Missglückter Trick

17. Oktober 2017 08:48; Akt: 17.10.2017 10:11 Print

Durchfall-Betrüger fliegen auf – Haftstrafe

Ein britisches Paar täuscht eine Lebensmittelvergiftung vor, um sich Gratis-Ferien auf Mallorca zu sichern. Dumm nur, dass die beiden auf Facebook vom Aufenthalt schwärmen.

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Deborah Briton aus der Ortschaft Wallasey nahe Liverpool und ihr Partner Paul Roberts hatten versucht, mit einer dreisten Betrugsmasche den Reisekonzern Thomas Cook Group abzuzocken. Fast hätte es geklappt, hätte die Frau nicht auf Facebook von ihren «fantastischen Ferien» in Spanien geschwärmt.

Die 53-jährige Briton und der 43-jährige Roberts hatten nach ihren Ferien in den Jahren 2015 und 2016 behauptet, sie hätten sich beim Essen im Hotel auf Mallorca eine Lebensmittelvergiftung eingefangen. Zurück in der Heimat machten sie den Reiseveranstalter für die Erkrankung haftbar. Laut Vertrag hätten die Touristen Anspruch auf die Rückerstattung der gesamten Reise gehabt. Insgesamt forderten Briton und Roberts umgerechnet 26’000 Franken.

Auf Facebook sahen die Ferien ganz anders aus

Wie «The Telegraph» berichtet, erzählten die Facebook-Posts der Frau eine ganz andere Geschichte: «Zurück zu Hause nach zwei Wochen Sonne, Gelächter, Spass und Tränen. Wir trafen entzückende Urlaubsfreunde, die aus unseren Ferien ein fantastisches Erlebnis machten», schrieb Briton im Juni 2015.

Im Juli 2016 war ihre Begeisterung für die Baleareninsel noch grösser: «Das waren meine schönsten Ferien bis jetzt. Danke an meine Familie für diese Urlaubserinnerungen.» Die Einträge wurden von privaten Ermittlern entdeckt, die die Anwälte des Reiseunternehmens engagiert hatten. Vergangenen Freitag wurden Briton und ihr Partner von einem britischen Gericht wegen Betrugs verurteilt. Die Frau muss neun Monaten ins Gefängnis, Roberts 15 Monate.

Beschwerdenzahlen sind «explodiert»

Die beiden sind die ersten Ferien-Betrüger, die zu Haftstrafen verurteilt wurden. Seit 2012 seien die Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen unter den Briten nach einem Spanien-Aufenthalt «explodiert», sagte Richter David Aubrey vor Gericht. Die Beschwerden seien jedoch «pure Mogelei».

Laut der deutschen Nachrichteagentur dpa haben vor allem britische Reisende mit der Durchfall-Masche auf der Baleareninsel mindestens 57 Millionen Franken herausgeschlagen. Spanienweit waren es vermutlich sogar rund 69 Millionen Franken.

Fall soll Abschreckungseffekt haben

Paul Roberts gab vor Gericht an, vom Trick «bei einem Gespräch im Pub» erfahren zu haben. «Dummerweise hat er geglaubt, was andere ihm erzählten, nämlich dass er nicht auffliegen würde», sagte sein Anwalt vor Gericht.

Die Verurteilung des Paars soll nun als Präzedenzfall dienen und andere Briten davon abschrecken, mit dem Trick weiterhin Hoteliers und Reiseveranstalter zu betrügen zu versuchen, schreibt die spanische Zeitung «El Mundo». Seit sich der Fall der beiden Reisenden herumgesprochen hat, wurde offenbar ein Viertel aller Anzeigen zurückgenommen.

(kle)