Aus dem Meer

12. November 2012 15:53; Akt: 12.11.2012 15:58 Print

Ein Fischer lieferte der Mafia den Sprengstoff

Lange war unklar, woher die Mafia das Material für die Bombenanschläge der 90er-Jahre hatte. Nun wurde ein Fischer verhaftet, der den Sprengstoff aus Weltkriegsbomben vom Meeresgrund besorgt haben soll.

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Der gepanzerte Wagen von Giovanni Falcone nach der verheerenden Explosion. Die Sprengladung befand sich in 13 Fässern ihn einem Kanalisationsrohr. Sie wurde per Fernbedienung ausgelöst, als Falcones Konvoi über das Rohr fuhr. Der vorderste der drei Wagen wurde 60 Meter weit in einen Olivenhain katapultiert, dem zweiten wurde der Motor herausgerissen, ehe er in den Explosionskrater fiel, und auch der dritte erlitt Totalschaden. Falcone, seine Frau und drei der sieben Leibwächter starben bei dem Anschlag. Sein Ende hat der oberste Mafia-Jäger vorausgesehen: «Ich weiss, dass meine Schuld gegenüber der Cosa Nostra nur mit dem Tod abgegolten werden kann. Wenn sie mich töten, dann in Palermo», sagte er einmal. Es erstaunt nicht, dass die «Cosa Nostra» Falcone nach dem Leben trachtete: Dank seiner Erkenntnisse als Untersuchungsrichter konnte die Justiz von Palermo im Februar 1986 Anklage gegen 475 mutmassliche Mafiosi erheben. 344 von ihnen wurden im grössten Mafia-Prozess der Geschichte Ende 1987 zu insgesamt 2665 Jahren Haft verurteilt. Damit hatte Falcone (Bild) sein Todesurteil unterschrieben. Die Rache der Mafia traf aber nicht nur Falcone, sondern auch dessen Kollegen Paolo Borsellino: Knapp zwei Monate nach dem Mord an Falcone fiel er in Palermo einem Bombenattentat zum Opfer. Borsellinos Witwe war strikt gegen ein Staatsbegräbnis für ihren Mann, da er ihres Erachtens von der Politik zu wenig beschützt worden war. Die wenigen Politiker, die es wagten, sich an der Trauerfeier zu zeigen, mussten sich heftige Beschimpfungen anhören. Im September 1997 wurden 24 Mafiosi wegen ihrer Beteiligung an der Ermordung Falcones zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Richter Carmelo Zuccaro verliest das Urteil. 1993 war der «Boss der Bosse», Salvatore «Totò» Riina, den Ermittlern ins Netz gegangen. Riina war der Anführer des dominierenden Clans der Corleonesi und oberste Mafia-Pate. 1996 wurde schliesslich auch Giovanni Brusca gefasst, der beim Attentat auf Falcone den Knopf der Fernbedienung gedrückt hatte. Er brüstete sich gerne damit, mehr als 100 Menschen eigenhändig umgebracht zu haben. Brusca wurde 1999 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Attentat auf den Mafia-Jäger.

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Die Polizei in Italien hat einen sizilianischen Fischer unter dem Verdacht verhaftet, der Mafia mehr als eine Tonne Sprengstoff für eine Anschlagsserie beschafft zu haben. Er habe den Sprengstoff für die Cosa Nostra aus Weltkriegstrümmern im Mittelmeer geborgen, sagen die Staatsanwälte.

Damit seien in den Jahren von 1992 bis 1994 viele tödliche Anschläge in Rom, Florenz, Mailand und Capaci bei Palermo verübt worden, sagte Staatsanwalt Giuseppe Quattrocchi am Montag in Florenz. Etwa 1300 Kilogramm Sprengstoff seien dabei verwendet worden.

Immer wieder Bombenattentate der Mafia

Mafia-Bomben töteten 1993 in Florenz und in Mailand jeweils fünf Menschen. In Capaci starb 1992 der bekannte Anti-Mafia-Staatsanwalt Giovanni Falcone zusammen mit seiner Frau und drei Polizisten, nachdem eine Autobombe explodiert war.

In Rom wurden sieben Menschen bei einem Attentat verletzt, das einem TV-Moderator galt. Zu der Bombenserie der Mafia gehörten auch Anschläge auf zwei Kirchen und bei einem Fussballspiel.

Verhandelte Rom mit der Mafia?

Palermos Staatsanwälte vermuten, die Cosa Nostra habe mit der Anschlagsserie Druck auf die Regierung in Rom ausüben wollen, ein Gesetz mit schärferen Haftbedingungen für verurteilte Mafia-Bosse abzuschaffen. Das Gesetz blieb zwar, doch wurden Hunderten von Mafiosi 1993 die Haft erleichtert.

Ein Richter prüft gegenwärtig, ob es damals Verhandlungen zwischen dem Staat und der Mafia gegeben hat. Darin verwickelt sein könnte nach Medienberichten Marcello Dell'Utri, ein enger Vertrauter des späteren Regierungschefs Silvio Berlusconi.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 12.11.2012 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Der Beweis!

    Die Cosa Nostra funktioniert ! Keiner hat ausgesagt ! Wie sollte ein einfacher Fischer eine Bombe entschärfen? oder gar auseinanderbauen und in die Einzelteile zerlegen? da glaube ich kein wort und muss resigniert eingestehen, dass der informationsstopp der Mafia immernoch funktioniert.

  • Stefan Ypsilon am 12.11.2012 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Blubb

    tja, wenn es in der CH so weiter geht wird das wohl dann so 2023 auch unseren Politikern so gehen...

  • Ma Fia am 12.11.2012 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Komisch, und schon wieder taucht der Name Berlusconi auf....................