Revolutionär

17. November 2009 12:49; Akt: 17.11.2009 13:28 Print

Erstes Nacktbild in einem muslimischen Magazin

Das hat es noch nie gegeben: Eine komplett nackte Frau auf dem Cover eines Magazins im islamischen Marokko. Die bekannte Moderatorin Nadia Larguet liess sich mit Babybauch ablichten und brach damit ein Tabu.

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Die im achten Monat schwangere Nadia Larguet wagte das Unvorstellbare: Bekleidet einzig mit einem Ring, liess sich die Moderatorin einer Kindersendung für die November-Ausgabe von «Femmes du Maroc» abbilden. Es ist das erste Bild einer nackten Frau, das in diesem islamischen Land auf der Titelseite eines Magazins veröffentlicht wird. Die Pose erinnert dabei stark an das Bild, das 1991 die hochschwangere US-Schauspielerin Demi Moore auf der Titelseite der «Vanity Fair» zeigte.

Die Reaktionen im konservativen Marokko liessen nicht lange auf sich warten. In den meisten Medien wurden Larguet und der Redaktion des Magazins Verherrlichung der Pornographie unterstellt. Das Bild sei eine Herausforderung für die Moral der marokkanischen Gesellschaft, schrieben einige. Andere behaupteten, es handle sich um eine sexistische Ausbeutung der Frau. Die konservativsten unter den Kritikern sahen sogar eine gefährliche Verstärkung der Frauenrolle.

Zurückschiessen - und klarstellen

Die Moderatorin konterte die Anfeindungen in einem Interview: Sie wolle in ihrem Land «einen Hauch von Freiheit und Modernität» einführen. Dazu müsse man die Figur der Frau als ein weiteres Mitglied der Gesellschaft hervorheben. Und sie stellte – um die Gemüter etwas zu beruhigen – klar, dass die Aufnahmen nur in einem intimen Rahmen stattgefunden hatten: Die Fotografin, ihre Stylistin und die Journalistin Myriam Jebbor seien die einzigen gewesen, die sie nackt gesehen hätten.

Für die Verantwortlichen von «Femmes du Maroc» weisen die Bilder über Themen wie Nacktheit oder Schwangerschaft hinaus. Man habe damit auf andere Probleme aufmerksam machen wollen, wie zum Beispiel die wachsende Anzahl unehelicher Kinder und Abtreibungen. Gleichzeitig sei es darum gegangen, die Kraft der Frau in den Mittelpunkt zu setzen.

«Femmes du Maroc», eine der wenigen marokkanischen Zeitschriften, die in französischer Sprache herausgegeben werden, verkauft sich 15 000 Mal im Monat. Ihr arabisches Pendant «Nissaa Min al-Maghrib» 40 000 Mal. Beide Publikationen stammen aus dem gleichen Verlag, Caracteres, der sich den Kampf für die Rechte der Frau auf die Fahne geschrieben hat. Caracteres hat bereits Unterschriftensammlungen organisiert, die sogar über die Grenzen des eigenen Landes hinausgingen.

(kle)