Notruf machte nichts

11. Mai 2018 23:05; Akt: 11.05.2018 23:15 Print

Familie der toten Naomi verklagt Klinik

Die 22-Jährige starb, nachdem sie vom Notruf nicht ernst genommen wurde. Jetzt zeigt die Familie das Spital wegen unterlassener Hilfeleistung an.

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Im Elsass fordert die Familie einer jungen Frau Gerechtigkeit, die vom Notruf nicht ernst genommen wurde und starb. Die Familie von Naomi Musenga erstattete am Freitag Anzeige gegen Unbekannt sowie gegen die Universitätsklinik Strassburg, wie ein Anwalt der Familie mitteilte.

Demnach lautet die Anzeige auf unterlassene Hilfeleistung und die Gefährdung anderer. Die Familie beklagte einen eklatanten «Mangel an Humanität» im Fall ihrer Tochter, die mit nur 22 Jahren starb.

Die Familie habe zudem verlangt, dass «die Ermittler versuchen, die Todesursache aufzuklären», erklärte eine Anwaltskollegin. Es gehe unter anderem darum, ob ihr Tod hätte verhindert werden können, wenn Naomi Musenga früher betreut worden wäre.

Notruf machte sich lustig

Naomi Musenga hatte Ende Dezember wegen sehr starker Bauchschmerzen den Notruf gewählt und die Sorge geäussert, sie werde sterben. Eine Notdienst-Mitarbeiterin antwortete: «Natürlich wirst du irgendwann sterben, wie alle anderen auch.»

Die Familie setzte durch, dass die Aufzeichnung des Anrufs öffentlich wurde. Darauf ist zu hören, wie sich die Notruf-Mitarbeiterin mit einem Kollegen über Musenga lustig macht. Die junge Frau starb schliesslich an multiplem Organversagen.

Ihr Vater Mukole Musenga hatte an einer Medienkonferenz am Donnerstag gesagt: «Unser wichtigstes Anliegen für unser geliebtes Kind ist, dass Gerechtigkeit wiederhergestellt wird.» Die Umstände des Todes seiner Tochter hätten ihn schockiert, sagte er bei dem gemeinsamen Auftritt mit seiner Frau und einer seiner Töchter.

Die Notdienst-Mitarbeiterin wurde vom Dienst suspendiert, die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet. Der Fall sorgt in Frankreich für grosse Empörung.

(hvw/sda)