Zukunftsmusik

23. Dezember 2009 10:25; Akt: 23.12.2009 10:57 Print

IBM sagt intelligente Städte voraus

Smarte Häuser, clevere Wasserrohre und eine Polizei, die Verbrechen voraussieht: Der Hightech-Konzern IBM hat einen Blick in die nahe Zukunft unserer Städte gewagt.

(Quelle: YouTube)
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Wie jedes Jahr hat der Technikkonzern IBM seine «Next-5-in-5»-Liste veröffentlicht. Darin skizziert die Firma fünf Trends, von denen sie annimmt, dass sie unser Leben innerhalb der nächsten fünf Jahre grundlegend verändern werden. Den Fokus legen die Futurologen von IBM diesmal auf das Leben in den Städten: Smarte Gebäude, intelligente Stromnetze, clevere Wasserrohre und eine Art von Gesundheits-Internet werden die Metropolen in immer intelligentere Systeme verwandeln. Und auch die Bekämpfung der Kriminalität soll einen grossen Sprung vorwärts machen: Durch die Vernetzung und Auswertung von Daten sollen Verbrechen erkennbar werden, bevor sie geschehen.

Verkehr wird grün

Wenn die IBM-Auguren Recht behalten, wird der Anteil der Verkehrsmittel mit fossilen Brennstoffen abnehmen. Intelligente Stromnetze («Smart Grids») werden sich ausbreiten und es Elektroautos erlauben, an öffentlichen Plätzen — natürlich zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammende — Energie aufzunehmen. Eine Ladung soll dann bis zu 800 Kilometer weit reichen.

Städte sind ungesunde Orte: Da sich in den Metropolen Massen von Menschen drängen, sind sie Brutstätten für übertragbare Krankheiten. Dem soll in Zukunft mit der Vernetzung von anonymisierten Krankendaten begegnet werden. In Echtzeit sollen sich die Gesundheitsbehörden dann dank dieses «Gesundheits-Internets» darüber ins Bild setzen können, wo welche Krankheiten auftreten. Epidemien sollen so bereits in einem frühen Stadium entdeckt werden können.

Clevere Rohre

IBM schätzt, dass bis zu 50 Prozent des Trinkwassers aufgrund von Lecks verloren gehen. Dies fällt besonders ins Gewicht, weil sich der Bedarf in den nächsten 50 Jahren versechsfachen wird. Sensoren sollen künftig überprüfen, wo und wann wie viel Wasser verbraucht wird. Damit könnten Lecks frühzeitig entdeckt und generell die Wasserverschwendung eingedämmt werden. Der Energiebedarf für den Wassertransport soll um einen Fünftel gesenkt werden.


Neue Gebäude sollen gemäss IBM wie ein Organismus konstruiert sein: Die verschiedenen, heute voneinander unabhängigen Systeme der Infrastruktur wie Strom, Wasser oder Heizung sollen miteinander in Wechselwirkung treten. Zahllose Sensoren eruieren Faktoren wie Umwelteinflüsse oder die aktuelle Anzahl der Menschen im Gebäude und passen die Systeme daran an. Reparaturen sollen automatisch durchgeführt werden, bevor etwas wirklich kaputt geht.

Verbrechen verhindern: «Minority Report» lässt grüssen

Dies soll gewissermassen auch für Verbrechen gelten: IBM sieht eine Vernetzung von Daten kommen, die es der Polizei erlauben soll, Verbrechen zu erkennen, bevor sie wirklich geschehen sind. Denkbar bei dieser Art von Antizipation wäre es beipielsweise, Daten aus Vorstrafenregistern mit GPS-Daten abzugleichen. Dies erinnert unweigerlich an die Kakotopie «Minority Report» des amerikanischen Science-Fiction-Autors Philipp K. Dick, die mit Tom Cruise in der Hauptrolle verfilmt wurde. In «Minority Report» verhaften die Behörden potenzielle Täter, bevor diese ihr Verbrechen begangen haben — eine höchst beunruhigende Vorstellung.

Vielen Leuten wird diese Zukunftsmusik aus dem Hause IBM missbehagen. Ihnen dürfte folgendes oft Mark Twain zugeschriebene Bonmot ein Trost sein: «Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.» Dies gilt auch für IBM. Vor drei Jahren prognostizierte der Hightech-Konzern unter anderem das 3D-Internet und gedankenlesende Handys. Auf beide Innovationen warten wir heute noch.

(dhr)