Gemobbt wegen Haarwuchs

22. Februar 2018 12:16; Akt: 22.02.2018 12:16 Print

Darum hat Leah aufgehört, sich zu rasieren

Ihr Leben lang wurde Leah Jorgensen wegen ihres Aussehens schikaniert. Ein Autounfall änderte dann aber plötzlich ihre Sicht auf die Dinge.

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Dicke, dunkle Haare auf Gesicht und Körper: Ein häufiges Symptom des polyzystischen Ovarialsyndroms, einer hormonalen Erkrankung, ist das schnelle Wachstum von Haaren. Betroffene Frauen greifen deshalb täglich zum Rasierer oder zu Wachsstreifen – das braucht viel Zeit und kann auch schmerzhaft sein.

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Davon kann die Amerikanerin Leah Jorgensen ein Lied singen. Sie leidet an der Krankheit und wurde seit ihrem 14. Lebensjahr wegen ihres Aussehens schikaniert. Um ihre Behaarung zu verdecken, trug sie stets hochgeschlossene Pullover und verbrachte endlos viel Zeit damit, Kinn, Wangen, Oberlippe, Brust, Bauch, Arme, Beine und Rücken von Haaren zu befreien.

Nun hat sich die 33-Jährige jedoch dazu entschieden, ihre Körperbehaarung offen zur Schau zu stellen und verbreitet Fotos ihres Körpers auf Instagram. «Happyhairy», glücklich behaart, nennt sie den Account. Mit den Aufnahmen will sie andere Frauen daran erinnern, dass sie mit der Krankheit nicht allein sind.

Problem liegt nicht bei ihr

«In der Junior High School bemerkte ein Klassenkamerad die Haare auf meinem Gesicht. Fortan wurde ich ständig von einer Gruppe von Mädchen gehänselt. Ich schämte mich, war ängstlich und fühlte mich nicht mehr als Frau.» Im heissen Sommer trug sie jeweils Kapuzenpullis und schwitzte extrem.

«Als mich die Leute auf meine warmen Klamotten ansprachen, sagte ich nur, dass sie mich in Ruhe lassen sollen», sagt Jorgensen. Im Laufe der Zeit ging es der jungen Frau psychisch immer schlechter: «Ich glaubte, dass ich meine Freunde verlieren und meine Familie mich verleugnen würde. Einen Job oder einen Freund zu finden, hielt ich für unmöglich. Ich dachte, dass ich ein einsames Leben führen müsse.»

Unfall veränderte alles

Jorgensens Sichtweise änderte sich, als sie 2015 von einem Auto angefahren wurde. Damit sie operiert werden konnte, mussten die Sanitäter sie von ihrer Kleidung befreien. Zu ihrer Überraschung machten sich die Ärzte nichts aus ihrem Aussehen. «In diesem Moment dachte ich: Genug ist genug. Schluss mit dem Versteckspiel. Ich rasiere mich nicht mehr.»

Plötzlich war ihre Scham weg. Mittlerweile trägt Jorgensen tief ausgeschnittene, ärmellose Oberteile und Röcke, die viel Bein zeigen. Ihr Gesicht rasiert sie noch immer, weil sie es rasiert schöner findet. «Das Problem waren nicht die Haare, sondern das Urteil der Menschen», weiss sie jetzt.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Liseli am 22.02.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bewundernswert!

    Ich bewundere diese Frau! Ich bin eher eitel und ich wüsste nicht, was ich in dieser Situation machen würde..würde mich wahrscheinlich auch verstecken! Aber ich finde es toll, dass sie mittlerweile so zu sich stehen kann! Wünsche ihr alles Gute.

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  • Sandra Mae am 22.02.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Merci

    Danke fuer diesen Artikel. Ich habe ebenfalls POS und dies hat mir neuen Mut gegeben.

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  • Sonja am 22.02.2018 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lichtepilieren?

    Ich weisd nicht was ich davon halten sollte....Arme Frau...ich habe mich jetzt zum 10. mal Lichtepiliert, die Haare sind 70% an den Beinen weg. Vielleicht wär das noch was?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 22.02.2018 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mut

    Schön, wenn Menschen sich nicht für ihr Aussehen schämen müssen. Vielfalt bereichert, Modeltypen sind manchmal doch gar langweilig.

  • d0me. am 22.02.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich als mann,

    würde die haare an mir selbst sogar zu gewissen teilen entfernen lassen. steh selber nicht so auf behaarte rücken. :/

  • James am 22.02.2018 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt 

    Sie hat keine Angst davor, alleine alt zu werden.

  • Sandy am 22.02.2018 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Operation?

    Ovaries=Eierstöcke. Könnte man denn nicht mit der Entfernung der Eierstöcke diese Krankheit bekämpfen? Für die Betroffenen muss das wirklich sehr schlimm und zermürbend sein. Wäre mein Kinderwunsch abgeschlossen und die Aussicht auf Heilung, durch die Entfernung der Eierstöcke garantiert, würde ich mich operieren lassen.

  • Beat Hofer am 22.02.2018 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja..

    .. Freut mich für sie das sie zufrieden ist. Ich persönlich finds gruusig aber wenn sie gewissen menschen damit mut macht, okay. Ich muss es mir ja nicht reinziehen.