Papst in Madrid

19. August 2011 15:47; Akt: 19.08.2011 16:27 Print

Der Papst brachte keine Friedensbotschaft

Der Besuch des Pontifex im säkularisierten Spanien ist von Protesten überschattet. Doch statt einen versöhnlichen Ton anzuschlagen, goss Benedikt XVI. in seiner Rede zusätzlich Öl ins Feuer.

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Der 84-jährige Papst wird sich vier Tage in Madrid aufhalten. In seiner Rede am 18. August 2011 rief Benedikt XVI. dazu auf, fest im Glauben zu bleiben und die Herausforderungen der Gegenwart anzunehmen. In einer Welt der Gewalt, der Umweltzerstörung, der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der Christenverfolgung «nehme nichts und niemand euch den Frieden, schämt euch nicht des Herrn», mahnte Benedikt. Am Flughafen Barajas wurde Benedikt XVI. von König Juan Carlos und Königin Sofia empfangen. Auch der spanische Ministerpräsident José Luis Zapatero begrüsste den Kirchenoberhaupt. Anschliessend machte er sich im Papamobil auf den Weg ins Zentrum der spanischen Hauptstadt. Benedikt XVI. rief bei seiner Ankunft in Madrid zu einer Wirtschaftspolitik im Sinne des Menschen auf. Empfangen von einem bunten Fahnenmeer der Teilnehmer aus aller Welt. In einer Ansprache auf dem zentralen Cibeles- Platz dazu auf, «barmherzig, friedliebend und reinen Herzens» zu sein. Mehr als eine Million Menschen aus aller Welt werden zu dem mehrtägigen Treffen erwartet. Kritiker schätzen die Kosten der Grossveranstaltung für das in einer Wirtschaftskrise steckende Spanien auf mehr als 100 Millionen Euro. Angemeldet sich auch über 1200 junge Leute aus der Schweiz. Dies gab der Verein bekannt, der die Reise organisiert. Die spanische Polizei leitete eine der grössten Sicherheitsoperationen in der jüngeren Geschichte des Landes ein: Sie bot Beamte auf. Während des Flugs nach Spanien mit seinen grossen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten hatte Benedikt die «Verantwortung» Europas in der Krise, anderen Menschen und Ländern gegenüber bekräftigt. Er wandte sich erneut strikt gegen ein Wirtschaften, das die Ethik vergesse. «Man muss Arbeit schaffen und den Planeten schützen», verlangte das Kirchenoberhaupt.

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Papst Benedikt XVI. hat am Donnerstagabend auf dem Weltjugendtag in Madrid mit Hunderttausenden von jungen Katholiken ein riesiges Willkommensfest gefeiert. Empfangen von einem bunten Fahnenmeer der Teilnehmer aus aller Welt begrüsste Benedikt die ihm zujubelnde Masse der Gläubigen in einem halben Dutzend Sprachen.

Doch schon in seiner Rede äusserte das Kirchenoberhaupt harsche Kritik an «den Formen des radikalen Laizismus und einer wachsenden Intoleranz gegenüber Christen». Das Verbot von christlichen Symbolen sei eine Verfolgung gläubiger Jugendlicher: «Im öffentlichen Leben werden ihnen die Zeichen seiner (Christi) Gegenwart genommen, sogar sein heiliger Name wird verschwiegen», merkte er kritisch an.

«Schämt euch nicht des Herrn»

Benedikt XVI. reagierte mit seinen Worten auf die Proteste, die am Vorabend im Zentrum von Madrid stattgefunden hatten: Tausende Spanier hatten sich gegen den Einsatz von Steuermitteln für den gigantischen Kirchenanlass gewehrt und eine vollständige Trennung von Staat und Kirche verlangt. Dabei wurden elf Menschen verletzt und acht festgenommen.

Bei seiner Ansprache vor den führenden Staats- und Kirchenvertretern Spaniens sagte der Papst, er sei gekommen, um die Teilnehmer zu ermutigen, sich ihres Glaubens nicht zu schämen. Die Jugend solle nach Gerechtigkeit hungern und sich nicht von blinden, egoistischen oder trügerischen Impulsen verleiten lassen, mahnte er. Die Jugend solle «fest im Glauben bleiben und die Herausforderungen der Gegenwart annehmen». Die jungen Leute erlebten heutzutage, dass Oberflächlichkeit, Konsumdenken und Hedonismus vorherrschten. «Sie nehmen eine grosse Banalität im Umgang mit der Sexualität, grossen Mangel an Solidarität und viel Korruption wahr.»

40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit

Während des Flugs nach Spanien, das unter grossen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten leidet, hatte Benedikt die «Verantwortung» Europas in der Krise für andere Menschen und Länder bekräftigt. Er wandte sich erneut strikt gegen ein Wirtschaftssystem, das die Ethik vergesse. «Man muss Arbeit schaffen und den Planeten schützen», verlangte das Kirchenoberhaupt.

Gespannt hörte ihm der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero dabei zu. Der Regierungschef kämpft gleichzeitig für die Durchsetzung von Massnahmen, die den Staatshaushalt um rund fünf Milliarden Euro entlasten sollen. Doch offenbar erscheinen Glaubensfragen vor dem Hintergrund einer Jugendarbeitslosigkeit von über 40 Prozent sekundär.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gelöscht am 19.08.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    gelöscht

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  • Atheist am 20.08.2011 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Papstbesuch

    Für einen "irdischen" Papst, der kurzerhand die "Vorhölle" für uneheliche Kinder abgeschafft hat, nimmt er denn Mund recht voll! Ich verstehe die Spanier absolut. Warum bezahlt die Kirche seine Reisen? Völlig unnötig den Staat damit belasten ist ein Unding! ER wollte ja unbedingt nach Spanien reisen?

  • peter.müller am 19.08.2011 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht von dieser Welt...

    Organisierte Massenaufmärsche, die einer Führerfigur huldigen, sind mir mehr als suspekt. Vor allem wenn es um eine Ideologie geht, deren Rethorik an den Problemen der Betroffenen vorbei geht. Die Spanier brauchen einen Wirtschaftsaufschwung, Arbeit und Brot und keine Nachhilfe in Sexualkunde oder Moral.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Christoffel am 20.08.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranz und Grössenwahn!

    Eine Rede an den Weltjugendtag direkt aus dem Vatikan hätte genügt. Aber nein, man gibt unnötig irre Millionebeträge aus für eine Propagandareise um seinen Pomp und seine Macht zu zeigen, zu einem Zeitpunkt, wo gerade Millionen Menschen am Verhungern sind. Das ist nicht praktizierender Glaube, das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Früher schickten die Päpste Kreuzzüge gegen die Ungläubigen, heute lässt er sie verhungern! Währenddessen macht der Papst eine Reise und lässt sich bejubeln. Das ist keine «marginale» Sache, wie Vatikan-Redner Federico Lombardi die Anti-Papst-Aktionen der letzten Tage gelassen nannte. Ignoranz und Grössenwahn!

    • Jane Saldanha am 26.08.2011 00:45 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist leicht, zu kritisieren

      Einfach Geld hinschicken nach Somalia ist keine Lösung! Und auch wenn man 50 Millionen Euros schickt - was dann? Vieles davon kommt gar nicht an. Zweitens: die Menschen brauchen weit mehr als nur ein bisschen Essen: sie brauchen eine Zuhause, eine Familie, Schule, Arbeit usw. Sie brauchen vor allem Menschen die freiwillig ihre Zeit geben um sie emotional und finanziell zu unterstützen. Denk nicht, dass mit Geld, alle Probleme der Welt gelöst werden können! Kritisieren ist leicht; Probleme zu lösen ist weniger leicht. Anstatt zu kritisieren, versuch doch, etwas für andere Menschen zu tun...

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  • Atheist am 20.08.2011 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Papstbesuch

    Für einen "irdischen" Papst, der kurzerhand die "Vorhölle" für uneheliche Kinder abgeschafft hat, nimmt er denn Mund recht voll! Ich verstehe die Spanier absolut. Warum bezahlt die Kirche seine Reisen? Völlig unnötig den Staat damit belasten ist ein Unding! ER wollte ja unbedingt nach Spanien reisen?

  • Miro am 20.08.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schämt euch nicht des Herrn

    Dass von jemandem der sich vor dem Namen des Herrn 'Jehova' drückt.

    • A.Blatter am 23.08.2011 08:44 Report Diesen Beitrag melden

      Genauso ist es.

      Bin ich ganz gleicher Meinung. Er sagt: "sogar sein heiliger Name wird verschwiegen" und meint Jesus damit. Aber viel schlimmer ist es den Namen Gottes selbst aus den Bibeln zu streichen. Wenn das jüngste Gericht kommt, und das wird es, will ich nicht mit ihm tauschen, soviel ist sicher...!

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  • Jeff am 20.08.2011 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Kirche für nix !

    Gewisse Menschen haben die Kirche gegründet, um zu bestimmen, was Gott will. Schliesslich machten sie Kreuzzüge und brachten weitere Zerstörung. Das in "Gottes Namen. Der wirkliche Gott liebt uns alle. Die wirklichen Lehren wurden verdreht, damit wir uns von Gott abwenden. Die Kirche diente noch nie den Interessen der Menschen. Ausser kleinere Instutionen oder die Hilfsbereitschaft weniger Menschen. Meiner Meinung nach soll jeder das glauben, was ihm hilft sein Leben zu leben. Auch sollte er für andere da sein und sich für ihn einsetzen. Zusammen sind wir stark.

  • Kurt Dubach am 20.08.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nach-Denken

    Kann mir einer sagen warum es so viele Leute braucht für die Kirche?! geht ja fast niemand hin!

    • Tom Builder am 20.08.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

      jugendveranstaltung

      lieber kurt, nur weil SIE nicht hingehen, heisst noch lange nicht, dass niemand sonst hingeht. der weltjugendtag der katholischen kirche ist eine der grössten und teilnehmerstärksten jugendveranstaltungen der welt!

    • Kurt Dubach am 20.08.2011 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      Mal Lesen und video ansehen

      Ja Tom es hat seinen Grund, das sind die Leute wo in die Kirche gehen, wo was erleben wollen, ist ja besser als demonstration, auch das hat seinen Hintergrund, ist es etwa Armut? (England Spanien) Es gibt einen guten Film auf N24 "Exodus Rätsel der Bibel" und dan weist was ich meine

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