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03. Januar 2018 20:17; Akt: 03.01.2018 20:17 Print

Ex-Taliban-Geisel in Kanada verhaftet

Sexuelle Nötigung, Körperverletzung, Todesdrohungen — wenige Wochen nach seiner Befreiung aus der Geiselhaft in Afghanistan ist Joshua Boyle in Kanada festgenommen worden.

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Knapp zwei Monate nach seiner Befreiung aus den Fängen der Taliban hat der 34-jährige Joshua Boyle Ärger mit der kanadischen Justiz. Die ehemalige Geisel sitzt seit dem Neujahrstag in Ottawa in Polizeigewahrsam. Boyle wird unter anderem sexuelle Nötigung, Freiheitsberaubung, Todesdrohung, achtfache Körperverletzung und Irreführung der Polizei vorgeworfen, berichtet die Zeitung «Toronto Star».

Laut Gerichtsakten soll der Kanadier die Taten zwischen Mitte Oktober und Ende Dezember – also nach seiner Rückkehr in die Heimat – verübt haben. Zwar machten die Justizbehörden zu den mutmasslichen Opfern keine Angaben, bekannt wurde aber, dass Boyle einer Person mit dem Tod gedroht haben soll. Ausserdem soll er jemanden gegen dessen Willen zur Einnahme des Antidepressivums Trazodone gezwungen haben.

Nie Probleme mit der Justiz – bis jetzt

Sein Mandant gelte als unschuldig, schrieb Boyles Anwalt Eric Granger in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur DPA. Boyle sei zuvor nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Joshua Boyle war zusammen mit seiner US-amerikanischen Ehefrau 2012 während einer Rucksacktour in einer von den radikalislamischen Taliban kontrollierten Gegend Afghanistans entführt worden. Die Frau brachte in Gefangenschaft drei Kinder zur Welt. Die Familie war auf pakistanischem Gebiet bei einer Kommandoaktion des Militärs befreit worden.

Eine traumatische Zeit hinter sich

Boyles Ehefrau Caitlan Coleman teilte der Zeitung «Toronto Star» mit, die durch die jahrelange Geiselhaft bei den Taliban in Afghanistan erlittene Belastung und das entstandene Trauma hätten sich auf den Geisteszustand ihres Mannes ausgewirkt.

Sie äusserte sich nicht zu den konkreten Vorwürfen und sagte auch nichts zu den möglichen Opfern. Allerdings fügte sie hinzu: «Mit Mitgefühl und Vergebung hoffe ich, dass ihm geholfen und er geheilt werden kann.» Sie und die drei gemeinsamen Kinder seien gesund.

(kle/sda)