Die Luft ist raus

16. Mai 2013 16:14; Akt: 16.05.2013 17:58 Print

Hongkong trauert um seine Mega-Gummiente

Vom 16,5 Meter hohen Touristen-Magnet zum kläglichen Häufchen Gummi: Die riesige Badeente des holländischen Künstlers Florentijn Hofman ist auf ihrer Welttournee in Hongkong die Luft ausgegangen.

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Ente gut, alles gut. Hongkong hat sein inoffizielles Maskottchen wieder. Nachdem die 16,5 Meter hohe Gummi-Ente wegen Wartungsarbeiten fünf Tage verschwunden war, schwimmt sie wieder im Victoria Harbour. Hier gleicht jeder Abend einem Volksfest. Hunderte versammeln sich, um Fotos zu knipsen, es gibt Musik und Glace-Stände. Abend für Abend werden Hunderte von «Duckface»-Bildern geschossen. Alt und Jung sind verzückt. «Die Ente soll nie wieder weggehen», sagt ein junger Hongkonger. Und auch Merchandise-Artikel wie Enten-Rucksäcke sieht man dieser Tage nicht selten. Da wittern Strassenverkäufer - zu Recht - das grosse Geschäft. Nach einer fünftägigen Abwesenheit prägt die Ente seit dem 20. Mai wieder das Bild des Victoria-Hafens in Hongkong. Das Gelbfieber beschränkt sich aber nicht auf kleine Gummienten oder Rucksäcke: Auch Schuhe gibt es. Oder Süssigkeiten... ... lecker! Der Hafen hat dem friedlich dreinblickenden Wesen eine Ausstellung gewidmet. Pfffff ... die Luft ist draussen. So sah die Ente am 15. Mai aus, bevor sie abtransportiert wurde. Das 16,5 Meter hohe Gummientchen, das seit dem 2. Mai im Hafenbecken von Hongkong schwamm, lag flach. Da ist nichts mehr zu machen. Ganz Hongkong trauerte um das süsse Kunstobjekt des niederländischen Künstlers Florentijn Hofman. Erste Anzeichen von Schwäche zeigte der gelbe Riese bereits am 14. Mai. Am 2. Mai 2013 war die Welt noch in Ordnung. Damals war die gigantische Gummiente zum ersten Mal in Hongkong zu sehen. Seither treibt sie sich im Hafenbecken der Stadt rum. Die Chinesen sind ganz aus dem Häuschen. Der Besuch des Quietscheentchens wurde ausgiebig gefeiert. Kinder führen eine Tanzshow zu Ehren des schrägen Vogels auf. Gelbe Gummientchen sind hier zurzeit ein Verkaufsschlager. Kein Wunder, den Grossen muss man einfach lieb haben. Der süsse Kerl stammt vom niederländischen Künstler Florentijn Hofman. Der 36-Jährige besuchte mit seinem Vogel (oder einer grösseren Version davon) insgesamt schon zwölf Städte weltweit. So war er etwa im australischen Sydney, im brasilianischen São Paulo und natürlich in der holländischen Hauptstadt Amsterdam. Die Hongkong-Variante ist 16,5 Meter hoch und schwimmt auf einem Floss mit einem Durchmesser von 13,75 Metern. Im Innern des Vogels sorgen Luftpumpen Tag und Nacht dafür, dass das seltsame Objekt nicht plötzlich kippt .... ... und drei jeweils drei Tonnen schwere Betonanker verhindern, dass sich die Ente aus dem Staub macht. «Die Gummiente hat heilende Eigenschaften», sagt der Künstler. «Sie kann globale Spannungen lösen und aufzeigen. Sie ist freundlich, sanft und wird von den Menschen aller Altersgruppen verstanden.» Etwa einen Monat wird der Riesenvogel im Hafenbecken von Hongkong rumschwimmen. Dann macht er sich zu neuen Ufern auf. Am 3. Januar 2013 hatte ein etwas grösserer Bruder der Hongkonger-Ente die Bewohner von Sydney in Australien erfreut.

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Während knapp zwei Wochen erfreute das gelbe Gummi-Tier im Hafen Einwohner und Touristen. Geplagt von schlechtem Wetter, Vogelgrippe-Ängsten und einem Streik der Docker bot sie den Menschen in der Millionen-Metropole einen erfreulichen Kontrast. Laut der «South China Morning Post» half sie sogar dabei, den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken und brachte die Menschen dazu, viele als selbstverständlich betrachtete Dinge schätzen zu lernen.

Installiert wurde sie am 2. Mai vom holländischen Künstler Florentijn Hofman – Schwestern und Brüder des gelben Geflügels schwammen schon in Sydney, Osaka, Auckland oder São Paulo.

«Vandalismus oder Zigistummel?»

Doch vor zwei Tagen begann die Luft aus der Hülle zu entweichen – bis die Ente schliesslich zu einer unansehnlichen Gummi-Omelette zusammensank. Sofort schossen die Spekulationen über die Gründe ins Kraut: Die Rede war von Vandalismus und von Festland-Chinesen, die absichtlich Zigarettenstummel auf die Ente schmissen – das chinesische Staatsfernsehen CCTV sah sich gar zu einer Erklärung genötigt. Scherzbolde spekulierten, die Ente sei aufgrund von durch die Luftverschmutzung verursachtem Lungenkrebs verendet.

Die Ursache des temporären Todes der geliebten «Rubber Duck» ist wohl weitaus banaler: Wind und starke Wellen brachten laut der Hafenbehörde die Ente dazu, die Luft zu verlieren. Nun wurde sie per Kran aus dem Wasser gehoben und soll nun im Trockendock reanimiert werden.

So liebte Hongkong seine Gummiente


(Quelle: YouTube/JJFO-1JJLIN)

(trx)