Verwanzte Busse

12. Dezember 2012 18:56; Akt: 13.12.2012 09:22 Print

Grosser Lauschangriff auf US-Pendler

Die USA heben die Überwachung ihrer Bürger auf eine neue Stufe: Mehrere Städte bauen in öffentliche Verkehrsmittel Mikrofone auf, um Gespräche der Passagiere aufzuzeichnen.

Der Kreml-nahe, englischsprachige Sender «Russia Today» über Überwachung in US-Bussen. Quelle: YouTube/RTAmerica
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«Big Brother hört mit», schrieb «The Daily» mit Blick auf George Orwells Horror-Szenario «1984». Das Blatt will im Besitz von offiziellen Dokumenten sein, nach denen US-Behörden mit einem grossen Lauschangriff auf die eigene Bevölkerung startet. Sie wollen Busse mit modernen Mikrofonen ausstatten, die mit Kameras gekoppelt werden können und die Gespräche der Passagiere aufzeichnen.

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Mehrere US-Städte statten ihre Busse mit Mikrofonen aus. Wäre das auch eine Massnahme für die Schweiz?
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In einigen Städten können Angestellte der Verkehrunternehmen bereits jetzt mithören. Baltimore in Maryland hat im November die ersten zehn Busse mit Mikrofonen ausgestattet, die ausserdem von sechs Kameras überwacht werden. Die Konversationen werden dort 30 Tage lang gespeichert, berichtet die «Baltimore Sun». Sollte die Polizei die Aufnahme zur Beweisführung brauchen, kann sie die entsprechenden Daten aus dem Speicher im Bus herunterladen.

Auch in Orzak, Arkansas, wurde ein solches System installiert. «Aus meiner Sicht ist die Nutzung von Mikrofonen ein Lebensretter für die Fahrer», verteidigte Joel Gardner von den lokalen Verkehrsbetrieben in «The Daily» die Massnahme. Ihm gehe es um ungerechtfertigte Anzeigen gegen die Chauffeure: «Wir können die Tonbänder anhören und falsche Anschuldigungen entkräften.»

Motoren- und Hintergrundlärm herausfiltern

Nach Columbus, Ohio, hat mit San Francisco im Juli eine zweite Grossstadt die totale Überwachung beschlossen. Gerade erst wurde ein Vertrag in Höhe von 5,9 Millionen Dollar abgeschlossen. In den kommenden vier Jahren sollen 357 Busse mit Mikrofonen ausgestatte werden – mit einer Option auf die Aufrüstung von 613 weiteren Beförderungsmitteln.

Auch kleinere Orte wie Eugene, Orgeon, setzen auf den grossen Lauschangriff. Die dortigen Behörden forderten explizit Systeme an, die Motorenlärm, Fahrtwind und Hintergrundgeräusche herausfiltern können. Jedes der fünf Mikrofone in den dortigen Bussen «soll mit einem oder mehreren Kameras gekoppelt werden und synchron mit dem Video aufzeichnen». Ähnlich sieht es in Siedlungen wie Traverse City in Michigan, Athens in Georgia oder Hartford in Connecticut aus.

Gefahr von Missbrauch

Die Juristin Anita Allen von der Universität Pennsylvania sieht die Überwachung äusserst kritisch. «Das ist recht schockierend und mehr als wir gewohnt sind. Dass jetzt auch noch Gespräche aufgezeichnet werden, ist sehr heikel.» Bürgerrechtler fürchten ausserdem Missbrauchsmöglichkeiten. «Es wäre ein Leichtes, die Überwachungssysteme mit Gesichts- oder Stimmenerkennung zu verbinden, um die Identifikation der Reisenden zu ermöglichen», bestätigt Ashkan Soltani entsprechende Sorgen.

Die verschärfte Spionage unter den Bürgern kommt laut dem Sicherheitsexperten nicht überraschend. «Die Technik ist traurigerweise ein Beleg für einen Trend hin zu einer gesteigerten Überwachung durch private und staatliche Personen unter dem Vorwand einer besseren Sicherheit.» Die Volksweisheit «Erst nachdenken, dann reden» bekommt in in den USA nun eine völlig neue Dimension.

(phi)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Xoff Pardey am 13.12.2012 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!

    Unglaublich was sich das amerikanische Volk (und wohl auch bald wir) gefallen lässt. Da regt sich kein wirklicher Widerstand...das erstaunt mich am meisten!

  • Pèter Matulai am 12.12.2012 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Sehr schön, find ich gut, noch ein Grund nicht hinzufahren =)

  • Andy am 12.12.2012 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wehrt euch!

    Sowas darf man nicht zulassen. Wer kontrolliert die Kontroleure und den Staat? Das fleissig Missbrauch betrieben wird sieht man auf jeder Ebene. Solche Systeme können auch nie wirklich sicher genug sein - ein Albtraum wenn die falschen Leute solche Mittel in die Hände bekommen.

  • A. B. am 12.12.2012 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Passt

    Das passt ja voll in die Linie, die Obama schon die ganze Regierungszeit über fährt. Dass er die Bürgerrechte stark abgebaut hat und die Überwachung umso höher geschraubt hat, wollen unsere Medien nicht so richtig wahr haben. Übrigens auch viele Obama-Fans lassen diesen Einwand nicht gelten. Sicher auch so ne Altlast von Bush und so.

  • DerNachbar am 12.12.2012 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wanze

    Ich finde das es jetzt zu weit geht.