Beim Ocularisten

16. Dezember 2012 20:08; Akt: 16.12.2012 20:08 Print

Helmut bekommt ein neues Glasauge

Wissen Sie, worauf ein Ocularist seinen Blick richtet? Er versieht Menschen mit versehrten Augen mit Glasprothesen. Manchmal lässt er einen Fotografen zusehen.

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Willkommen im Geschäft von Gerhard Greiner in München. Der Mann ist Ocularist: So nennt man Menschen, die Augenprothesen herstellen. Greiner hat Besuch von Patient Helmut, dessen rechtes Auge versehrt ist. Nachdem sich Kunde und Ocularist auf die richtige Farbe geeinigt haben, ... ... wird das Glasauge eingesetzt. Es hat in diesem Fall die Form einer Halbkugel, weil ... ... das kaputte Auge darunter noch vorhanden ist. Wäre dem nicht so, würde dem Patienten operativ eine Kugel ins Auge gesetzt und mit den Augen-Muskeln verbunden. Anschliessend käme das Glasauge drauf. Patient Helmut kennt das Prozedere. Der 72-Jährige bekam sein erstes Glasauge bereits 1960 eingesetzt. Die Prothese kostet in München umgerechnet etwa 420 Franken. Der Augenprothetiker, der jedes Glasauge individuell anfertigt, hat seinen Job erledigt. Helmut wirft ein kritisches Auge auf die Massanfertigung. Wenn er das gesunde Auge schliesst, käme kein Betrachter auf die Idee, dass Helmuts Blick nun glasig ist. Kein Grund, ein Auge zuzudrücken: Der Kunde ist zufrieden. Und wie wird so ein Glasuage hergestellt? Das werden die folgenden Bilder erzählen! Ocularist Gerhard Greiner macht es vor. Man nehme eine Glasröhre und erhitze sie mit einem Bunsenbrenner auf etwa 800 Grad. Er bläst in das geschmolzene Glas, um eine Kugel zu formen. Erst wenn die Form stimmt, die ... ... zuvor durch Abmessen der Augenhöhle oder Modelle festgelegt worden ist, ... ... Ist die Iris an die Reihe, die sie hier sehen. Jawohl, aus diesen Stangen, die aus gefärbtem Glas bestehen, wird das Augeninnere gemacht. Dann wird die Iris auf die Kugel geschmolzen. Das gilt auch für kleine rote Fäden, die dem Glasauge einen Äderchen-Look verleihen. Glas eignet sich am besten für Augenprothesen: Es hat eine glatte Oberfläche und kann einen Feuchtigkeitsfilm bilden, ... ,,, über den das Augenlid widerstandslos gleiten kann. Bis Augenoptiker in der Lage sind, die Formen richtig zu blasen, vergehen circa sechs Jahre Ausbildung. Augenprothesen wurden anscheinend erstmals im Iran zwischen 2900 und 2800 vor Christi Geburt benutzt. Es handelte sich Halbkugeln mit einem Durchmesser von ... ... von 2,5 Zentimeter. Wahrscheinlich bestand die Prothese aus einer Bitumen-Paste und war mit einer dünnen Goldschicht versehen, auf der ein Kreis als Iris eingeritzt war. Hier ist gut zu sehen, wie kompliziert die Formen der Glasaugen sind , bis sie ... ... genau in die Augenhöhle passen. Nach der Erhitzung werden die Glasaugen ... ... im Wasserbad abgekühlt. Hier gleicht Greiner ein altes Glasauge Helmuts nochmal mit dem neuen ab - auf den ersten Blick ist alles gut. Werfen Sie einen letzten Blick auf Helmuts Auge. Dieses hier ist eines für Puppen.

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München, 11. Dezember 2012: Wenn Helmut wieder zum Ocularisten muss, ist das für ihn nicht aussergewöhnlich. Seit 1960 trägt der 72-Jährige eine Prothese im rechten Auge, die dann und wann ersetzt werden muss. Wie das vonstatten geht, hat an jenem Wintertag ein Fotograf beobachtet.

(phi)