Unter der Lupe

14. Januar 2012 22:21; Akt: 15.01.2012 02:49 Print

Die wunderbare Welt der Wassertropfen

von Philipp Dahm - Faszinierende Bilder fallender Flüssigkeiten haben den Deutschen über die Grenzen bekannt gemacht: Markus Reugels' Steckenpferd ist die Makrofotografie. 20 Minuten Online sprach mit dem Foto-Künstler.

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Seine Bilder sind schon im «Spiegel» abgedruckt worden und auch die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hat schon über seine Arbeit berichtet. Sowohl die britische Zeitung «Daily Mail» war beeindruckt als auch deren Kollegen des «Telegraph». Der Grund heisst Markus Reugels: Der 34-jährige Deutsche erregt mit Fotografien von Wassertropfen und Makroaufnahmen von Blumen und Insekten Aufsehen. Wir sprachen mit dem Amateur-Knipser über sein Weltbild.

20 Minuten Online: Sie sind von Beruf Parkettleger. Was hat Sie zur Fotografie gebracht?
Markus Reugels:
Zur Fotografie kam ich durch die Geburt meines Sohne vor drei Jahren. Ich wollte eigentlich nur eine gute Kamera haben, mit der ich schöne Aufnahmen fürs Familienalbum machen kann. Da war für mich eine DSLR [Spiegelreflexkamera mit digitalem Sensor] die erste Wahl.

Bilder von Kindern sind das eine. Was hat Ihren Fokus auf Makrofotografie gerichtet?
Nach einigen Experimenten wurde mir schnell bewusst, dass man mit der Fotografie kleine, unscheinbare Dinge gross in Szene setzen kann. Das hat mich so sehr beeindruckt das ich mich damit immer tiefer befasst habe. Wenn man erst mal mit einer Kamera mit Objektiv in Retrostellung Moos oder Insekten ablichtet, wird einem schnell klar, dass man so die Dinge mit anderen Augen betrachten kann.

Wann haben Sie die Tropfen als Motiv entdeckt?
Ich habe vor nicht ganz zwei Jahren mit der Tropfen-Fotografie angefangen. Was zuerst eine Spielerei war, hat sich immer mehr zu einer Leidenschaft entwickelt: Es ist einfach immer wieder faszinierend, was man mit simplen Wassertropfen alles anstellen kann. Zum einen ist die kreative Farbwahl und Bildgestaltung ein wichtiger Aspekt. Zum anderen reizt es mich, so auszudrücken. was Wasser heute zu bieten hat. Man bekommt nie die gleichen Bilder, auch wenn die Bedingungen fast identisch sind. Es ist immer ein Parameter anders. Sei es die Viskosität vom Wasser, die Raumtemperatur oder einfach die Fallhöhe.

Was gab den Ausschlag fürs Wasser?
Auf die Wassertropfen bin ich eher zufällig beim Stöbern in einem grossen Forum gestossen. Die Bilder fand ich so schön, dass ich das auch mal versuchen musste. Einfache Bilder mit Tropfen sind schnell gemacht, aber es hat schon etwas länger gedauert, die Königsdisziplin TaT zu meistern. TaT bedeutet «Tropfen auf Tropfen». Angefangen habe ich mit ganz simplen Mitteln, mit Infusionsset aus der Apotheke und einer zweckentfremdete Auflaufform meiner Frau. Damit konnte ich schon gute Ergebnisse erzielen. Nach einer Zeit will man die Trefferquote erhöhen und mehr Einfluss auf das Geschehen nehmen, aber das ist nur möglich mit einer Lichtschranke oder einer Steuerung der Auslösers über einen Mikroprozessor.

Liegt Makrofotgrafie im Trend?
Tatsache ist, dass diese Art der Fotografie sehr oft auf die Technik beschränkt wird. Ich kenne einige, die genauso, wenn nicht besser ausgerüstet sind als ich, aber die Ergebnisse lassen zu Wünschen übrig. Die Technik ist aber nur der Schlüssel, um die richtigen Bilder einzufangen.

Welche Technik setzen Sie beim Fotografieren ein?
Ich benutzte als Objektive ausschliesslich alte Minolta-Gläser. Sie sind günstiger als vergleichbare Neuprodukte, aber nicht schlechter. Selbst beim Blitz benutzte ich nur die alten «Vivitar 285». Sie sind sehr günstig, robust und zuverlässig. Warum soll ich viel Geld ausgeben, wenn ich mit der alten Technik mehr als zufrieden bin? Bestes Beispiel sind die alten m42-Objektive. Davon habe ich noch einige Perlen in meiner Objektiv-Sammlung. Sie sind ein Ausgleich zu meiner doch sehr techniklastigen Fotografie, wenn ich Blumen oder Insekten ablichte. Das ist noch Fotografie, wie sie sein soll.

Welches Motiv wollen Sie in ihrem Leben am liebsten noch vor die Linse bekommen?
Schwere Frage. An Tropfen habe ich so ziemlich alles schon im Kasten, was ich mir vorgenommen habe. Im Hinterkopf schwirrt der Gedanke an Portraitfotografie, aber ob ich das umsetzten werde, weiss ich nicht. Mal sehen was die Zukunft bringt. Für mich ist der Spass am Fotografieren das Wichtigste. Deshalb setze ich mir keine grossen Ziele. Ich mache das, was mir Spass macht.