bewusst genutzt habe, um bei seinen Schmuggelfahrten nicht aufzufallen. Sharp wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und starb im Dezember 2016 92-jährig hinter Gittern.

Victor Twartz (91), Drogenkurier

Der Australier Victor Twartz wird als der wohl älteste Drogenkurier der Welt bezeichnet. Der pensionierte Kieferchirurg war bereits 91 Jahre alt, als er am Flughafen von Sydney beim Versuch erwischt wurde, 4,5 Kilogramm Kokain ins Land zu bringen, die als Seifenstücke getarnt waren. Twartz war aus Indien angereist, wo er Ferien gemacht hatte.

Ein australisches Gericht sprach den Senior 2016 frei. Es kam zum Schluss, dass Twartz reingelegt worden sei und die Drogen nicht mit Absicht geschmuggelt habe. Er sagte aus, ein Mann in Neu-Delhi habe ihn gebeten, die Seife als Geschenk für seine Familie nach Australien zu bringen. Er habe die Seife daraufhin genau angesehen und geglaubt, beim weissen Pulver, das darin enthalten war, handle es sich um Parfüm.

(lüs)