Rom

24. Dezember 2009 23:04; Akt: 25.12.2009 00:36 Print

Frau attackiert Papst

Mit einem Zwischenfall hat die Weihnachtsmesse für Papst Benedikt XVI. am Heiligen Abend in Rom begonnen: Als der Papst in den Petersdom einzog, versuchte eine Frau, die Absperrungen zu überwinden, um sich auf das katholische Kirchenoberhaupt zu stürzen.

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Im Getümmel habe Benedikt das Gleichgewicht verloren und sei kurz hingefallen, bestätigte der Vatikan. Der Papst wurde wieder aufgerichtet und ging offensichtlich unverletzt zum Altar, als sei nichts geschehen. Er begann die Christmesse.

Im Gefolge der Unruhe stürzte auch der französische Kardinal Roger Etchegaray, der daraufhin zu einer Unfallstation gebracht wurde. Die Frau wurde festgenommen, berichteten italienische Medien. Sie soll geistig gestört sein, hiess es.

Warum genau sie sich dem Papst nähern wollte, war noch unklar, eventuell habe sie keine «bösen Absichten» gehabt. Es könnte sich um dieselbe Person handeln, die sich im vergangenen Jahr ähnlich dem Kirchenoberhaupt nähern wollte.

Predigt: Egoismus überwinden

Auf dem Petersplatz vor der Basilika verfolgten derweil Tausende Menschen die Weihnachtsmesse zur Geburt Jesu bei Regenwetter und starkem Scirocco-Wind auf Videoleinwänden. Die Messe war in diesem Jahr früher als sonst angesetzt, um dem 82-jährigen Papst etwas mehr Ruhe und Schlaf vor der Weihnachtsbotschaft und dem Segen «Urbi et Orbi» am folgenden Mittag zu geben.

In seiner Predigt rief Benedikt die Menschen dazu auf, den Egoismus zu überwinden und Gott höchste Priorität einzuräumen. «Der Streit in der Welt, die Unversöhnlichkeit miteinander rührt daher, dass wir eingeschlossen sind in die eigenen Interessen und Meinungen», erklärte er im dicht besetzten Petersdom.

Der Mensch könne Gott ähnlich werden, aber nur, wenn er Demut und so die wahre Grösse lerne. Es gehe darum, der Gewalt zu entsagen «und nur die Waffen der Wahrheit und der Liebe zu benutzen», fügte Benedikt an. Doch die meisten Menschen wohnten weit weg von Jesus Christus, dem Menschgewordenen, beklagte der Papst. «Wir leben in Philosophien, in Geschäften und Arbeiten, die uns ganz ausfüllen und von denen aus der Weg zur Krippe weit ist.»

Gott hat Vorrang

In der Liste der Prioritäten stehe Gott also häufig so ziemlich an letzter Stelle, obwohl doch das Evangelium sage, dass er Vorrang habe: «Wenn irgendetwas in unserem Leben Eile ohne Aufschub verdient, dann doch allein die Sache Gottes.»

Die Messe wurde von zahllosen TV- und Radio-Sendern weltweit meist live gezeigt. Am Freitag wird der Papst die Weihnachtsbotschaft verlesen und den Segen «Urbi et Orbi» spenden.

Krippenlandschaft mit Engeln aus Mexiko

Papst Benedikt XVI. hatte zuvor die grosse Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz gesegnet und ein Friedenslicht angezündet. Es ist sein fünftes Weihnachtsfest im Vatikan seit der Wahl zum Papst 2005.

Zehntausende werden in den kommenden Wochen diese überdimensionale Krippenlandschaft auf dem Petersplatz bewundern können. Sie war während des Aufbaus mit einem Sichtschutz verdeckt worden, ist etwa 25 Meter breit und erstreckt sich über 300 Quadratmeter mitten auf dem Petersplatz.

Die vatikanische Krippe besteht überwiegend aus Figuren, die im 19. Jahrhundert in der Barockkirche Sant'Andrea della Valle im historischen Zentrum von Rom aufgebaut worden waren. Im Zentrum steht die Heilige Familie in einer Grotte. Dazu kamen noch andere Figuren, unter anderem zwei Engel aus Mexiko. Diese Krippentradition auf dem Petersplatz war - wie der Weihnachtsbaum - von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. 1982 für das Fest der Geburt Jesu dort eingeführt worden.

(sda)