Verloren in China

26. August 2016 13:04; Akt: 26.08.2016 15:08 Print

Die unerhörte Geschichte vom Läufer und dem Hund

Nur schlechte Nachrichten und die Welt ist böse? Diese Geschichte muntert garantiert auf und stärkt den Glauben ans Gute. Alles beginnt mit einem Wüstenmarathon.

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Dion Leonard nahm im Juni am Gobi March teil, einem 250-Kilometer-Marathon durch die zentralasiatische Wüste. Dabei machte er eine Zufallsbekanntschaft, die sein Leben ziemlich prägen sollte: Eine kleine Strassenhündin begleitete ihn über Tage bei dem anstregenden Rennen (20 Minuten berichtete). «Sie hat einige sehr gute Läufer hinter sich gelassen», sagte Leonard damals über seinen tierischen Laufpartner, «sie hat definitiv ein grosses Herz für so einen kleinen Hund.»


Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Leonard gab der Hündin den Namen Gobi und beschloss, sie nach Schottland mitzunehmen, wo der gebürtige Australier wohnt. Die Geschichte des süssen Paares hatte da schon für Schlagzeilen gesorgt, so dass es für Leonard ein Leichtes war, Geld für die medizinischen Check-ups und die 120-tägige Quarantäne via Crowdfunding zu sammeln. «Alle – von den Teilnehmern über die freiwilligen Helfer bis hin zu den Organisatoren des Rennens – verliebten sich in den kleinen Streuner», so Leonard auf seiner Crowdfunding-Seite.

Verloren in der Millionenstadt

Alles schien nach Plan zu laufen: Gobi sollte bis zum Eintritt in die Quarantäne in Ürümqi, der Hauptstadt des uigurischen autonomen Gebietes Xinjiang, bei einem Freund Leonards bleiben und dann zu Weihnachten nach Schottland fliegen. In diesem Glauben kehrte er heim.

Dann kam alles anders. Gobi entwischte Mitte August durch eine offene Tür und wurde nicht mehr gefunden. «Als ich diese Nachricht erhielt, war das einer meiner schwärzesten Tage», sagt Leonard in britischen Medien. «Ich fuhr nach China, um während einer Woche selbst nach Gobi zu suchen. Hoffnung, sie in der Millionenstadt zu finden, hatte ich kaum. Aber ich wollte es wenigstens versucht haben.»

Falsche Hoffnung

Leonard setzte erneut auf die Breitenwirkung der Medien: Er startete Aufrufe im Internet, in Zeitungen und im lokalen TV, hing überall in der Stadt Plakate auf, sprach zusammen mit Dutzenden freiwilligen Helfern Taxifahrer, Strassenfeger und Essstandbesitzer an, ob die den kleinen Hund gesehen hätten.
Fast 12'000 Franken, zusammengekommen durch Crowdfunding, gab er für die Suche nach der Hündin aus.


Doch Gobi blieb verschwunden. «Ich ging schweren Herzens davon aus, dass ich ohne sie nach Hause zurückkehren müsste», so Leonard. Dann, nur wenige Tage vor seiner Heimreise, rief ein Mann an: Er habe in einem Park einen Hund gesehen, der Gobi sein könnte. Er habe ihn mit zu sich nach Hause genommen, Leonard solle doch vorbeikommen.

«Wir hatten einige Fehlalarme, so dass ich mir wenig Hoffnung machte, dass das wirklich Gobi war. Ich war ziemlich down, hatte mich fast damit abgefunden, sie nie mehr zu sehen.» Er ging trotzdem vorbei. «Ich betrat den Raum, in dem sich gut zehn Personen aufhielten – und da war sie. Sie sah mich sofort und rannte auf mich zu. Sie kletterte fast mein Bein hoch und hüpfte umher. Sie jaulte vor Freude», erzählt Leonard. «Es war wie am Anfang: Liebe auf den ersten Blick!»


«Vielleicht rieche ich ansprechend für sie»

Wieso der kleine Hund einen solchen Narren an ihm gefressen hat, weiss der Australier nicht. «Vielleicht rieche ich einfach ansprechend für sie», sagt er. «Auf jeden Fall erkannte sie mich sofort wieder. Wir waren uns sofort wieder nah, es war genau wie beim Marathon.»

Leonard ist bereits wieder in Schottland. Ohne Gobi, die um die Quarantäne in Peking nicht herumkommt. Doch Leonard hat vor, sie ein oder zweimal zu besuchen, damit sie nicht auf dumme Ideen kommt. Mehr denn je will er mit ihr in Schottland Weihnachten feiern.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eva am 26.08.2016 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So schön

    wow.ja die Hunde suchen sich die Herrchen bzw wie in unserem Fall Frauchen aus.... Eine wunderschöne Geschichte. Ich hoffe sehr, dass Gobi zu Weihnachten in Schottland sein kann.

  • Tristan72 am 26.08.2016 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Geschichte ...

    Danke für die tolle Geschichte, sowas tut gut

  • Nole am 26.08.2016 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gobi

    Schön, da haben sich zwei gefunden! Hoffentlich ist sie weihnachten bei ihm!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau Meier am 28.08.2016 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hund

    Eine wunderbare Geschichte! Ich hoffe, dass die kleine Gobi Weihnachten mit ihrem neuen Herrchen verbringen kann. Auch ich habe einem ehemaligen Strassenstreuner ein Zuhause gegeben und würde es wieder tun.

  • Roland am 27.08.2016 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alert

    Du imfall das ist bei mir und meiner Britta auch so gelaufen imfall. Ich war grad mit dem Händi auf Netzsuche da ist mir die Britta einfach so zugelaufen imfall.

  • ... am 27.08.2016 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saumode

    Die Geschiche selbst ist ja schon herzerwärmend. Aber wieso Crowtfunding? Wie wärs mit selbst bezahlen! Ich lass mir mein neues Auto auch nicht durch Fremde finanzieren. Ich finde das eine Saumode.

    • Ehm...? am 27.08.2016 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @...

      Ist es ein riesiges Problem für Sie nicht mitbestimmen zu können für welche Zwecke andere Menschen ihr EIGENES GELD ausgeben ?? All die Leute haben das freiwillig gemacht, somit ist doch alles in Ordnung...oder etwa nicht !?!

    • DieFeuerlilie am 27.08.2016 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @...

      Wieso Crowdfunding? Vielleicht, weil er schlicht keine 12'000.- hatte, die er einfach so locker hätte hinblättern können? Ginge so manchem in der Schweiz übrigens auch so..

    • ususamamijuhu am 27.08.2016 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @...

      Ich hätte auch gerne dafür Geld ausgegeben...

    einklappen einklappen
  • der kritiker am 27.08.2016 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was für ein held

    ach wie süss. der kleine hind ist dem australier dermassen ans herz gewachsen, dass er die kosten für transport und medizinische checks mit allen teilt, welche dermassen überwältigt von dieses geschichte sind. weshalb finanziert der kerl das ganze nicht selbst? geht seine liebe nicht so weit?

    • reto monte am 27.08.2016 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      Menschen mit Herz

      Weil es auf der Welt noch Menschen mit Herz gibt die gerne für so etwas spenden.

    einklappen einklappen
  • Sam Süffi am 26.08.2016 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merci

    Schöne Story. Gut, wird sie hier gebracht. Das versöhnt ein bisschen mit der Gesellschaft. Denn bei Allem was man sonst liest, ist das ein Lächeln für den heutigen Tag. Danke.