«Für immer in unseren Gedanken»

14. Juni 2018 04:43; Akt: 14.06.2018 12:59 Print

London gedenkt der Grenfell-Opfer

Vor einem Jahr haben 71 Menschen beim schlimmsten Brand in Grossbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren.

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Grossbritannien hat am Mittwoch der 71 Todesopfer der Brandkatastrophe im Grenfell Tower gedacht. Die «unvorstellbare Tragödie» des Grossbrands in dem Hochhaus bleibe «für immer in unseren Gedanken», sagte Premierministerin Theresa May im Parlament.

Der verheerende Brand im 24-stöckigen Wohnhochhaus Grenfell Tower im Westen Londons war in der Nacht zum 14. Juni 2017 ausgebrochen. Brandursache war ein defekter Kühlschrank. Über eine nicht brandsichere Fassadenverkleidung breitete sich das Feuer über weite Teile des Wohnturms aus. 71 Menschen und ein ungeborenes Baby starben.

Rosen für die Toten

Zum Gedenken an die schlimmste Brandkatastrophe in Grossbritannien seit Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Fassade des ausgebrannten Hochhauses und der Amtssitz der Premierministerin am Abend grün angestrahlt.

Frühere Mieter hielten gemeinsam ein Abendessen im Schatten des Turmes ab. An einer Gedenkwand wurden 72 weisse Rosen – eine für jedes Todesopfer sowie eine für ein ungeborenes Baby – angebracht.


Am Donnerstag werden die Gedenkfeiern mit Gottesdiensten, Kranzniederlegungen und der Enthüllung eines Mosaiks fortgesetzt. Auch ein Schweigemarsch ist geplant.

Die Hälfte hat keine Wohnung

Auch ein Jahr nach der Tragödie sitzt der Schock noch tief, viele Überlebende sind enttäuscht von der mangelnden Unterstützung der Behörden.


So sieht es im Grenfell Tower aus: Die Polizei veröffentlicht Aufnahmen des ausgebrannten Hochhauses. (Video: Tamedia/Metropolitan Police)


Mehr als 200 Haushalte verloren durch das Feuer ihr Zuhause, und weniger als die Hälfte zog in dauerhafte Wohnungen, der Rest lebt noch im Hotel oder in provisorischen Unterkünften.

Zum Beispiel die Familie Rasoul: Vater Mohammed und Mutter Munira leben mit ihren beiden Kindern Zahra und Mohammed Junior zu viert in einem einzigen Raum. Der britische Sender BBC hat sie dort besucht.

«Dann drehst du dich um und weinst»

«Wir dachten, bald würde sich etwas ändern», sagt der Vater resigniert. «Aber Tage wurden zu Wochen, Wochen zu Monaten und aus Monaten wurde jetzt ein Jahr.» Erst im November sollen sie in eine neue Wohnung ziehen können.

Die Mutter muss ihr Essen in der örtlichen Moschee zubereiten, da sie im Hotelzimmer keine Kochmöglichkeit haben. «Wir wissen nicht, wann wir wieder normal leben können», sagt sie. «Wenn die Kinder fragen, antwortest du. Wenn du nicht antworten kannst, drehst du dich um und weinst.»

(hvw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Perry am 13.06.2018 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    bei meghans viertelmillionpfund kleid hätte man mit dem steuergeld ziemlich sicher denen helfen können.

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  • Sonne am 13.06.2018 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterste Schublade

    Diese Menschen tun mir wirklich leid. Und die Britische Regierung hat hier auf ganzer Linie versagt! Wenn die Behörden sauber gearbeitet hätten, wäre das entflammbare Material gar nicht bewilligt worden. Auch um vollumfänglichen Brandschutz haben sich die Behörden nicht gekümmert. Zum Trost dürfen die Überlebenden nun jahrelang auf ein neues Zuhause warten. Und die Verantwortlichen werden nicht zur Rechenschaft gezogen. Ein Armutszeugnis!

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  • Beobachter/Nordengland am 13.06.2018 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    England ist arm

    Es gibt in England sehr viele Sozialhilfeempfänger. In 250 000 Familien haben die Kinder nie gesehen das ein (oder beide) Elternteile arbeiten gehen. Das ist eine riesige Steuerlast. Die Leute haben schlicht kein Geld viel zu zahlen. Kommt dazu das gewisse Gruppen nur nach England kommen um von der Sozialhilfe zu leben. Die Sozialwohnungen sind daher sehr knapp (und lausig).

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realistischer Darwin am 14.06.2018 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollten froh sein

    Die Leute sollten lieber froh sein, dass sie noch leben und eine provisorische Unterkunft haben, als sich nur zu beschweren. Man kann auch von sich selber aus aktiv werden bei der Wohnungssuche und muss nicht immer alles auf die Behörden abwälzen. Arm zu sein heisst ja nicht zwingend, dass man auch faul sein muss.

    • Enzo Scifo am 14.06.2018 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistischer Darwin

      Sie arbeiten nicht zufällig beim HEV Zürich? Nur so eine Frage.

    • Innerschweizer am 14.06.2018 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistischer Darwin

      Und welcher Vermieter vermietet sein Wohnung an eine Person die kein Geld hat und von Sozialhilfe lebt?

    • Realistischer Darwin am 14.06.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Innerschweizer

      So einer wie der Besitzer des Grenfell-Towers. Gibt sicherlich noch ein paar solche Vermieter. Ausserdem muss man ja auch nicht zwingend in der Stadt wohnen, etwas ausserhalb gäbe es sicher genügend günstigen Wohnraum. Aber da kommt die Bequemlichkeit wieder ins Spiel...

    • Kein Problem ... am 14.06.2018 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      @ Realistischer Darwin

      Keine Bange. Der Darwinismus favorisiert zwar die der Umwelt am besten angepassten Individuen, doch da sich die Umwelt ändert, werden künftig ganz andere Fähigkeiten als heute gefragt sein. Den Brand in einem Hochhaus, aus sicherer Distanz zu kommentieren und den Betrofffenen Faulheit zu unterstellen ist eines, den Londoner Wohnungsmarkt, das Sozialsystem angeblich - aber doch nicht so ganz - zu kennen, ist was anderes. Vor allem als CHer. Dass die Menschen froh sein sollten, nicht tot zu sein...was soll man dazu sagen ?

    • Nicht arm am 15.06.2018 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistischer Darwin

      Eben nicht realistisch. In London ist es sehr schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Und jeder Vermieter freut sich auf eine Familie, die vom Sozialamt lebt,alles verloren hat usw...oder nicht? (Bin seit längerem auf der Suche nach einer Wohnung zum Kaufen dort)

    • Pia am 15.06.2018 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistischer Darwin

      Haben Sie eine Ahnung von den genaueren Lebensumständen der Betroffenen? Ihr Text ist unangebracht. Manchmal sollte man auch schweigen können.

    • Mum am 15.06.2018 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistischer Darwin

      Wie wollen sie wissen, ob Arme faul sind oder nicht? Die Immobiliensituation in London scheinen sie auch nicht zu kennen. Von der sicheren Schweiz aus zu kommentieren, das bringt nichts!

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  • Manu am 14.06.2018 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu hohe Ansprüche

    Viele Leute hausen noch in Hotels, da sie nicht in die ihnen angeebotenen Wohnungen/Häuser wohnen wollten. Da kamen dann die Ausreden dass die Wohnung nicht ihrem Standart entspricht , der 15 minütige Schulweg für die Kinder unzumutbar sei oder das Viertel passte nicht. Deshalb hält sich mein Mittleid betreffend der Wohnsituation in Grenzen!

    • Mr.X am 14.06.2018 08:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Manu

      Schließe mich ihrer Meinung an. Mein Mitleid hält sich hier auch in Grenzen, denn eine Wohnung zu suchen sollte möglich sein. Und falls es in London allgemein schwierig ist eine bezahlbare Wohnung zu finden, wie zB. in Zürich, kann die Regierung auch nicht wirklich viel machen. Es braucht einfach Geduld bei der Suche.

    • Annie am 14.06.2018 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manu

      Waren Sie schon mal in England? Wissen Sie wie dort eine Sozialwohnung aussieht? Ich habe Freunde und Verwandte dort. Glauben Sie mir, die Wohnqualität ist nicht mit unserer zu vergleichen.

    • Jugni am 14.06.2018 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manu

      Sie haben völlig recht man kann nicht alles haben.Man muss auch mal auf etwas verzichten können,auch was annehmen wo etwas unangenehm ist zb eine Arbeit wo man nicht gerne macht aber Hauptsache man hat Lohn.

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  • Büezer am 14.06.2018 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch - Immer die andern

    Da wollen Leute billig wohnen und geben die Schuld wieder anderen.

    • Mum am 14.06.2018 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Büezer

      Ein Büezer kann sich in in London kaum eine bezahlbare Wohnung leisten.

    • Realistischer Darwin am 14.06.2018 19:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Mum

      Muss denn der betreffende Büezer unbedingt im Zentrum von London wohnen? Es gibt sicherlich bezahlbaren Wohnraum etwas ausserhalb, aber die Leute sind wahrscheinlich zu bequem, zu pendeln. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

    • Mum am 15.06.2018 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistischer Darwin

      Genau. Muss er nicht, möchte vielleicht. Aber 2 Stunden pro Weg ist doch kein Problem.

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  • Alternative für die Schweiz am 14.06.2018 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Eine versieffte Mittelinks Kartell Politik, wie vielerorts in Europa!

    • km am 14.06.2018 05:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Keine Alternative für die Schweiz

      Die Stadt gedenkt 71 Todesopfer. Und sie schreiben diesen Kommentar.

    • Andreas am 14.06.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Selber Heuchler

      London und GB ist weder Mitte noch links regiert, sondern stramm aristokratisch rechts. Das Ergebnis? Es gibt nicht mal in London ausreichend Feuerwehr, Ambulanz, die Bahnstrecken sind Schrott, und die Armut grassiert.

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  • ShenShen am 14.06.2018 01:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber suchen!

    Also eins versteh ich nicht. Aus welchem Grund sollten die Behörden für neue Wohnungen dieser Menschen zuständig sein? Wieso im Hotelzimmer sitzen, nichts tun und sich über diese ach so bösen Behörden beschweren? Wieso werden diese Leute nicht selber aktiv und suchen sich eine neue Bleibe? Aber motzen können sie! Wenn meine Wohnung ausbrennt kann ich ja auch nicht einfach zur Gemeindeverwaltung gehen und sagen "na macht mal und sucht mal schön was passendes für mich!" Dass diese Leute sich beschweren finde ich einfach nur frech!

    • Beobachter/Nordengland am 14.06.2018 07:59 Report Diesen Beitrag melden

      Sozialwohnungen

      Viele Leute leben in Sozialwohnungen. Wer nicht arbeiten kann (oder will) kann sich beim Sozialamt anmelden und kommt dann auf ein eWarteliste für eine Sozialwohnungn. Das Problem ist das die Liste sehr lang ist. Gewisse Gruppen haben sich angewöhnt sich nur vom Staat bedienen zu lassen. Gibt es in Deutschland auch zunehmend und ich hab es auch schon in der Schweiz gesehen.Wozu arbeiten wenn der Staat die Pflicht hat alles zu liefern?

    • Kurz und bünzlig am 14.06.2018 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ShenShen

      Reden wir weiter wenn all ihr Hab und Gut in den Flammen aufgeht. Dann können Sie auch keine Hilfe erwarten - ansonsten verstossen Sie gegen ihre eigenen Prinzipien.

    • und? am 14.06.2018 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ShenShen ohne Ahnung

      Zu 80% ist das System daran Schuld, dass Menschen von der Gesellschaft exkludiert sind und nicht das Individuum selbst. Die strukturierten Rahmenbedingungen führen dazu, dass Inklusion in die Gesellschaft kaum mehr gelingt.

    • Einfach gesagt am 14.06.2018 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ShenShen

      Sie haben schlicht keine Ahnung, wie schwer es ist, in London eine bezahlbare Wohnung zu finden.

    • Jugni am 14.06.2018 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurz und bünzlig

      Sehr gut gesagt Danke.So lange man Arbeit hat und eine Wohnung und alles tipptopp ist macht sich ja niemand Gedanken was nachher passiert wenn man gar nichts mehr hat.Der Staat muss einem helfen wenn man in Not gerät.

    • Jugni am 14.06.2018 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Einfach gesagt

      Oh ja.Und es so ist es eben.Überall hats arme Menschen wo auf Hilfe angewiesen sind.

    • Enzo Scifo am 14.06.2018 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ShenShen

      Richtig lesen kann ausserordentlich nützlich sein. Der abgefackelte Wohnblock gehört der Stadt London und beim Feuerschutz wurde erwiesenermassen gepfuscht. Die Stadt trägt die volle Verantwortung für dieses Drama und ein gleichwertiger Wohnersatz sollte das mindeste sein, das den Betroffenen zusteht.

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