Wegen DHL-Erpressern

07. Dezember 2017 20:18; Akt: 07.12.2017 20:18 Print

Deutsche in Angst vor Weihnachtspaketen

Die vor einer Woche entdeckte Paketbombe war zündfähig. Das dürfte die ohnehin schon verängstigte Bevölkerung noch nervöser machen.

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Angst vor Paketbomben: Glücklicherweise sind bislang bei der deutschen Polizei nur Fehlalarme eingegangen. (Bild: Adam Berry)

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Die Gefahr von Paketbomben versetzt die Menschen in Berlin und Brandenburg nach dem Vorfall in der Potsdamer Innenstadt am vergangenen Freitag in Angst.

Ausgerechnet jetzt, in der Vorweihnachtszeit, muss die Polizei davor warnen, Pakete zu öffnen, die nicht bestellt wurden oder die keinen oder einen fehlerhaften Absender haben.

Paketbombe war zündfähig

Denn vor einer Woche hatten Sprengstoffexperten der Bundespolizei ein Paket unschädlich gemacht, das in einer Apotheke in der Potsdamer Innenstadt abgegeben worden war. Die Ermittler gehen davon aus, dass hinter der Paketbombe eine Erpressung in Millionenhöhe gegen den Paketdienst DHL steckt.

Dass dieses Paket es im wahrsten Sinn in sich hatte, zeigte sich jetzt: Die in der Potsdamer Apotheke entdeckte Paketbombe war mit Batterien zündfähig. «Es war eine Sprengvorrichtung, die bei einer Umsetzung erhebliche Gefahr für Leib und Leben bedeutet hätte», sagte Brandenburgs Innenstaatssekretärin Katrin Lange im Innenausschuss des Landtags.

Sonderkommission «Quer»

An einer Metallbüchse mit Nägeln und einem Polenböller seien mehrere Batterien angeschlossen gewesen. Daher werde wegen räuberischer Erpressung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion ermittelt.

Nach Angaben des Innenministeriums sind bei der Sonderkommission «Quer» bislang 113 Hinweise eingegangen. Dadurch habe sich bislang keine heisse Spur ergeben.

Stattdessen häufen sich die Fehlmeldungen, die die Woche über für mitunter skurrile Polizeieinsätze sorgten.

Vibrator im Briefkasten<

Etwa am Dienstag, als die Polizei in Oranienburg zu einem Haus gerufen wurde. Dort kamen aus einem Briefkasten verdächtige Geräusche. «Es klingelte und vibrierte über eine längere Zeit, einige Bewohner trauten sich nicht aus dem Haus», erklärte die Polizei.

Beamte schauten daraufhin durch den Briefkastenschlitz und entdeckten – einen eingeschalteten Vibrator. «Da er ja schon eine Weile in Betrieb war und die Besitzer des Briefkastens nicht erreicht werden konnten, beliessen die Beamten das Gerät im Kasten», hiess es im Polizeibericht.

Ein Christstollen und eine Weihnachtsgrusskarte

In Wittstock an der Dosse meldete sich ebenfalls am Dienstag ein 32-Jähriger bei der Polizei und gab an, ein Paket ohne Absender erhalten zu haben. «Im Paket befand sich ein Luftgewehr, das der Mann jedoch nicht bestellt hatte», teilte die Polizei mit. Die Beamten beschlagnahmten die Waffe und leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen Verstosses gegen das Waffengesetz ein.

Am Montag hatte ein verdächtiges Paket bei der Bussgeldstelle in Gransee für Aufregung gesorgt. Eine Mitarbeiterin wollte es nicht öffnen, ein Absender stand aber darauf. Dieser teilte der herbeigerufenen Polizei schliesslich telefonisch mit, dass die Sendung «eine Danksagung für die Mitarbeiterin» sei. Sie enthielt unter anderem einen Christstollen und eine Flasche Wein.

Auch anderswo im Land ist die Bevölkerung sensibilisiert. Im Landratsamt von Sondershausen hatte eine Mitarbeiterin einen verdächtigen Brief entdeckt und die Polizei alarmiert: Sie habe in dem dicken Umschlag ohne Absender Pulver und «etwas Technisches» erfühlt. Der Inhalt stellte sich als Weihnachtsgrusskarte heraus.

(gux/sda/afp)