Sie leben noch immer!

24. November 2012 15:10; Akt: 24.11.2012 15:10 Print

Fünf Erkenntnisse der Krebszucht

Seit über einem Monat züchten wir nun die «Yps»-Krebse. Und noch immer tummelt sich eine Handvoll Krebse in unserem Aquarium. Zeit für ein Fazit.

Wir züchten Urzeitkrebse
«Yps» ist wieder da. Das Heft richtet sich nun an Erwachsene. Nur beim Gimmick hat man auf Altbewährtes zurückgegriffen - auf die guten alten Urzeitkrebse zum Selberzüchten.
23 November 2012 - sie leben noch immer!
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Ein Bild der zweiten Zucht mit Krebsen, die ungefähr zwei Millimeter gross sind.

Viele sind es nicht mehr, aber es hat noch welche. Am 18. Oktober haben wir mit unserer Krebszucht begonnen – und über einen Monat später tummeln sich noch immer fünf bis zehn Exemplare in unserem Aquarium. Bei unserer ersten Zucht haben wir mit Sicherheit einige Fehler begangen, doch wir glauben, daraus gelernt zu haben. Für alle anderen Züchter also hier unsere Erkenntnisse.

Schön für den Menschen ist nicht schön für die Tiere
Momentan haben wir zwei Parallelzuchten – und wie es scheint, überleben die Krebse im kleineren Aquarium mit weniger Schnickschnack besser. Weniger Schnickschnack bedeutet weniger Fremdstoffe im Wasser. Ausserdem tummeln sich die Tiere vermehrt dort, wo es am meisten Licht hat – also weit weg vom Sponge-Bob-Häuschen. Dieses ist für Menschen zwar nett anzuschauen, für die Krebse aber ist es eher ein unangenehmer Schattenspender.

Weniger ist mehr
Mit dem Füttern verhält es sich wie beim Anfahren mit dem Auto: Der Anfänger drückt zu fest auf die Tube. Zu viel Futter im Wasser verdirbt dieses – und die Krebse gehen ein. Diesen Fehler haben wir zu Beginn mit Sicherheit begangen.

Es überlebt nur eine Handvoll
Zwei Tage nachdem die Eier ins Wasser gegeben werden, wimmelt es im Aquarium. Weitere zwei Tage später herrscht fast Totenstille. Nur ungefähr ein Zehntel überlebt die erste Woche – das ist unsere Erfahrung – und wir haben uns (vor allem bei der zweiten Zucht) streng an die Vorgaben der Experten gehalten (Salzgehalt, Wassertemperatur, Licht, Futtermenge).

Es kommt zum Generationenwechsel
Nach ca. zehn Tagen gesellen sich zu den nun doch etwas grösseren Krebsen ein paar Winzlinge. Beweisen können wir es nicht, aber wir sind uns sicher, dass dies Zweitgenerations- oder sogenannte Secondo-Krebse sind. Über einen Monat ist vergangen, seit wir die erste Zucht gestartet haben. Tiere der ersten Generation müssten wesentlich grösser sein, als die fünf bis zehn Krebse, die sich bei uns im Aquarium halten.

Krebse sind nicht fotogen
Laut «Yps» werden die Urzeitkrebse bis zu 1,5 Zentimeter gross. Unser grösster Stolz der Zucht, Bob, schaffte aber nur knapp 3 Millimeter. Deshalb – und weil die Krebse sich ständig bewegen – sind sie keine idealen Fotosujets. Als Online-Medium steckt man deshalb in der Bredouille. Denn eine Story ohne Foto ist keine Story. Ausserdem verliert die Live-Aquarium-Kamera seinen Reiz.

Sollten Sie aber selber «Yps»-Krebse züchten, und zwar so erfolgreich, dass Sie sie fotografieren können, dann senden Sie doch bitte ein Foto an patrick.toggweiler@20minuten.ch.

1. November 2012: Bob und das dreckige Dutzend
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Die 20-Minuten-Online-User sind die besten. So schrieb User «Kenner»: «Die Überreste Eurer Zucht tragen neue Eier in sich und diese werden in den nächsten Tagen wieder schlüpfen … nicht aufgeben!». Und User «Aquarianer» meinte: «Das wichtigste ist, das ganze in Ruhe zu lassen.»

Also: Wir haben Ruhe bewahrt und gewartet. Wir haben einzig das Wasser ab und zu nachgefüllt alle paar Tage etwas umgerührt, um für etwas Sauerstoff im Wasser zu sorgen – und siehe da! Gestern noch zog ein einzelner Urzeitkrebs einsam seine Kreise – heute sind es mit unserem 1. Generation-Überlebenden mindestens ein Dutzend.

Wir sind deshalb stolz und glücklich heute nicht nur einen Krebs zu taufen, sondern gleich 12. Hier also die Namen unserer Herde. Es sind ausschliesslich Vorschläge von unseren Lesern.

Poseidon (Danke Remo Lisa)
Reiner Zufall (Danke Julian)
Mr. Krabs (Danke Mijo & Sabrina Fluri, )
Suhr (Danke Roger Schneider & Salome Schraner)
Duncan MacLeod (Dunce Alla)
Urki (Danke Dali)
Mohikaner (Danke Rico Mock)
Sebastian (Danke Thomas Witschi)
Athos (Danke Phil R.)
Porthos (Danke Phil R.)
Aramis (Danke Phil R.)
d’Artagnan (Danke Phil R.)

Und unseren überlebenden aus der letzten Woche – er ist etwas grösser als die anderen – nennen wir Bob (Danke Neela). Bob steht für Best of Bulk ist damit der geeignete Name für unseren zähen Kämpfer.

Wir sehen der Zukunft wieder ungetrübt entgegen – leider kann man dasselbe nicht von unserer Kamera sagen. Noch wagen wir es nicht das Wasser zu wechseln, wir wissen aber, dass in der etwas trüben Brühe die Krebse nicht gut erkennbar sind. Hin und wieder zeigt sich aber einer vor der Linse. Geduld zahlt sich nicht nur bei der Zucht der Krebse aus.
31. Oktober Nummer 5034 lebt
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Wirbelstürme tragen Namen wie Irene oder Sandy – wenn aber ein Bär seine Tatze über die Schweizer Grenze reckt, dann erhält er im besten Fall eine Nummer: M13 oder JJ3 zum Beispiel. Solche Kennzeichnungen erleichtert es den Behörden, ein eventuell unnatürliches Ableben des Bären möglichst menschenschonend zu kommunizieren. Niemand hat Mitleid mit «M13» – mit einem «Balu», einem «Pooh» oder einem «Knut» aber enorm.

Zurück zu unseren Krebsen. Ein Urzeitkrebs dreht noch immer seine Runden im Aquarium. Ein Zeichen dafür, dass wir bei der Zucht nicht alles falsch gemacht haben. Sein Problem: Obwohl er es sich enorm verdient hat, hat er noch keinen Namen. Und genau den suchen wir nun. Bitte senden Sie ihre Vorschläge an patrick.toggweiler@20minuten.ch. Morgen werden wir unserem Krebs dann feierlich taufen.
26. Oktober 2012 Unterwassermikrofon ist installiert
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Wir haben unsere Krebsezucht mit einem Unterwassermikrofon ausgerüstet. Statt Kenny G, Richard Clayderman oder Abba lauschen Sie von nun an den Klängen unserer rätselhaften Unterwasserwelt. Mal hören, was die glorreichen Krebse zu sagen haben - es tönt nach Ärger.
26. Oktober - Morgen
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Die Anzahl Krebse scheint bis am Freitagmorgen stabil geblieben zu sein - wir schätzen die Kolonie auf fünf bis zehn Tiere. Die kleinen Kerle zu sichten, ist mittlerweile allerdings ein Problem. Wir checken die Lage am Nachmittag wieder.
25. Oktober 2012 Danke für die Anteilnahme
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Die Userkommentare im Talkback machen Mut: «Urzeitmörder» werden wir genannt! @«Kenner»: Wir geben deshalb aber nicht klein bei, versprochen. Wir lassen unsere kleinen Lieblinge doch nicht im Regen stehen.

Stellvertretend für alle User, die sich auch per Mail mit Zuchttipps an uns wenden, wollen wir hier Frau Ryf danken, die uns auf zwei Probleme bei der Urzeitkrebse-Aufzucht hinweist: Überfütterung und Pilzbefall. Wir werden es uns hinter die Ohren schreiben.

@Krebsli: Wo es noch «Yps» gibt, wissen wir nicht - am Flughafen Zürich hatte es nach Angaben eines Users noch jede Menge Hefte. Zuchtsets gibt es aber auch ohne «Yps».
25. Oktober 2012 R.I.P. kleine Urzeitkrebse
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Wo einst fröhliches Gewimmel die Redaktion erfreute, herrscht heute traurige Leere. Von den einst hunderten Urzeitkrebsen sind gerade mal eine Handvoll übrig geblieben. Einsam und verlassen ziehen sie ihre Kreise im überdimensionierten Aquarium. Ein trauriger Anblick – böses «Yps», was hast du uns angetan!

Über die Ursache des Massensterbens können wir nur rätseln: Futter, Sauerstoff, Licht, Salzgehalt, Clayderman, vielleicht ging es ihnen auch einfach zu gut. Auf jeden Fall haben wir nichts unversucht gelassen, damit es den kleinen Viechern gut geht - ohne Erfolg.

Tatsächlich fällt ein erster Verdacht auf den Staub. Vielerorts wurde geraten, das Aquarium abzudecken. Darauf verzichteten wir, weil wir den Krebsen möglichst viel Licht gönnen wollten. Ein Fehler? Vielleicht aber hatte auch nur Onkel Darwin seine Finger im Spiel.

Unsere gesamte Liebe konzentriert sich nun auf die Überlebenden. Auf dass sie gross und stark werden.
22. Oktober - Zuchterfolg dank Clayderman
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Doping für die Urzeitkrebse. Damit sich unsere Viecher gut entwickeln berieseln wir sie neu mit der «Best off» von Richard Clayderman.
22. Oktober 2012 - fertig Hobby
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Unsere Krebse haben ein neues Zuhause. Das einfache Glas ist einem 2,5-Liter-Aquarium gewichen, das gewöhnliche Meer-Salz wurde durch Profi-Artemia-Salz ersetzt, das mit lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen wie Phytoplankton angereichert ist und auch das Futter ist jetzt nicht mehr der Fast-Food aus dem «Yps», sondern edelstes Liquizell speziell für junge Krebse (bis 10 Tage). Wir sind wieder einmal begeistert.

Die Übersiedlung der Krebse in ihr neues Zuhause war eine höchst difizile Angelegenheit. Zu vergleichen vielleicht mit dem Stratosphärensprung von Felix Baumgartner. Zu viele Turbulenzen bedeuten den sicheren Tod - und das erst noch vor Millionen von Zuschauern. Doch auch unsere fearless Krebse haben ihren Stunt überlebt. Und das erst noch ohne Sponsor.

Apropos Österreich. Beim «standard.at» tut sich nix. Die haben die Eier einfach ins salzlose Wasser gekippt. Wir wünschen von hier aus trotzdem viel Erfolg.
22. Oktober - Das Wochenende ist überstanden
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Bis jetzt haben sich unsere Urzeitkrebse tapfer gehalten. Mittlerweile schwimmen hunderte in unserem Glas - und sie sind sichtbar gewachsen. Wir haben übrigens, wie im «Yps» vorgeschlagen, Leitungswasser verwendet. Die Experten von Urzeitkrebse.de empfehlen hingegen destilliertes Wasser.

Etwas Sorge bereitet uns die Farbe des Wassers. Vermutlich waren wir mit dem Futter etwas zu grosszügig - die Krebse sollten vor jeder Fütterung das Wasser klargefressen haben. Ab sofort wird die Nahrungsmittelzufuhr reduziert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • trauriger maan am 25.10.2012 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    i cry evry tim

    RIP in peace ;_;

  • beat steiner am 25.10.2012 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    rezept

    es ist nicht so leicht artemia salina dauerhaft zu züchten. ideal ist folgende rezeptur. 6l Aquarium, pro liter wasser zuerst 10g salz. (fördert die Schlupfrate) nach dem Schlüpfen auf 30g/1l aufzalzen. Temperatur auf 25°C -30°C einstellen. Leicht mittels Belüfter sauerstoff zuführen. Der Ausströmer darf dabei nicht zu grosse Luftblasen bilden. der pH sollte zwischen 8 und 8,5 liegen. Mit Sodapulver kann man den pH einstellen (etwa 2g/l). mit mindestens 2000 lux (60Watt Glühbirne) beleuchten. futter : trockenhefe oder Spirulina-Microalgenpulver.

  • Chris am 25.10.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Klima

    Das hat bestimmt mit der Klimaerwärmun zu tun :-P

  • N.P. am 25.10.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    aber hallo?

    gab es zum Urzeitkrebse züchten nicht einmal einen Kosmoskasten? - ich habe das als Kind regelmässig gemacht und es verwundert mich, dass die Redaktion nicht weiss, dass Urzeitkrebse kannibalistisch veranlangt sind ;) . Am Schluss wird nur einer überleben. Triops werden bei richtiger Haltung ca. 90 Tage alt. Das heisst, spezielles Futter und destilliertes Wasser verwenden.

    • Wayne Interessierts am 25.10.2012 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      Urzeitkrebs ist nicht gleich Urzeitkrebs

      Das sind keine Triops, sondern Artemia ;o)

    einklappen einklappen
  • Matti am 25.10.2012 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Richard ist schuld!!!

    Ich bin sicher, der/die/das Clayderman ist schuld an diesem Massensterben (und wahrscheinlich auch an allen anderen der Erdgeschichte)... Wenn ich den ganzen Tag sowas hören müsste, würd ich auch zusehen, dass ich bald sterbe... Wie kommt ihr nur auf so eine kranke Musikauswahl für die armen kleinen Babykrebsis?!?