Schweizer Ferien mit Folgen

26. Juli 2017 21:46; Akt: 09.08.2017 14:53 Print

Foto mit Feldschlössli-Bier – Irans TV-Star am Ende?

Feldschlösschen-Bier und ein unbedecktes Haupt vor grüner Genfer Kulisse sorgen im Iran für grossen Ärger – und wohl das Aus einer Karriere.

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Azadeh Namdari, Star-Moderatorin im iranischen Staatsfernsehen, weilt derzeit mit ihrer Familie in den Ferien in der Schweiz. Fotos zeigen die TV-Dame, wie sie in einem Genfer Park unverhüllt Bier trinkt. Im Iran ist beides verboten, sowohl der Konsum von Alkohol als auch das unverschleierte Auftreten in der Öffentlichkeit.

Die Aufnahmen aus Genf haben im Iran riesigen Unmut geweckt. Vom Strenggläubigen bis zum Menschenrechtsaktivisten – sie alle regen sich darüber auf, dass die bekannte Moderatorin so offensichtlich Wasser predigt und Bier trinkt.

«Ich bin stolz, eine Chadori zu sein!»

Namdari hat sich als Moderatorin im ganzen Land einen Namen gemacht, weil sie den islamisch-konservativen Kleidungsstil verteidigt und Frauen dazu aufruft, sich an die herrschenden Kleidervorschriften zu halten.

Ihre Haltung machte sie 2014 auch in einem Interview deutlich: «Ich bin stolz, eine Chadori zu sein!» Der Chador, ein dunkles Tuch, das den ganzen Körper bedeckt, aber das Gesicht frei lässt, habe sie «hübscher gemacht», sie fühle sich durch ihn «sicher und respektiert».

Erklärung machte alles noch schlimmer

Die entlarvenden Ferienfotos lösten einen Shitstorm aus: «Scheinheilig» sei Namdari, so der Tenor in den sozialen Medien. Der Skandal kam so richtig in Fahrt, als Namdari sich entschuldigte und zu erklären versuchte: In einem zweiminütigen Video beteuert sie, ihr Kopftuch sei ihr just in dem Moment zu Boden geglitten, als die Fotos geschossen worden seien. Und da sie sich im Kreise ihrer Familie und nicht in der Öffentlichkeit aufgehalten habe, habe sie keinen Hijab tragen müssen. Ihren Alkoholkonsum liess sie unerwähnt.

Besänftigen konnte sie damit nicht: 90’000 Personen schauten sich ein am Montag hochgeladenes Youtube-Video an, das die Fotos aus Genf zusammenstellt. Über zehntausend Twitter-User kommentieren den Skandal unter dem Hashtag #azadeh_namdari. Auch auf Facebook wird diskutiert. «Namdari ist das perfekte Symbol der Islamischen Republik, jener Republik der Scheinheiligkeit, wo Beamte den USA öffentlich den Tod wünschen, während sie ihre Kinder zum Studieren dorthin schicken», schreibt ein Nutzer.

«Ich gehe davon aus, dass sie nicht zurückkehren wird»

Vor dem Hintergrund, dass das Befolgen der herrschenden Kleidervorschriften im Iran stark durch die staatlichen Medien propagiert wird, brachte sich auch die iranische Frauenrechtsaktivistin Asien Amini ein: «Der Hijab ist keine private Angelegenheit, sondern eine politische und soziale.» Namdari missbrauche ihre Position im staatlichen Fernsehen, «um eine Lüge zu verbreiten».

«Diese Geschichte bewegt das ganze Land», sagt der iranische Journalist H. H. P.* zu 20 Minuten. «Namdari ist ihren Job beim staatlichen TV los. Ayatollah Ali Chamenei, Irans höchster Geistlicher, will ihr öffentliche Auftritte untersagen. Medien, die ihr Foto drucken, sollen bestraft werden.» Die Geschichte bedeute wohl das Karriere-Ende der Star-Moderatorin. «Ich gehe sogar davon aus, dass sie nicht wieder in den Iran zurückkehren wird.»

* Name der Redaktion bekannt

Namdari postete ein Foto von sich vor der UN in Genf, ...


... bevor diese Bilder einen Skandal lostraten


Einige Twitter-Reaktionen darauf:




(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anubis X treme am 26.07.2017 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    ich verstehe die Leute die sie jetzt als scheinheilig betiteln. Wasser predigen und Wein trinken, geht halt nicht. Bin ich nur Froh, dass ich tragen und saufen kann, was ich will. Peace Leute ;)

  • Mountainpixels2 am 26.07.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Islam

    Ich kann mit dieser Religion einfach nichts anfangen.

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  • Roger Rabiat am 26.07.2017 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja soviel

    zum Thema Toleranz im Islam, ein Fehltritt und je nach Land bist du schon so gut wie tot...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petra am 27.07.2017 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    unsere Gesetzte

    Coole Frau, sie hat einfach unsere Gesetzte beachtet. Toll. Wenn ich in den Iran gehe, dann bekomme ich eine Liste was ich alles darf und was nicht. Sie hat gar nichts falsch gemacht.

  • Better World am 27.07.2017 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das wäre was!

    Jep. Es wäre ja die Gelegenheit fürs Schweizer Fernsehen einer mutigen Iranerin einen Job anzubieten. Sie ist mir sympathisch, und ich rufe dazu auf, ihr Asyl anzubieten damit wir ihre Karriere retten können. Sie scheint vernünftig zu sein und könnte uns den wohl gemässigten Islam näher bringen. Lasst eine solche Diskriminierung nicht zu.

  • Leser 1 am 27.07.2017 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und im Land selber

    Heuchlerisch ist höchstens der Mullah. Jeden Tag kommen 2 Stück 40 Fuss Container mit Alkohol allein in Teheran an. Privat wird getrunken und es gibt alles, was das Herz begehrt.

  • Fatima am 27.07.2017 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Absicht

    Jetzt hat sie einen Grund um in der Schweiz Asyl zu beantragen. Sie wird nun verfolgt und kann nicht in ihr Heimatland zurück.... Arme Familie oder bravo clever gemacht! ?

  • Donaldus Duckson am 27.07.2017 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    eine kleine Frage...

    Wenn nun alle verschleierten Touristen, sich in den Schweizerferien nicht mehr verhüllen, bleiben sie uns dann auch auf ewig erhalten?