Steve Irwin

11. März 2014 15:03; Akt: 11.03.2014 22:28 Print

Die letzten Worte des «Crocodile Hunter»

In Australien ist Steve Irwin eine Legende. Der Tierfreund starb, als ihn ein Rochen stach. Jetzt spricht erstmals der Kameramann, der bei dem Drama dabei war – und übertreibt dabei etwas.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Steve Irwin ist nicht nur in Australien ein Begriff. Der risikofreudige Tierliebhaber sprang für seine Filmaufnahmen zu Krokodilen ins Wasser, liebkoste Schlangen und näherte sich so ziemlich allem, was wild und gefährlich war. Seine Dokumentarfilme waren entsprechend auf der ganzen Welt beliebt. Doch im September 2006 geschah das Unglück: Irwin wurde bei einem Tauchgang von einem Stachelrochen attackiert und tödlich verletzt – ausgerechnet bei Aufnahmen für den Dokumentarfilm «Ocean's Deadliest» («Die Tödlichsten des Meeres»).

Irwin für einen Tigerhai gehalten?

Jetzt, acht Jahre später, sprach Kameramann Justin Lyons erstmals über diese letzten Minuten beim Great Barrier Reef. Er beschreibt, wie er und Irwin im brusttiefen Wasser einen fast 2,4 Meter grossen Stachelrochen entdeckten. Sie hätten bis auf die Schlussaufnahmen alle Szenen für diesen Tag im Kasten gehabt, als sie das Tier entdeckten.

Irwin im Wasser, der sich von hinten dem Rochen näherte, das sollte der krönende Abschluss des Tages werden: «Ich hatte die Kamera und dachte, dass das eine grossartige Aufnahme werden würde. Doch plötzlich stach der Rochen wie wild zu, Hunderte von Stichen in wenigen Sekunden», erzählte Lyons dem TV-Sender Network Ten.

«Normalerweise sind Stachelrochen sehr ruhig. Sie schwimmen weg, wenn sie nicht wollen, dass man ihnen zu nahe kommt», sagte der Kameramann. Es sei möglich, dass der Rochen Irwins Schatten für einen Tigerhai gehalten habe.

«Ich sterbe»

Dass Irwin tödlich verletzt wurde, habe er erst gar nicht bemerkt. Er habe mit der Kamera geschwenkt, als das Tier davonschwamm. «Erst als ich mit der Kamera zurückschwenkte sah ich, dass Steve inmitten von Blut stand.» Berichte, wonach der Stachel des Rochens noch in Irwins Brust gesteckt und Irwin diesen selbst herausgezogen habe, widerlegte Lyons. «Der Stachel ist gezackt und ging durch Steves Brust wie durch warme Butter.»

Dem Kameramann sei bewusst geworden, dass der Stachel wohl Irwins Lunge und wohl auch das Herz getroffen habe. «Wir brachten ihn so schnell es ging auf das Boot. Doch selbst wenn wir ihn in diesem Moment in eine Notaufnahme hätten bringen können, es wäre wohl zu spät gewesen, wir hätten ihn nicht retten können.» Der Kameramann erinnert sich an Irwins letzte Worte: «Ich sagte ihm Dinge wie ‹Denk an deine Kinder, Steve, halte durch› und er schaute mich ruhig an und sagte: ‹Ich sterbe›. Das war das Letzte, was er sagte.»

Etwas übertrieben?

Die tödliche Attacke des Rochens und die Rettungsversuche wurden auf Kamera festgehalten, denn es war Irwins ausdrückliche Anweisung, dass egal, was passierte, weitergefilmt werden müsse. Lyons sagt: «Diese Aufnahmen wird aber nie jemand sehen, allein schon aus Respekt vor Steves Familie.»

Der tödliche Unfall hat Kameramann Lyons zutiefst verstört. Zur Verarbeitung des Todes seines Freundes drehte er einen Dokumentarfilm, der von emotionalen Traumata handelt.

Abschliessend – und sicher ganz im Sinne von Tierfreund Irwin– noch dies: Stachelrochen sind keine aggressive Tiere. Ihren mit Widerhaken besetzten Stachel setzen sie vor allem dann ein, wenn sie sich bedroht fühlen – was offenbar der Fall war, als sich Irwin von oben und der Kameramann von vorne dem Tier gleichzeitig näherten. Dass der Stachelrochen «hunderte von Stichen in wenigen Sekunden» abgegeben haben soll, erscheint allerdings etwas übertrieben. Stachelrochen stechen meist nur einmal zu, sagt ein Experte vom Sea Life Aquarium in London auf Anfrage von 20 Minuten. «Gewöhnlicherweise bricht der Stachel dabei ab.»

In den Tagen nach Irwins Tod wurden an der Küste von Queensland mehrere tote und verstümmelte Stachelrochen gefunden. Ihre Stachel waren herausgeschnitten worden. Umweltschützer von Irwins Stiftung Wildlife Warrior gingen davon aus, dass fanatische Irwin-Fans Rache an den Rochen verübt hatten.

Das Interview mit Kameramann Lyons

(Quelle: Yotube/Studio Ten)

(gux)