Pädophiler Sadist Daniel V.

18. Januar 2018 20:41; Akt: 19.01.2018 08:18 Print

«Den letzten Atemzug eines Kindes spüren»

von Ann Guenter - Nicht nur ein Schweizer verging sich an einem Neunjährigen aus Freiburg. Auch der Deutsche Daniel V. zahlte dafür. Seine Vergangenheit lässt einen erschauern.

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Daniel V. wurde letzten Herbst verhaftet, als er zu seinem neunjährigen Opfer reisen wollte. Er war Polizei längst bekannt. (Bild: ZVG)

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Ein Neunjähriger aus dem Grossraum Freiburg (Baden-Württemberg) wird vom Stiefvater vergewaltigt und von der Mutter an andere Männer verkauft. Letzten Herbst wird das Paar verhaftet, danach ermittelt die Polizei sechs der «Bieter». Sie sitzen in Untersuchungshaft.

Darunter ist nicht nur ein 36-jähriger Schweizer aus dem Kanton St.Gallen, sondern auch Daniel V*. Man kann den Elektrotechniker getrost als einen der schlimmsten Kinderschänder Deutschlands bezeichnen.

Früher Kontakt zu Schweizer Pädophilen

Der 43-Jährige aus Wulfsdorf (Schleswig-Holstein) wurde auf dem Weg zum Neunjährigen festgenommen. Er hatte gemäss Polizei einen Rucksack mit Fessel-Utensilien dabei. In der Mitteilung der Staatsanwaltschaft heisst es: «Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Verdächtige zuvor Tötungsfantasien im Zusammenhang mit einem Kindesmissbrauch geäussert haben.»

Das überrascht nicht. Ein Blick in die Vergangenheit von Daniel V. lässt einen erschauern. Er zeigt auch: Der Deutsche hatte immer wieder Kontakt zu Pädophilen in der Schweiz.

Geburt des Sohnes beflügelt Tötungsfantasien

Erstmals wird die Polizei im Jahr 2000 auf Daniel V. aufmerksam, weil er im Internet eine Anleitung zur Ermordung eines fiktiven kleinen Mädchens veröffentlicht und Unmengen von kinderpornografischem Material besitzt. Er wird zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt und muss Sexualtherapien machen. Diese bleiben ohne Erfolg.

Auch dass Daniel V. heiratet und Vater eines Sohnes wird, ändert nichts, im Gegenteil: Seine Tötungsfantasien scheinen durch die Geburt des Kindes beflügelt worden zu sein, wie es in einem späteren Vernehmungsprotokoll heisst. Es drängt ihn, sie wahr zu machen.

Schweizer tritt als «Stopfbär» auf

Im Sommer 2008 lernt er im Chatforum «Zauberwald» den Schweizer Informatiker Bernhard B. kennen. Daniel V. nennt sich hier «Goofy», der Schweizer «Stopfbär».

Die Männer verabreden sich zum «Boytausch»: Daniel V. soll sich am sechsjährigen Sohn des Schweizers vergehen dürfen, dafür stellt er diesem seinen knapp dreijährigen Sohn für Analverkehr «zur Verfügung». Der Dreijährige sei ihm eigentlich zu jung gewesen, sagt Bernhard B. später. «Man kann dann nicht so viel machen.»

Bevor sich die Männer mit den Kindern in einer angemieteten Ferienwohnung treffen können, verhaftet die Schweizer Polizei Bernhard B. Wie sich herausstellt, hat der Glarner seinen Sohn auch mit dem Sohn eines Deutschen mit Wohnsitz im Thurgau getauscht und teilweise betäubt: «Selbst als der Sohn von B. bei einem Treffen kollabierte, liess der andere nicht von dem Kind ab», zitiert der «Blick» damals aus der Anklageschrift.

Bernhard B. wird in der Schweiz später zu über neun Jahren Haft in Pöschwies verurteilt – wo er eine Beziehung mit dem verwahrten Babyquäler René Osterwalder führen soll.

Lokal betäubende Creme und Schlaftablette

Daniel V. hingegen kann seinen Perversionen weiter nachgehen. Dies, obwohl die Schweizer Polizei die Kollegen in Deutschland im Zusammenhang mit der Verhaftung von Bernhard B. verständigt hat. Doch als die Deutschen den Computer von Daniel V. beschlagnahmen, können selbst Experten die verschlüsselten Daten des Elektrotechnikers nicht entschlüsseln. Man muss ihn gehen lassen.

«Willst du den letzten Atemzug eines sterbenden Kindes spüren?», schreibt Daniel V. etwa einem Chatpartner, bevor er Bilder von strangulierten Kinderleichen oder weinenden Mädchen mit verletzten Genitalien verschickt. Seinen Sohn scheint er nicht in Ruhe zu lassen. In einer Revisionsschrift des Landgerichts Kiel ist die Rede von «gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil seines knapp drei Jahre alten Sohnes durch Verabreichung einer lokal betäubenden Creme und einer aufgelösten Schlaftablette».

«Das Problem ist bei ihm der extreme Sadismus»

Im Sommer 2009 will er den fünfjährigen Sohn eines anderen «beim ‹Ficken› in den Magen boxen und ihm Stecknadeln unter die Zehennägel stecken», wie der Chatverlauf zeigt. Der Junge werde das Ganze schon überleben, «der Arsch» aber werde wund sein und der Junge auch Griffmarken aufweisen, heisst es in der Gerichtsakte. Und weiter: «Der Angeklagte erklärte zum Abschluss des Kontakts, dass der Vater des Fünfjährigen ihm im Fall der Verwirklichung des Vorhabens ‹einen Lebenstraum erfüllen› würde.»

Zusammen mit einem Holländer plant Daniel V. schliesslich die Entführung und Ermordung eines Kindes, «idealerweise» eines achtjährigen Jungen aus einer ländlichen Gegend des nördlichen Mecklenburg-Vorpommern. Man müsse letztlich ein Kind finden, das allein an einsamer Stelle auf dem Schulweg sei. Nach dem Austausch dreier kinderpornografischer Abbildungen konkretisieren die beiden ihr Vorhaben und beschreiben im Detail, was sie mit dem Kind anstellen, wie sie es über Stunden quälen und missbrauchen würden. Dann wollen sie die Leiche im Meer verschwinden lassen.

«Das Problem ist bei ihm der extreme Sadismus», der mit der Pädophilie einhergehe, sagt ein Gutachter später über Daniel V.

Entlassung 2015 – und wieder Reisen zu einem Kind

Die Polizei hat Daniel V. offenbar nicht aus den Augen gelassen. Am 29. September 2009 stürmt ein Spezialeinsatzkommando seine Wohnung und stellt 200'000 Bilder und 1800 Videos mit Kinderpornografie und Darstellungen schwerster Gewalt gegen Kinder sicher. Diesmal gelingt es Daniel V. nicht, das Material zuvor zu verschlüsseln.

Er wird zu zehn Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt. Belastet haben ihn unter anderem die Aussagen des Schweizers Bernhard B., den man als Zeugen zur Verhandlung nach Kiel holt. Von der ursprünglichen Strafe sitzt Daniel V. letztlich fünf Jahre und acht Monate ab. Er wird Mitte 2015 entlassen.

Seine Reise zu dem im Internet angebotenen neunjährigen Buben letzten Herbst zeigt, dass er ein hoffnungsloser Fall ist.

*Name der Redaktion bekannt