Japan

21. November 2016 22:19; Akt: 22.11.2016 10:40 Print

Erdbeben löst bei Fukushima Tsunami aus

Im Nordosten Japans bebte die Erde mit einer Stärke von 6,9. Sechs Menschen wurden verletzt. Die Kühlung im Reaktor drei des AKW Fukushima fiel vorübergehend aus.

Erdbeben der Stärke 6,9: Die Tsunami-Wellen vor Japan brachten kleinere Boote zum Kentern. Video: Tamedia/Reuters/Storyful.
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Knapp sieben Stunden nach dem schweren Erdbeben hat die japanische Zivilschutzbehörde die Tsunami-Warnung für die Ostküste wieder aufgehoben. Die Gefahr durch Flutwellen infolge der Erdstösse bestehe nicht mehr, erklärte die Behörde am Dienstag.

Das Beben hatte zuvor einen leichten Tsunami ausgelöst: An der Küste beim Katastrophenreaktor Fukushima erreichten die Wellen rund einen Meter Höhe, an anderen Küstenabschnitten waren sie rund 1,40 Meter hoch. Grössere Schäden wurden zunächst nicht bekannt.

Angst vor einem neuen Fukushima

In einer ersten Warnung war von der Gefahr durch drei Meter hohen Flutwellen die Rede gewesen. Die Bewohner der betroffenen Küstenabschnitte wurden aufgefordert, in höher gelegene Regionen zu fliehen. Das Epizentrum des Bebens lag unter dem Meeresboden vor Fukushima.

Erdbeben in Japan

Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe am 11. März 2011, die 18'500 Menschen das Leben kostete, war die folgenschwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück in Tschernobyl 1986.

Tsunami-Warnung

Nach Behördenangaben wurden sechs Menschen leicht verletzt, fünf von ihnen in der Präfektur Fukushima. Das neuerliche Erdbeben in Nordost-Japan hatte eine Stärke von 6,9, das Epizentrum lag unter dem Meeresboden vor Fukushima. Nach den starken Erdstössen gaben die Behörden für die Pazifikküste eine Tsunami-Warnung heraus: Es sei eine bis zu drei Meter hohe Flutwelle zu erwarten.

Das Video zeigt den Moment des Bebens in einem Bahnhof in der Provinz Fukushima. (Video: Youtube/Breaking)

Weitere Nachbeben möglich

Nach Angaben der nationalen Wetterbehörde handelte es sich diesmal um ein Nachbeben der Erschütterung von 2011. Die Behörde warnte, dass es in den sieben nächsten Tagen zu einem weiteren Nachbeben von ähnlicher Intensität kommen könne.

Die zwischenzeitlich ausgefallene Kühlung in einem Abklingbecken des Atomkraftwerks Fukushima läuft unterdessen wieder. In der Atomruine selbst habe es keine weiteren Schäden in Folge des Bebens gegeben, hiess es. Auch in dem Atomkraftwerk Onagawa in der Nachbarprovinz Miyagi seien keine Unregelmässigkeiten festgestellt worden, hiess es.

Keine Panik ausgebrochen

Viele Menschen folgten der Aufforderung und suchten Schutz in Schulen und anderen Notunterkünften. Man habe aus der Katastrophe von 2011 gelernt, hiess es in Medienberichten. Panik brach auch diesmal nicht aus. Der Bahn- und Flugverkehr wurde vorübergehend beeinträchtigt. Dutzende Schulen blieben sicherheitshalber geschlossen. Es gab Berichte, wonach einzelne kleinere Boote gekentert sein sollen. Die Zentralregierung in Tokio richtete einen Krisenstab ein.

Das Verteidigungsministerium schickte Flugzeuge und Helikopter in die Region, um nach Schäden Ausschau zu halten. In einer Petroleum-Anlage in Fukushima brach laut Medien ein Feuer aus, das aber schnell gelöscht werden konnte. Ob es durch das Beben ausgelöst wurde, sei unklar. Verletzte habe es nicht gegeben, hiess es.

Die Bevölkerung wurde per Sirene vor dem Tsunami gewarnt:

Kabinettsminister Yoshihide Suga bestätigte die Angaben des AKW-Betreibers: «Es gab keine grösseren Schäden an den Reaktoren Fukushima Daiichi oder Onagawa», sagte er in Tokio. Ministerpräsident Shinzo Abe wies die Behörden während eines Besuchs in Argentinien an, die Schäden zu begutachten und umgehend die nötige Hilfe zu leisten.

Feuer in einer Raffinerie

Einem Bericht der Agentur Kyodo zufolge brach nach dem Beben in der südlich von Fukushima gelegenen Stadt Iwaki ein Feuer in einer Raffinerie aus, das aber schnell wieder gelöscht wurde. Ein Sprecher der Stadtverwaltung, Nobuyuki Midorikawa, sagte: «Es war ein ziemlich starkes Beben, aber wir haben keine Berichte über Opfer erhalten.»

Die Erdstösse waren bis in die Hauptstadt Tokio zu spüren. Die Verbindungen des Schnellzugs Shinkansen wurden vorübergehend eingestellt, auch der Flughafen Sendai bei Fukushima stellte den Betrieb ein.

2011 starben 18'500 Menschen

Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe am 11. März 2011, bei der 18'500 Menschen starben, hatte im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi einen schweren Störfall ausgelöst. Das Kühlsystem fiel aus, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Die Umgebung wurde radioaktiv verseucht. Es war die folgenschwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück in Tschernobyl 1986.

Der Tsunami-Forscher James Goff von der australischen University of New South Wales sagte, er gehe nicht davon aus, dass die Flutwellen nach dem neuerlichen Beben die Höhe der Tsunamiwellen des Jahres 2011 erreichten. Allerdings sei auch bei schwächeren Beben Vorsicht angebracht, weil auch diese unterseeische Erdrutsche auslösen könnten, die wiederum zur Bildung von Tsunamis führen. «Selbst Tsunamis von nur 90 Zentimeter Höhe können sehr schädlich sein», sagte der Professor.

Japan erlebt in der Regel mehrere schwerere Erdbeben pro Jahr. Unter dem Inselstaat laufen vier Erdplatten zusammen, deren Reibung die Beben verursachen kann.

(kko/chk/sda/ap/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.kane am 21.11.2016 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nich

    Nein bitte nicht schon wieder :( Hoffentlich können sich alle in Sicherheit bringen

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  • xy am 21.11.2016 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vor wenigen wochen dort

    Vor wenigen Wochen war ich selbst noch dort und erlebte ein ebenso starkes Beben. Auch wenn so etwas nie zur Normalität werden soll, die ruhige und solidarische Reaktion der Japaner hatt mich damals sehr beeindruckt. Ich wünsche meinen japanischen Bekannten viel Stärke. Lasst uns hoffen, dass dieses mal niemand zu schaden kommt.

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  • Miki am 21.11.2016 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wünsche allen viel Glück.

    Wünsche allen Menschen viel Glück. So etwas will niemand erleben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sony am 22.11.2016 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschüttel...

    Ja nun jammern gleich alle in der Schweiz wieder rum, vorallem die Grünen, dass sowas in der Schweiz, wegen unseren AKW's, auch passieren kann. Das Problem in Japan war ja nicht das Erdbeben, sondern der Tsunami. Also diesen Tsunami in der Schweiz möchte ich dann aber auch sehen...

    • Brei Bleiben am 22.11.2016 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sony

      Die Zunami kannst du sehen, wenn ein Erdbeben die Wohlensee Staumauer zerstört und das flussabwärts gelegene AKW Mühleberg flutet.

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  • Dani am 22.11.2016 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lückenbüsser

    NEIN zur bevorstehenden Initiative, JA zur Förderung von Alternativen. Es gibt leider noch keine vernünftige, akzeptable Alternative zu den AKWs, welche eine Abschaltung zur Zeit verantworten könnte. Unsere AKWs gehören zu den sichersten der Welt. Tausende von Arbeitsplätzen, der Wirtschaftsstandort Schweiz und unser Wohlstand stehen auf dem Spiel. Jetzt in halbfertige und teure Lückenbüßer zu investieren währe fatal. Die Chancen stehen gut, dass in den nächsten 10 Jahren gute Lösungen gefunden werden können.

    • Sunnyboy am 22.11.2016 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Arbeiten Sie in der Stromlobby! Schon seit Jahren könnte man mit Sonnenkollektoren aufcjedem Industrieflachdach genügend Strom produzieren. Damit könnten auch die Pumpspeicherwerke betrieben werden um in den Spitzen Wasserkraft zu optimieren. Aber man will nicht. Die Stromkonzerne würden die Gewinnung und damit den grossen Gewinntreiber verlierrne

    • AKW Arbeitsplatzvernichter am 22.11.2016 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Die Schweiz soll weitere Miliarden in Strahlenmüll investieren, anstatt den Zug zu Neuen Technologien zu nehmen? Genau hier gehen hier können Jobs geschaffen werden, jetzt. Verpassen wir diesen gehen Arbeitsplätze verloren.

    • Brei Bleiben am 22.11.2016 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Die Initiative fordert, die AKWs nach 45 Jahren abzuschalten. Es würden also nicht alle gleichzeitig vom Netz gehen, ein geordneter Übergang zu Alternativen ist machbar. Ausserdem sind momentan mehr AKWs weg vom Netz, als in den ersten Jahren nach Annahme der Initiative.

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  • Sandra am 22.11.2016 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Böse Worte

    Die Menschheit ist schwach, voll von unglaublicher Brutalität und Gier. Was aber aus meiner Sicht am schlimmsten ist, wäre die absolute Gleichgültigkeit gegenüber unserem zu Hause. Dem Planeten Erde, dies wird unser Untergang sein. Ich verstehe es überhaupt nicht, denn würden wir uns wirklich um uns selber kümmern wollen, dann müssten wir doch verstehen das es uns nur gut gehen kann, wenn wir für den Planeten sorgen, er sorgt ja auch für uns?

    • Mary J. am 22.11.2016 14:52 Report Diesen Beitrag melden

      Passt

      Nicht böse Worte sondern treffende Worte! Bravo!

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  • Devolo am 22.11.2016 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seichtes Wasser

    Wer kam auf der Idee, das bisschen seichte Wasser, was dort in dem Kanal einläuft, Tsunami zu nennen? Und was heisst, das Beben war bis in Tokyo zu spüren? Das Erdbeben, falls es das wirklich gegeben hat, war in Tokyo!

  • Arollax am 22.11.2016 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen!

    Abschalten, sobald möglich! Ja stimmen! Gefährdet nicht unseren Lebensraum, unsere Kinder, unsere Zukunft! Wenn es passiert, ist es die ultimative Apokalypse, Tschernobyl mitten in der Schweiz. Und sagt nicht, es ist alles sicher. Das haben alle, denen es je passiert ist auch geglaubt. In Lucens rottet in einem Tunnel im Berg immer noch der Schweizer Supergau von 1969. Wird bis heute schön drüber geschwiegen. Kernspaltung ist letztlich nicht beherrschbar! Es geht nur um Geld in den Taschen der Nuklearlobby. Atomstrom ist bei Vollrechnung der mit Abstand teuerste. Die Allgemeinheit haftet.

    • Dürrenmatter Johnny am 22.11.2016 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Super Zusammenfassung des Wichtigsten

      Ich verstehe ehrlich gesagt überhaupt nicht warum so viele Daumen unten geben. Man sollte meinen, das wir alle dieselbe Zukunft auf diesem Planeten haben. Solange die Menschheit so denkt wird Sie vermutlich Ihre Erfahrungen machen müssen. Es tut mir sehr leid für Mutter Erde. Aber tröstend ist, ich weiss Sie wird sich regenerieren. Wir haben einfach die Möglichkeit das mit Ihr zu erleben oder halt eben nicht. Unsere persönliche Wahl.

    • Martin. am 22.11.2016 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      Falschinformationen

      beleben die KKW-Debatte. Leider, leider werden wir an der Nase herumgeführt und uns wird weis gemacht, dass es ohne KKWs nicht geht oder nur mit schmutziger Kohelkraft. Der Grund liegt auf der Hand: Geld & Lobbyismus. Der klare Verstand spricht Arollax's Sprache! Nichts, aber auch gar nichts, kann den GAU aufwerten.

    • Waterpolo1s am 22.11.2016 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dürrenmatter Johnny

      Ich bin auch über die Dislikes erstaunt und verärgert ..!!!! Wenn etwas passiert, sind dann die Dislikers die ersten Motzer/Schreier ....

    • Waterpolo1s am 22.11.2016 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin.

      Es geht . nur muss eben gehandelt und entschieden werde. . aber mit unserer Mehrparteien-Regierung fast nicht möglich . leider :-)) Manchmal und immer öfter frage ich mich, ob alle Politiker das Wohl der Schweiz im Fokuss haben, oder nur Prestige, Macht und Money :-((

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