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Welcome to the Shitstorm
12. Dezember 2012 21:20; Akt: 12.12.2012 21:58 Print
Halleluja, der heilige Stuhl twittert
von Philipp Dahm - Denn er weiss nicht, was er tut: Nun twittert auch Papst Benedikt XVI. Was der Pontifex nicht ahnte: Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
Papst Benedikt XVI. geht mit der Zeit. Er hat zwar nicht das Verbot aufgehoben, dass seine katholischen Schäfchen mit protestantischen Herdentieren gemeinsam das Abendmahl feiern. Er hat sich auch nicht für Empfängnisverhütung in der Dritten Welt ausgesprochen oder gar vergewaltigten Frauen das Recht auf Abtreibung eingeräumt. Nein, der Heilige Vater hat Twitter für sich entdeckt und das Netzwerk zu einer modernen Internet-Kanzel konvertiert.
Bildstrecken Überarbeitetes Papst-Denkmal enthülltPapst spricht erstmals eine Indianerin heiligPapst vergibt «Titanic»Der Online-Heiland ist geboren. Hallelujah! Zyniker könnten sich nun wie einst Franz Beckenbauer in einem TV-Spot fragen: «Ja ist denn heut’ schon Weihnachten?» Und tatsächlich eignet sich die besinnliche Adventszeit ja hervorragend, um der Internet-Gemeinde einige freundliche Litaneien unterzujubeln.
Franz Beckenbauer - ein weltlicher Kaiser - bewirbt im Jahr 2000 einen Mobilfunkanbieter. Quelle: YouTube/klassbeck·
Litanei ist der «Wechselgesang» zwischen Vorbeter und katholischen Gläubigen beim Bittgebet. Dass man darunter heutzutage auch wiederholtes Ermahnen oder Klagen versteht, lässt Benedikts Twitter-Taufe unter keinem guten Stern stehen. Und das zur Weihnachtszeit! Doch bevor wir das heilige Kind in den Brunnen fallen lassen, blicken wir auf den ersten Tweet. Denn am Anfang war das Wort.
Der erste heilige Tweet
«Dear friends, I am pleased to get in touch with you through Twitter. Thank you for your generous response. I bless all of you from my heart.»
Der deutsche Papst, Jahrgang 1927, geboren im ländlichen Marktl in Oberbayern, kommuniziert kosmopolitisch in gleich sieben Sprachen, darunter Englisch, Latein und Arabisch. Hoppla, das hätte man dem Wahl-Römer gar nicht zugetraut. Benedikt bleibt am Ball - The artistic Holiness Formerly Known As Archbishop Joseph Aloisius Ratzinger. Oh My God!
Der zweite heilige Tweet
«Wie können wir das Jahr des Glaubens in unserem Alltag besser leben?»
Vater spricht zu mir! Nein, er fragt mich gar nach meiner Meinung. Philosophische Interaktion, kirchlich-kulturelle Kommunikation in beide Richtungen. Vielleicht sogar ein Eingeständnis? Fällt das Dogma der Unfehlbarkeit?
Der dritte heilige Tweet
«Sprich mit Jesus im Gebet. Hör Jesus zu, der im Evangelium zu dir spricht. Finde Jesus in den Notleidenden.»
Oh! Liberalisierung? Wohl mehr Leviten lesen! Rhetorische Fragen statt rettendem Dialog.
Der vierte heilige Tweet
«Wie können wir den Glauben an Christus in einer Welt ohne Hoffnung leben?»
Wie jetzt, Welt ohne Hoffnung? Wohin die fromme Freundlichkeit? Ist das wirklich vom Heiligen Vater selbst? Der tippt doch nicht alle zwei, drei Stunden biblische Belehrungen in sieben Sprachen in die Tastatur!?
Der fünft heilige Tweet (Inschaallah)
«الثقة بأن المؤمن ليس وحيدا أبدا. الله هو الصخرة المتينة التي فوقها تبنى الحياة، فمحبته دائما أمينة.»
Zumal die Frage erlaubt sein muss: Wusste der Heilige Vater, was er tut? Twitter bestätigt den alten Bibelspruch: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. «Holy shit» ist da noch eine zurückhaltende Reaktion auf die heiligen Tweets. Die dreistesten Dialoge und schnippischsten Antworten finden Sie in obiger Bildstrecke.
Bevor Sie nun laut «Blasphemie» schreien und jene und diesen Schreiber auf den Scheiterhaufen wünschen, treten wir den Gang nach Canossa an. Denn eines kann dem Papst keiner absprechen: Er ist ein Weltstar. Der Beweis: Während des Verfassens dieser Zeilen machte Benedikt in nur zehn Minuten über 4000 neue Follower. Non nobis, non nobis, Domine, sed nomini tuo da gloriam. Amen!
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Alle 36 Kommentare

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Mich stört, dass er diese
gewisse Vereinigung unterstützt und befürwortet, die sich unter dem Mantel der katholischen Kirche eingenistet hat und meiner Meinung nach einfach nur Menschen verachtend ist. Ich verstehe nicht, wie er und sein Vorgänger sowas dulden.
Heiliger Stuhl
Wenn ich jeweils auf meinem heiligen stuhl sitze twittert es auch jeweils.........in welcher form auch immer....
Wenn er denn selbst twittern würde
und wenn er das alles auch lesen würde, dann schriebe ich hinein: Warum bist Du so unnahbar? Warum dürfen wir nie persönlich zu Dir vor sondern nur in den Massen am Mittwoch Nachmittag? Denn zu Johannes XXIII durfte jeder kommen.