Tiananmen-Massaker

03. Juni 2014 13:21; Akt: 03.06.2014 13:21 Print

Fleisch-Künstler vor Jahrestag verhaftet

Der chinesische Künstler Guo Jian sprach kürzlich in einem Interview über das Massaker von 1989 auf dem Tiananmen-Platz. Nun wurde er verhaftet.

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Der prominente chinesisch-australische Künstler Guo Jian wurde kurz vor dem 25. Gedenktag des Tiananmen-Massaker verhaftet. Dies berichtet CNN. Der 52-jährige Künstler hatte der «Financial Times» Ende Mai ein Interview gegeben und das Vorgehen des chinesischen Militärs kritisiert. Und seine neuste Produktion, eine Fleisch-Plastik des Tiananmen-Platzes, vorgestellt.

Der 52-Jährige war vor dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens selbst Soldat, schloss sich aber noch vor dem Massaker der demokratischen Bewegung an. Der Künstler wurde am Sonntag verhaftet und in eine Strafanstalt ausserhalb von Peking gebracht. Er erzählte seinen Freunden, dass die Behörden ihn mindestens 15 Tage festhalten wollten. Was für Anschuldigungen gegen ihn erhoben werden, ist nicht klar.

«Mir wurde plötzlich klar, Scheisse, das ist Krieg.»

Seine Freunde denken, dass das Interview mit der «Financial Times» der Auslöser für die Verhaftung Jians ist. Darin erklärte der Künstler, warum er sich an den Studentenprotesten beteiligte und wie er knapp den Kugeln der herannahenden Truppen entging. «Ich konnte es kaum glauben, auch wenn ich selbst mal ein Soldat war», sagt Guo im Interview, «in der Armee habe ich nie diese Form von Gewalt gesehen. Doch dann sah ich die Flutlichter, und Menschen fielen neben mir hin – sie waren einfach weg. Mir wurde plötzlich klar, Scheisse, das ist Krieg.»

Die Verhaftung scheint laut der «Financial Times» Teil einer gross angelegten Sicherheitsaktion der chinesischen Behörden zu sein. Dutzende Personen wurden kurz vor dem Jahrestag am 4. Juni verhaftet, unter Arrest gestellt oder verschwanden spurlos. Auch in den letzten Jahren wurden immer wieder Personen wegen Anschuldigungen wie etwa Anstiftung zur Unruhe verhaftet.

Die Behörden möchten Gedenkfeierlichkeiten zum Massaker von 1989 verhindern. In der Nacht zum 4. Juni 1989 war die chinesische Armee mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die seit Wochen auf dem Platz des Himmlischen Friedens für mehr Demokratie demonstriert hatten. Dabei wurden hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen getötet. Die Führung in Peking begründete das Vorgehen mit der Notwendigkeit, das «Chaos» zu beenden.

(ale)