Trend gegen Tradition

11. November 2012 21:17; Akt: 11.11.2012 21:17 Print

Der Kürbis lebt - lang lebe das Räbenlicht

von J.Büchi - Kürbis oder Räbe? Die Frage, welcher der beiden Feldfrüchte in der Schweiz ein Fest gewidmet werden soll, polarisiert. Der Grossteil unserer Leser zieht die Tradition dem Trend vor.

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«Räbeliechtli, Räbeliechtli, wo gasch hii?» Die meisten unserer Leser wollen Lieder wie dieses auch in Zukunft in den Schweizer Strassen und Gassen erklingen hören. 71 Prozent der Umfrageteilnehmer finden: Es wäre eine Schande, wenn die Räbeliechtli-Umzüge aussterben würden. User Jacques Meierhofer schreibt in den Kommentaren: «Wieso brauchen wir Halloween, wenn wir doch eine eigene Tradition haben?»

Umfrage
Räbeliechtli-Umzug oder Halloween - was lässt ihr Herz höher schlagen?
71 %
3 %
22 %
4 %
Insgesamt 6247 Teilnehmer

In der Tat machen sich in der Umfrage nur gerade drei Prozent der Teilnehmenden für den Halloween-Brauch stark. Unter den Verfechtern der amerikanischen Tradition ist Leser-Reporter B. Er schickt uns ein Bild von zwei dämonisch grinsenden Kürbisfratzen mit dem Kommentar: «Eindeutig Kürbisse statt Räbeliechter» - und löst damit in den Kommentaren eine Welle der Empörung aus.

Kommerz und Totenkult?

Viele der Statements bringen Halloween mit Vandalismus, heidnischem Totenkult oder Geldmacherei in Verbindung. Einige hegen sogar moralische Bedenken gegen das Kürbisfest: «Man bedroht die Nachbarn mit Saurem, wenn sie nicht mit Süssigkeiten rausrücken. Was gibt man den Kindern dadurch zu verstehen? Dass man auch hier nur profitieren kann und nichts geben muss?», ereifert sich User NiBi.

Doch auch Entwicklungen an der Räbenfront machen einigen Kulturpessimisten zünftig Bauchweh: «Den eigentlichen Räbeliechtliumzug gibt es so oder so nicht mehr. Heute werden Lichter gebastelt aus PET Flaschen und nicht mehr geschnitzt», klagt User Taemele. Und Taifunny bestätigt: «Ich war letzte Woche an einem Räbeliechtli-Umzug: Leuchtstäbe, die anstatt der Räben mitgeführt wurden, ständige Beleidigungen und wüste Beschimpfungen der Kinder untereinander, kein Gesang, keine Musik, ein schneller Marsch, so dass kleine Kinder im Anschluss des Zuges gar nicht nachkamen. Statt Teelichter wurden LED-Kerzen verwendet, die Räben trugen nur noch die lieblos geschnitzten Namen der Kinder, keine Symbole, Bilder etc. mehr.»

Richterswil als Räbenliechtli-Hochburg

All diejenigen, die nun schon den Niedergang der Schweizer Räbeliechtli-Kultur betrauern, dürfte ein Blick nach Richterswil ZH beruhigen. Wo die rötlich-violetten Laternchen schon seit über hundert Jahren gefeiert werden, wurde am Samstagabend erneut eindrücklich bewiesen, dass die geschnitzte Räbe in der Schweiz noch ihren festen Platz hat. Die traditionelle «Räbechilbi» zog über 15 000 Besucher an, rund tausend Personen nahmen am Umzug teil.

Hauptattraktion der «Räbechilbi» waren Dutzende prunkvolle aus Räben gefertigte Sujets, wie Schlösser, Busse oder Tiger. «Es ist natürlich ein besonderer Reiz, sich mit den Sujets jedes Jahr aufs Neue zu steigern», sagt der Leiter der «Räbechilbi», Daniel Wohlwend. Ein Versuch, sich gegen die zunehmende Konkurrenz von Halloween zu behaupten, seien die gigantischen Räbeliechtli-Gebilde aber keinesfalls. «Ich selbst nehme eigentlich kaum eine Konkurrenzsituation wahr. Wenn überhaupt, kommt diese aus den eigenen Reihen – von Quartiervereinen, die zunehmend eigene Räbeliechtli-Umzüge organisieren.»

Also gar keine Angst vor der Invasion der Kürbisse? «Überhaupt nicht, nein, gar nicht», lacht Wohlwend. Zumindest Richterswil sei gegen diesen Brauch sicher resistent.

Zwei Mal feiern

Für einen versöhnlichen Abschluss der Räben-Kürbis-Debatte sorgen jene User, die beiden Festen etwas abgewinnen können. D.L. schreibt stellvertretend für rund einen Viertel der Umfrageteilnehmer: «Finde beides toll! Wieso entscheiden, wenn wir zweimal feiern können?! Hauptsache Licht und Freude!» Und CPW doppelt nach: «Da beide nicht genau gleichzeitig stattfinden (müssen), hat es in unserer traditionsarmen Zeit Platz für Beides! Meine Kinder lieben Verkleidung und Süsses oder Saures! Aber auch Besinnlichkeit des Räbeliechtli.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karin Müller am 14.11.2012 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Als ich noch klein war, verkleideten wir uns an der Fasnacht und zogen von Haus zu Haus und im Herbst schnitzten wir Räbelichtli und gingen an einen Umzug ohne Verkleidung. Nicht das ich etwas gegen Halloween hätte, aber ich finde es extrem schade, dass die heimischen Bräuche deswegen in Vergessenheit geraten und die Kinder sie teilweise gar nicht mehr kennen.

  • James am 12.11.2012 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Halloween hat nichts mit USA zu tun

    Ihre Umfrage : "Endlich wird der coole US-Brauch auch in der Schweiz gebührend gefeiert." Falsch!: Halloween hat nichts mit USA zu tun. Halloween is European..also Irisch/Schottlisch.

    • Guschti am 14.11.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      @James

      No! Kein Mensch hat sich je für diesen irischen Brauch interessiert, bis sich das amerikanische Marketing Riesengewinne versprach und sich dieses Brauchtums annahm. In etwa zu vergleichen mit unserem Valentinstag. Der ist ja auch nur dazu da, um Blumen zu verkaufen.

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  • Vedia am 12.11.2012 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Beide Bräuche haben dieselbe Quelle

    Europäer schnitzen schon seit langer Zeit im November Fratzen in Rüben. Bei den Vorfahren (vor der christlichen Invasion) wurde damit Neujahr gefeiert. Die Fratzen sollen böse Geister draussen halten. Ursprünglich hiess das Fest Samhain. "Halloween" ist eine christliche Verballhornung des okkupierten Feiertages. Als die besonders gern feiernden Irren in die USA auswanderten nahmen sie den Brauch mit. Dort wurden dann die dort einheimischen Kürbisse anstatt Rüben verwendet. Aber der Brauch ist sowas von urtümlich europäisch, dass das gesamte Christentum dagegen hypermodern ist.

    • Kritiker am 12.11.2012 21:09 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Schön gesagt.

    • Guschti am 14.11.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Vedia

      Die irren Iren? - Jedenfalls feiern wir hierzulande keine Amifeste. Ob sie nun den Ursprung in Europa hatten, oder eben nicht.

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  • Markus W. am 12.11.2012 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    pro Räbeliechtli

    Ich bin nicht dafür, dass man unbedingt Traditionen aus anderen Ländern übernehmen muss aber das Orange bringt einen schönen Farbtupfer in den grauen Alltag und so habe auch ich im Garten ein bisschen Halloween-Deko aufgestellt. Bis aber Halloween soweit ist wie z.B. der Räbeliechtli-Umzug in Richterswil (absolut empfehlenswert) werden wohl noch sehr viele Jahre ins Land gehen

  • Renato am 12.11.2012 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    inkonsequent

    wir lassen uns von anderen immer beeinflussen statt unsere eigenen wege zu gehen!