Australischer App-Star

04. April 2015 22:08; Akt: 04.04.2015 22:43 Print

Die grosse Krebs-Lüge der Belle Gibson

Eine junge Australierin wird zur Hoffnung für viele krebskranke Menschen: Sie will sich allein durch ihre gesunde Lebensweise geheilt haben. Doch es war alles nur ein grosser Bluff.

Die App von Belle Gibson wurde vom Markt genommen.
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Es klang fast zu schön, um wahr zu sein: Eine junge Frau gewinnt den Kampf gegen den Krebs – nur mit gesunder Ernährung und alternativen Heilmethoden. Der Australierin Belle Gibson schien genau das gelungen zu sein. Die 23-Jährige bekämpfte ihre Tumoren in Gehirn, Gebärmutter, Milz und Leber mithilfe einer speziellen Ernährung aus viel Obst und Gemüse, mit Sauerstoffinhalation, Darmspülungen und traditioneller indischer Ayurveda-Medizin. Chemo-Therapie und Bestrahlung hätten dagegen nichts genützt. Ihre angeblichen Erfolge teilte die Mutter eines Sohnes öffentlichkeitswirksam auf Instagram und Twitter mit, eine Gesundheits-App namens «Whole Pantry» und ein Kochbuch brachten ihr viel Geld ein.

Doch offenbar litt Belle Gibson nie an Milz-, Leber- oder Gebärmutterkrebs. «Es ist schwer, sich einzugestehen, dass man vielleicht falsch lag», zitiert der «Stern» die Jung-Unternehmerin. Sie fühle sich «verwirrt» und sei «nahezu beschämt». Eine Lüge will sie jedoch nicht zugeben. Ihre Erklärung: Ärzte hätten ihr eine falsche Diagnose gestellt.

Mediziner halten Behauptungen für verantwortungslos

Dass sie an einem Gehirntumor litt, daran hält Gibson weiterhin fest. Auch wenn Mediziner bezweifeln, dass sie diesen mit alternativen Behandlungsmethoden geheilt haben will. «In meinen Augen ist es verantwortungslos, zu propagieren, allein mit alternativen Methoden Krebs heilen zu können», zitiert der «Stern» Matthias Rostock vom Universitären Cancer Center des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg.

Genau mit diesem Versprechen hatte Gibson ihre App zum Preis von umgerechnet je 2,85 Franken verkauft – rund 300.000 Mal. Bei der Präsentation der neuen Apple-Watch wurde «Whole Pantry» als empfehlenswerte App vorgestellt. In den Medien wurde die 24-Jährige als lebensmutige, tapfere Kämpferin gefeiert. Die australische Ausgabe der Zeitschrift «Elle» etwa kürte sie zur inspirierendsten Frau des Jahres 2014.

Verwandte zweifelten an ihrer Geschichte

Doch schon länger gab es Zweifel am Wahrheitsgehalt von Gibsons Geschichte. Freunde und Familienangehörige hätten sich gewundert, warum sie nie krank ausgesehen habe, auch nicht in den schlimmsten Phasen der Krankheit, schreibt die «Huffington Post». Als ein Freund sie nach dem Zeitpunkt ihrer Diagnose gefragt habe, habe sie geantwortet, sie wüsste es nicht. Später habe sie behauptet, ein bekannter US-Fernsehdoktor habe den Krebs festgestellt.

Nicht nur Gibsons spektakuläre Heilung scheint erfunden zu sein. Häufiger hatte die junge Frau behauptet, ein Grossteil ihrer Einnahmen aus ihrer Geschichte gingen als Spenden an gemeinnützige Organisationen. Doch die Sprecherin der von ihr genannten Organisation «Bumi Sehat Foundation», die sich für Geburtenhilfe einsetzt, dementierte. Es habe niemals Spenden gegeben. Gemäss einer australischen Zeitung rechtfertigte Gibson sich, die Einnahmen aus Buch und App seien geringer ausgefallen als erwartet.

Im Netz beginnt Gibson bereits, ihre Spuren zu verwischen. Die Fotos auf ihrem Instagram-Account sind gelöscht. Die «Whole Pantry»-App ist aus dem Store verschwunden.


(mlr)