Absturzserie

16. August 2008 17:30; Akt: 16.08.2008 20:03 Print

Erneut Segelflieger tödlich verunglückt

Beim Piloten, der auf ein Wohn- und Industriequartier in Buttwil AG abstürzte, handelt es sich wieder um einen älteren Mann. Seit Ende April ist dies bereits der siebte Segelflieger, der ums Leben gekommen ist.

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(Bilder: Markus Heinzer)


Die genaue Ursache des Unfalls ist laut der Aargauer Kantonspolizei noch unklar. Das Büro für Flugunfalluntersuchungen ist eingeschaltet. Erste Abklärungen ergaben, dass der 65-jährige Pilot gegen 13.45 Uhr vom Flugplatz des bei Muri AG gelegenen Dorfes Buttwil aus gestartet war.

Auf einer Höhe von 1300 Metern wurde das Flugzeug ausgeklinkt. Schon kurz danach geriet der 65-Jährige jedoch in Schwierigkeiten: Schon um 14.05 Uhr wurde der Kantonspolizei gemeldet, dass das Flugzeug abgestürzt sei.

Das Flugzeug kam ins Trudeln und stürzte über einem Wohn- und Industriequartier Buttwils ab. Bevor das Segelflugzeug ins Dach einer Schreinerei prallte, streifte es das daneben stehende Wohnhaus. Ausser dem Pilot wurde niemand verletzt.

Erfahrener Pilot

Der 65-Jährige ist Mitglied der Segelfluggruppe Zürich und ein erfahrener Pilot. Er habe ein deutsches Flugbrevet besessen, als er sich um die Aufnahme beworben habe, sagte Max Wyss, Präsident der Segelfluggruppe Zürich, gegenüber der Tagesschau des Schweizer Fernsehens.

Bevor er aufgenommen worden sei, habe der 65-Jährige Kontrollflüge absolvieren müssen. Dies sei bei ausländischen Brevets üblich. Die Kontrollflüge habe der Mann einwandfrei absolviert, worauf er aufgenommen worden sei.

Zumeist ältere Piloten

Es ist dies bereits der neunte Segelflugunfall in der Schweiz seit Ende April. Sieben der verunglückten Piloten kamen dabei ums Leben.

In die Unfälle involviert waren zumeist ältere Piloten. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) beschloss deshalb erst am vergangenen Mittwoch eine Reihe von Massnahmen.

Ab 60 regelmässig zum Arzt

Zum einen müssen sich ab 2009 Segelflugpiloten im Alter ab 60 Jahren alle zwei Jahre der gleichen medizinischen Routine- Untersuchung unterziehen wie die Piloten von Motorflugzeugen. Andernfalls wird ihre Lizenz nicht erneuert.

Diese Regelung ist milder als die bereits heute geltenden Vorschriften für Motorflugpiloten: Diese müssen sich ab 40 Jahren alle zwei Jahre medizinisch untersuchen zu lassen. Ab 50 Jahren müssen sie dies sogar jährlich tun.

Ebenfalls in Analogie zu den Motorfliegern sind Segelflugpiloten künftig verpflichtet, medizinische Vorfälle, die sich auf ihre fliegerischen Fähigkeiten auswirken könnten, dem BAZL zu melden.

Alle zwei Jahre Prüfungsflug

Darüber hinaus müssen Segelflugpiloten ab 60 Jahren längstens zwölf Monate vor der alle zwei Jahre fälligen Erneuerung ihrer Fluglizenz einen Überprüfungsflug mit einem Fluglehrer durchführen.

Ebenfalls ab 2009 sollen zudem neue Richtlinien für die Ausbildung von Piloten im Gebirgsflug und für die Teilnahme an Segelfluglagern gelten. Bereits diesen Herbst führt das BAZL erstmals einen praktischen Wiederholungskurs für Segelfluglehrer durch.

Strengere Vergabe der Lizenz denkbar

Das BAZL prüft zudem eine Reihe weiterer Massnahmen: Zur Debatte stehen einerseits strengere Vorschriften für die Verlängerung der Segelfluglizenz.

Heute müssen Segelflieger 12 Flugstunden und 12 Landungen innert zweier Jahre vorweisen. Mindestens die Hälfte davon müssen im Jahr zuvor absolviert worden sein. Dabei können sich Segelflieger maximal 6 Motorflüge anrechnen lassen. Besondere Vorgaben für Segelflug-Wettbewerbe und regelmässige Sicherheitsaudits für Segelfluggruppen prüft das BAZL ebenfalls.

(sda)